Lewis Hamilton, Polesetter Sebastian Vettel und Jenson Button

Formel 1 2011

— 12.11.2011

Vettel auf Pole: "Guten Abend, Mister Mansell!"

Sebastian Vettel schlägt die McLaren-Piloten und egalisiert damit einen alten Qualifying-Rekord - Historische Niederlage für das einstige Erfolgsteam Williams

2011 bleibt für Champion Sebastian Vettel eine Saison der Superlative: Bei der "Rückkehr des Königs", ein Jahr nach seinem erstmaligen Titelgewinn an gleicher Stelle, sicherte sich der Red-Bull-Pilot heute auf dem Yas-Marina-Circuit in Abu Dhabi seine 14. Pole-Position für das 18. Saisonrennen. Damit stellte er einen 19 Jahre alten Rekord von Nigel Mansell ein.

"Guten Abend, Mister Mansell", scherzte Teamchef Christian Horner am Boxenfunk, nachdem sein Schützling wieder einmal in letzter Minute eine perfekte Runde hingelegt und sich den ersten Startplatz gesichert hatte. Mansell hatte 1992 auf Williams 14 von 16 Qualifyings für sich entschieden. Insgesamt war es die 29. Pole-Position in Vettels Karriere, womit er mit dem großen Juan Manuel Fangio gleichzieht und in der ewigen Rekordliste auf Platz sechs vorstößt.

Vettel nach Trendwende erleichtert

"Gerade nach dem Tag gestern ist das eine Erleichterung", strahlt Vettel, der in der Vergangenheit offen zugegeben hat, dass ihm Statistiken wichtig sind, und sich dementsprechend über seinen geschichtsträchtigen Erfolg freut. Dabei sah es zunächst nicht so aus, als hätte er Topfavorit Lewis Hamilton im McLaren etwas entgegenzusetzen, auch wenn sein Rückstand auf den Abu-Dhabi-Polesetter von 2009 nach dem ersten Run nur 42 Tausendstelsekunden betrug.

"Ich war mit meinem ersten Q3-Run nicht so zufrieden", gibt Vettel zu Protokoll, "aber mit dem zweiten schon. Besonders die ersten beiden Sektoren waren gut, sodass ich im dritten einen kleinen Puffer hatte. Der fiel mir nämlich den ganzen Abend einigermaßen schwer." Als es drauf ankam, brachte er seine Leistung aber wieder genau auf den Punkt: "Schön, dass wir im entscheidenden Moment ein bisschen schneller waren als Lewis."

Hamilton hatte nach dem ersten Q3-Run noch geführt, zuvor auch schon Q2, Q1 und das Abschlusstraining dominiert. Doch während der Schlussoffensive ging zunächst sein Teamkollege Jenson Button wie aus dem Nichts in Führung: 1:38.631 Minuten. Der Brite witterte schon die Chance auf seine erste Pole-Position seit Monte Carlo 2009, doch dann unterbot ihn Hamilton noch um neun und Vettel um 150 Tausendstelsekunden.

Hamilton über letzte Runde enttäuscht

Der knappe Abstand zwischen den McLaren-Piloten überraschte ein wenig, schließlich hatte Hamilton bis zur finalen Entscheidung stets klar den Ton angegeben. "Wir waren schnell und das Auto war gut, aber meine letzte Runde nicht. Die in Q2 war viel besser", gibt Hamilton zu. Tatsächlich wäre er mit seiner Q2-Runde (1:38.434 Minuten), dem schnellsten Versuch des gesamten Wochenendes, vor Vettel auf dem ersten Platz gelandet.

Trotzdem freut er sich, sein Formtief hinter sich gelassen zu haben: "Es war eine gute Session für mich, ein paar gute Tage hier", meint Hamilton. Button hat sich indes "mit der Balance nicht wohlgefühlt, aber für das Qualifying haben wir es hinbekommen. Q3 war knifflig, denn auf einmal hatten wir weniger Grip. Mir hat das aber geholfen, denn während wir davor ein loses Heck hatten, hatten wir plötzlich Untersteuern, was gut für mich ist. Die Runde war gut, aber nicht perfekt."

Mark Webber (Red Bull), nach dem ersten Run noch Dritter, fiel im letzten Versuch auf Platz vier zurück, 0,377 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. In der dritten Startreihe stehen die beiden Ferraris, wobei Fernando Alonso den enttäuschenden Felipe Massa wieder einmal um mehr als eine halbe Sekunde abwatschte, und in der vierten die Mercedes-Silberpfeile - Nico Rosberg 0,889 Sekunden vor Michael Schumacher!

