Freudestrahlender Sieger: Lewis Hamilton kann also doch noch gewinnen...

Formel 1 2011

— 13.11.2011

Erlösender Sieg für Hamilton in Abu Dhabi

Lewis Hamilton gewinnt mit einer dominanten Performance in Abu Dhabi, auch weil sein schärfster Gegner Sebastian Vettel schon in der ersten Runde ausfiel

Er kann es also doch noch: Lewis Hamilton (McLaren), der sportlich wie auch privat einige schwierige Wochen hinter sich hat, schaffte heute mit dem Sieg beim Grand Prix von Abu Dhabi einen psychologisch wichtigen Befreiungsschlag. Nach China und Deutschland war es im 18. Rennen der dritte Saisonsieg für den Weltmeister von 2008.

Hamiltons Jubel nach der Zieldurchfahrt war riesengroß - man konnte förmlich fühlen, was für ein Stein ihm vom Herzen gefallen ist, als er im Parc Ferme über den Zaun sprang, um seine Mechaniker zu umarmen. "Mega Job, Jungs, mega Job, wie immer", jubelte er am Boxenfunk. "Ich widme diesen Sieg meiner Mum. Happy Birthday und danke, dass du gekommen bist. Fantastisch, Jungs! Ich bin froh, dass ich das für euch geschafft habe."

Kein Hattrick für Vettel

Mit ein bisschen Schützenhilfe von Polesetter Sebastian Vettel (Red Bull): Gleich in der zweiten Kurve endete Vettels Griff nach dem dritten Sieg im dritten Abu-Dhabi-Rennen, als er nach einem guten Start in Führung liegend von der Strecke kreiselte. Über den Boxenfunk beklagte er sofort einen Schaden am rechten Hinterreifen, dennoch vollendete er die erste Runde im Schleichtempo. In der Box verriet bereits der erste Blick auf den Reifen, dass das Rennen für Vettel vorzeitig beendet war.

Die Bremstrommel und die Bremsenkühlung waren offenbar beschädigt, sodass an eine Fortsetzung des Rennens nicht mehr zu denken war. Damit riss für Vettel eine stolze Serie: Seit dem Motorplatzer 385 Tage zuvor in Südkorea war er 19 Mal in Folge ins Ziel gekommen. Der Champion riss sich wütend den Helm vom Kopf und setzte sich umgehend an den Computer, um in den Daten selbst nach der Ursache für das Malheur zu fahnden.

"Am Ausgang der ersten Kurve war noch alles in Ordnung, aber sobald ich in die zweite Kurve einlenkte, spürte ich sofort, dass rechts hinten etwas nicht stimmte", sagt der Weltmeister. "Ich musste das Auto plötzlich einfangen, aber beim zweiten Mal konnte ich es nicht mehr halten. Der Reifen rechts hinten hat sehr rasch die Luft verloren und ich konnte dann nichts mehr machen. Warum es so weit kam, wissen wir nicht."

Hamilton auf dem Weg der Besserung

Hamilton fuhr indes "ein super kontrolliertes Rennen vom Start bis ins Ziel", wie sein Renningenieur Andy Latham, der dann auch mit seinem Schützling auf das Podium durfte, am Boxenfunk feststellte. Ob das nun das Comeback des "alten" Hamilton ist? "Weiß ich nicht, es ist noch zu früh. Aber das ist definitiv der Beginn von etwas sehr Gutem", entgegnet der McLaren-Pilot. "Vor uns liegt noch ein großartiges Rennen, Brasilien. Darauf konzentriere ich mich jetzt."

"Ich fühle mich fantastisch, das war eines meiner besten Rennen", sagt er. "Als ich langsamer machte, sagte ich zu mir selbst: Ich habe einen der besten Fahrer der Welt das ganze Rennen hinter mir gehalten. Das ist etwas ganz Schwieriges. Auf die Reifen achten, den Abstand kontrollieren. Das Team hat bei den Boxenstopps fantastische Arbeit geleistet. Ich bin ekstatisch. Ich bin wirklich sehr glücklich darüber, wieder hier zu sein. Heute Abend kann ich mich in den Flieger setzen und lächeln."

Auch darüber, Fernando Alonso (Ferrari) geschlagen zu haben. Die beiden kamen mit gut drei Sekunden Abstand zeitgleich zum ersten Boxenstopp. Vor dem zweiten Boxenstopp wuchs Hamiltons Vorsprung nach und nach auf etwa fünf Sekunden an - aber Ferrari riskierte diesmal, blieb länger draußen und fuhr tatsächlich zunächst die besseren Rundenzeiten, weil Hamiltons harte Reifen nicht von Anfang an voll auf Tempo kamen.

