Eric Boullier kann anscheinend nicht länger auf Robert Kubica warten

Formel 1 2011

— 12.11.2011

Renault: Ärger über Kubica wächst

Eric Boullier hält nach wie vor zu Robert Kubica, glaubt aber offenbar nicht an ein baldiges Comeback und kritisiert die Kommunikation mit dem Polen

Aus Sicht des Renault-Teams war 2012 "ein frustrierendes Jahr", sagt Eric Boullier. Der Rennstall steht zwar auf Platz fünf der Konstrukteurs-WM, aber abgesehen von den zwei Podestplätzen am Saisonbeginn ist viel schiefgelaufen. Angefangen hat alles mit einer Test-Bestzeit von Robert Kubica, doch dessen Rallye-Unfall ein paar Tage später bedeutete einen herben Rückschlag für die von Genii Capital kontrollierte Mannschaft.

"Zuerst die Sache mit Kubica", schildert Boullier, wie das Seuchenjahr angefangen hat. "Wir wissen bis heute nicht, wie viel uns das gekostet hat - darüber will ich ehrlich gesagt gar nicht nachdenken -, aber wir wären in der Weltmeisterschaft wahrscheinlich eine Position weiter vorne. Dann das ganze Drama mit dem Autodesign und die Situation mit dem Teamnamen, die wir jetzt endlich geklärt haben - nun wird klar, wo die Richtung hingeht."

Petrow/Grosjean am wahrscheinlichsten

Renault wird nächstes Jahr Lotus heißen, aber mit welchen Fahrern, das wurde noch nicht bekannt gegeben. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' ist Witali Petrow gesetzt und Romain Grosjean haushoher Favorit auf das zweite Cockpit. Denn Teamchef Boullier braucht einen Fahrer, idealerweise aus dem hauseigenen Gravity-Kader, den er notfalls während der Saison vor die Tür setzen kann, sollte Kubica doch zu einem verspäteten Comeback in der Lage sein.

Grosjean habe sich in Abu Dhabi "gut geschlagen und gute Rundenzeiten geliefert. Sein Feedback hat mich überrascht - das war sehr gut. Nun sehen wir weiter. Es war seine erste Session. Er ist schnell, aber schauen wir mal, wie Interlagos läuft", sagt Boullier und bestätigt: "Er ist eines der möglichen Szenarien, definitiv." Auch Jerome D'Ambrosio? "Könnte sein. Ich arbeite gerade an einem anderen Plan für ihn, aber er steht auf meiner Liste und er gehört zu unserer Familie."

Dass Kubica bei den Testfahrten im Februar oder spätestens beim Saisonauftakt im März in einem schwarz-goldenen Lotus sitzen wird, daran glaubt in Enstone niemand mehr. "Der letzte Stand ist, dass er sich auf keine Deadline einlassen kann", berichtet Boullier, der sich offenbar nicht sicher ist, ob der 26-jährige Pole überhaupt je wieder Formel 1 fahren wird: "Sobald er weiß, dass er nicht mehr zurückkehren kann, muss uns das ordentlich kommuniziert werden."

In den vergangenen Monaten hat die Kommunikation zwischen Boullier und Kubica nämlich nicht optimal funktioniert. Teilweise war der Fahrer für den Teamchef telefonisch nicht erreichbar, sodass alle Gespräche nur über Kubicas Manager Daniele Morelli liefen. Auf derartige Kommunikationsprobleme angesprochen, reagiert Boullier leicht verstimmt: "Redet mit ihm! Wenn er mit niemandem reden möchte, was kann ich dafür?"

Kubica lässt alle Deadlines verstreichen

Besonders ärgert die Renault-Verantwortlichen, dass der eigentlich für September geplante Test im Simulator nie stattgefunden hat. Auch die Frist bis 15. Oktober ist verstrichen - und selbst als man dem Kubica-Umfeld angeboten hat, sogar bis Ende Oktober zu warten, passierte bis heute nichts. "Das Problem ist, dass der Oktober ein Schlüsselmonat war, wenn er im Februar zurückkehren möchte", meint Boullier achselzuckend.

"Ich bin geduldig, denn er war sehr wichtig für uns und wir haben ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ich kann mir sogar vorstellen, ihn während der Saison wieder ins Cockpit zu setzen, wenn es denn möglich ist. Wir versuchen das alles, aber mehr können wir nicht tun. Und wenn es keine Kommunikation gibt, dann nur deswegen, weil er nicht kommuniziert. Punkt", stellt der Franzose klar und gibt zu, dass er Kubica "vor ein paar Monaten" zum letzten Mal gesehen hat.

Die Möglichkeit, dass Kubica das Team verlassen könnte, hält Boullier nicht für realistisch: "Selbst wenn es ums Geschäft geht, sind wir ihm moralisch verpflichtet - sogar mehr als das. Der Vertrag läuft am Jahresende aus und er kann tun, was er will. Wir waren sehr fair, haben zu ihm gehalten. Wenn er woanders fahren will, fein. Ich glaube aber nicht, dass es Stand heute ein besseres Cockpit als unseres für ihn gibt", sagt er.

Was Alternativen zum polnischen Wunschkandidaten angeht, bestätigt er "einen Plan B und einen Plan C, aber ich muss warten". Und damit auch die Fahrer, die sich um das Cockpit bewerben, was denen natürlich nicht gefällt. "Aber ich habe keine andere Wahl", bittet Boullier Bruno Senna, Rubens Barrichello und Co. um Verständnis. "Wir haben das Privileg, im Moment wahrscheinlich das meistgewollte Cockpit zu haben."

Fotoquelle: xpb.cc

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