Rosberg mit seiner Runde unzufrieden

Dabei lief es für Rosberg alles andere als perfekt: "Es war auf jeden Fall mehr drin", ärgert er sich. "Am Ende verpokerten wir uns, denn es wurde richtig kalt. Es ging darum, aus der Box heraus richtig schnell zu fahren, um für die schnelle Runde genug Temperatur in die Reifen zu bekommen. Ich hatte aber viel Verkehr und musste daher langsam machen. Dadurch gelang meine Runde nicht so gut, denn meine Reifen waren nicht auf Temperatur."

Beinahe hätte sogar Adrian Sutil (Force India) den siebenfachen Weltmeister Schumacher geschlagen, aber der junge Deutsche, der bisher ein sehr starkes Wochenende abgeliefert hat, steht stattdessen neben seinem Teamkollegen Paul di Resta in Reihe fünf. Di Resta hat in Q3 keine Zeit mehr absolviert und so Reifen gespart, was morgen jedoch wegen des geringen Verschleißes ein kleinerer Vorteil sein dürfte als bei so manch anderem Rennen.

Sergio Perez (Sauber) wurde guter Elfter, gefolgt von Witali Petrow (Renault), Sebastien Buemi (Toro Rosso), Bruno Senna (Renault) und Jaime Alguersuari (Toro Rosso). Kamui Kobayashi (Sauber) wurde 16., Pastor Maldonado (Williams) mit fast dreieinhalb Sekunden Rückstand in Q2 17. - und wird morgen trotzdem vom letzten Startplatz in den Grand Prix gehen, weil er wegen eines Motorwechsels um zehn Positionen nach hinten versetzt wird.

Historischer Tiefpunkt für Williams

Das fügt Williams eine historische Niederlage zu, denn zum ersten Mal in der mehr als 30-jährigen Teamgeschichte stehen beide Fahrzeuge in der letzten Reihe. "Das ist hart. Das ist ja der totale Absturz für Williams", findet Experte Marc Surer. Einen letzten Startplatz hatte es zuletzt beim Heimrennen in Silverstone 2008 gegeben, damals durch Rosberg. Verteidigend sei aber erwähnt, dass Rubens Barrichello wegen eines Defekts keine Zeit fahren konnte.

"Wir hatten heute Morgen einen brandneuen Motor und es sah gut aus. Dann gingen wir raus und nach zwei Runden hatten wir Probleme", seufzt der Brasilianer. "Wir wollten uns die Situation anschauen, aber vor dem Qualifying sagte mir das Team, dass wir keine Chance haben, es zu schaffen. Es war ein schwieriges Wochenende - ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so wenige Runden gefahren zu sein. Heute war ein enttäuschender Tag."

Den fast schon isoliert zu betrachtenden Contest der drei (nicht mehr ganz so) neuen Teams gewann einmal mehr Lotus - teamintern hängte Heikki Kovalainen Jarno Trulli um fast eine Sekunde ab, was Spekulationen nährt, wonach Trulli schon bald rausgeschmissen werden könnte. Timo Glock hingegen gewann sein Stallduell bei Marussia-Virgin, ebenso wie Daniel Ricciardo jenes bei HRT - und zwar um mehr als eine halbe Sekunde.

Ricciardo gibt Empfehlungsschreiben ab

"Wir liegen sicher vor Tonio und haben die Virgins gesprengt. Das ist ein recht starkes Ergebnis", freut sich der Red-Bull-Junior. "Damit dürfen wir ziemlich zufrieden sein. In meiner letzten Runde brachte ich eine sehr gute Zeit zustande. Im ersten Sektor war ich super unterwegs. In den Kurven sechs und sieben hatte ich wohl Glock vor mir. Er bemühte sich, aus dem Weg zu gehen, doch es kostete mich vielleicht trotzdem ein bisschen. Egal, ich bin dennoch sehr zufrieden."

Polesetter Vettel visiert nun nach seinem Qualifying-Meilenstein den Hattrick in Abu Dhabi an, wo seit der Premiere im Jahr 2009 noch kein anderer Fahrer gewonnen hat. Aber der 24-Jährige weiß genau: "McLaren sieht sehr stark aus, Lewis und Jenson, sehr schnell auf den Longruns. Sie werden schnell sein. Wir müssen auf uns selbst schauen, einen guten Start hinlegen und dürfen keine Fehler machen. Ich bin aber zuversichtlich und bereit."

Experte Surer sieht gute Chancen für den Weltmeister, glaubt aber nicht an einen ruhigen Wüsten-Spaziergang: "Die große Frage ist: Welches Auto liegt mit vollen Tanks am besten? Man wird sehen, ob Vettel wieder wegfahren kann, was er ja meistens macht, wenn er die Chance bekommt, oder ob die anderen dranbleiben. Dann wird es mit den langen Geraden und den beiden DRS-Zonen schwierig für ihn", prognostiziert der ehemalige Formel-1-Pilot.

Fotoquelle: xpb.cc

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