Ferrari letztendlich ohne Chance

Aber der Poker ging nicht ganz auf: "Beim letzten Boxenstopp sind wir zwei Runden länger draußen geblieben als McLaren", schildert Alonso. "Es war knapp, aber ich hatte in der Boxeneinfahrt einen HRT vor mir. Da haben wir ein bisschen Boden verloren, aber im letzten Stint hatten sie das bessere Tempo. Selbst wenn wir beim Stopp vorbeigegangen wären, wäre es schwierig gewesen, das Rennen zu gewinnen. Ich freue mich über Platz zwei."

Der Ferrari-Pilot hatte "einen sehr guten Start und dann eine gute erste Runde. Nach dem Fight mit Jenson und Sebastians Unfall war ich Zweiter, und den Rest des Rennens lag ich immer drei bis fünf Sekunden hinter Lewis." Denn nach Vettels Ausritt ging es im ersten Umlauf rund: Alonso schnappte sich Jenson Button (McLaren), dahinter ging Michael Schumacher (Mercedes) mit einem harten Manöver an seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbei.

Jenson Button (McLaren) lieferte sich dann ein tolles Duell mit Mark Webber (Red Bull): In der vierten Runde konnte er die Attacke noch kontern, in der 15. nicht mehr. Trotzdem fuhr der WM-Zweite 9,9 Sekunden vor dem Australier über die Ziellinie, weil Red Bull auf eine unkonventionelle Dreistoppstrategie mit Reifenwechsel in der vorletzten Runde setzte. Vor diesem späten Stopp drehte Webber eine schnellste Runde nach der anderen - vergebens...

Button lange Zeit ohne KERS

Button gesteht: "Ich weiß nicht, ob meine Pace mit den weichen Reifen voll da war, aber ab der 13. oder 14. Runde hatte ich kein KERS mehr. Ich musste Webber und Massa hinter mir halten, was ohne KERS ziemlich interessant ist, und im nächsten Stint haben sie mir gesagt, was ich tun könnte, damit KERS wieder funktioniert, und das hat tatsächlich geklappt. Aber es hielt vielleicht zwei Runden und dann musste ich wieder resetten."

Trotzdem verdient Webber das Prädikat Racer des Abends, denn in der 42. Runde überholte er Button noch einmal - und dazwischen fightete er auch Massa und Rosberg nieder. Mit dem späten Boxenstopp fiel er hinter Button zurück, blieb aber vor Massa, denn der Ferrari-Pilot war zwischendurch wieder einmal neben der Strecke. Zumindest Rosberg konnte er im Kampf um Platz fünf um 1,7 Sekunden hinter sich halten.

"Mit Massa machte ich genau, was ich tun wollte. Es war haarscharf, doch dann ging mir der Platz aus", berichtet Rosberg vom Start. "Ich musste ausweichen und von der Strecke fahren. Dabei verlor ich den Platz an Michael. Wir hatten ein gutes Duell miteinander. Es war ein gutes Rennen. Das Einteilen der Reifen klappte gut. Wir machten noch einmal einen Schritt nach vorne - auch von meiner Seite der Garage her. Das war echt cool. So kann es weitergehen."

Starker Sutil 24 Sekunden vor di Resta

Schumacher hatte diesmal keine Chance gegen seinen Landsmann, fiel beim ersten Boxenstopp sogar kurzzeitig hinter Adrian Sutil (Force India) zurück. Am Ende Platz sieben für den siebenfachen Weltmeister, vor den beiden Force Indias - Paul di Restas Einstoppstrategie war zwar kein Vorteil, schadete ihm aber auch nicht. Den letzten Punkt für Platz zehn sicherte sich heute Sauber-Pilot Kamui Kobayashi.

Einer der auffälligeren Fahrer im Hinterfeld war Heikki Kovalainen (Lotus), der phasenweise sogar mit den Williams mitfighten konnte und am Ende 17. wurde. Unglücklich hingegen der Arbeitstag von Sebastien Buemi (Toro Rosso): Der Schweizer musste wegen eines technischen Defekts an der Box aussteigen - zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, steht doch seine Zukunft in der Formel 1 momentan auf der Kippe.

Übrigens: Im Kampf um den zweiten WM-Platz spielt Hamilton trotz seines Sieges nun keine Rolle mehr. Die Entscheidung wird in zwei Wochen zwischen Button (255 Punkte), Alonso (245) und Webber (233) fallen. In der Konstrukteurs-WM scheinen inzwischen die ersten sechs Positionen fest vergeben zu sein. Dass Sauber oder Toro Rosso 15 beziehungsweise 16 Punkte auf Force India aufholen können, ist unwahrscheinlich.

Fotoquelle: xpb.cc

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