Der Brite Lewis Hamilton hat die Stunde seines Triumphes genossen

Formel 1 2011

— 13.11.2011

Hamilton: "Ich fühle mich fantastisch"

Lewis Hamilton hat in Abu Dhabi wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden - Nach dem Triumph war der McLaren-Pilot gelöst und überglücklich

Nachdem Lewis Hamilton schwierige Wochen und viel Kritik einstecken musste, lief es für den Weltmeister von 2008 in Abu Dhabi perfekt. Das gesamte Wochenende präsentierte sich der McLaren-Pilot in Topform und setzte sein Talent auch im Rennen um. Von der Spitze aus kontrollierte Hamilton den Grand Prix und hielt Ferrari-Ass Fernando Alonso in Schach. Es war sein dritter Sieg in diesem Jahr und der erste seit dem Nürburgring im Juli. Im Anschluss an das Rennen war der Brite gelöst und überglücklich. Den Schwung des Erfolges will er auch zum Saisonfinale nach Brasilien und in die kommende Saison mitnehmen.

Frage: "Beschreibe uns deine Gefühle nach diesem Sieg. Er ist für deine Mutter, oder?"
Lewis Hamilton: "Ja absolut. Meine Mutter hatte an diesem Wochenende Geburtstag und es ist toll zu gewinnen, während sie hier ist. Ich fühle mich fantastisch. Ich glaube, es war eines meiner besten Rennen. Ich habe mir das auch in der Auslaufrunde gesagt. Es ist sehr, sehr schwierig, wenn man einen der besten Fahrer der Welt in Schach hält."

"Ich liebe es gegen Fernando zu kämpfen. Er ist wahrscheinlich einer der schnellsten und konstantesten Fahrer. Sobald ich einen Fehler begehen würde, profitiert er davon. Das wieder aufzuholen ist sehr schwierig. Heute konnte ich ihn halten. Wir haben beide auf einem hohen Level agiert. Es ist immer schwierig, sich an alle Rennen zu erinnern. Ich hatte in der Vergangenheit schon große Siege. Es fühlt sich so an, als wäre es ewig her, seit ich zum letzten Mal gewonnen habe."

"Ich habe auf die Reifen geachtet und den Vorsprung kontrolliert. Ich habe mir nie gesagt, dass ich an den Sieg denken darf, weil es ein langer Weg war. Das Team hat bei den Boxenstopps einen fantastischen Job gemacht. Ich bin außer mir vor Freude. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich wieder ganz oben bin. Es ist toll. Ich kann heute mit einem Lächeln ins Flugzeug steigen."

Frage: "Es waren harte Monate für dich. Bringt dich der Sieg wieder ganz zurück? Was denkst du?"
Hamilton: "Ich weiß es nicht. Es ist noch früh zu sagen, aber es ist ganz sicher der Start für hoffentlich etwas gutes. Es wartet noch ein weiteres tolles Rennen in Brasilien auf uns. Ich muss mich darauf konzentrieren und versuchen den Schwung beizubehalten. Es kann aber alles passieren. Ich muss mich nur auf die Sache konzentrieren. Vieles in der Formel 1 ist ein psychologisches Spiel. Ich wollte, dass meine Mutter an diesem Wochenende dabei ist. Es ist schön, dass meine Familie dabei war und ich mit ihnen das Wochenende genießen konnte. Mein Management war auch dabei."

Frage: "Wie schätzt du diesen Sieg nach dieser schwierigen Zeit ein.?"
Hamilton: "Ich weiß es nicht. Ich hatte einige interessante Siege, manche besser als andere. In der Auslaufrunde dachte ich mir, dass es einer der besten Siege war in Bezug auf meine eigene Performance und dass ich keinen Fehler gemacht habe. Ich glaube, mir ist in diesem Rennen kein einziger Fehler passiert. Ich bin immer mein größter Kritiker und ich glaube, dass ich heute alles maximiert habe."

"Das ganze Paket hat heute gepasst. Nach den Dingen die passiert sind, und unter dem großen Druck, der auf meinen Schultern gelastet hat, sowie den Zweifeln, die mich umgeben haben, bin ich sehr stolz, dass ich diese Performance zustande gebracht habe. Meine Fans haben mich unglaublich unterstützt, genau wie meine Familie. Speziell in den letzten Wochen hat das einen großen Unterschied ausgemacht. Es ist auch der Geburtstag meiner Mutter. Das macht es noch besser."

Frage: "Es hatte den Anschein, dass ganz Abu Dhabi dich angefeuert hat. Konntest du die Stimmung im Publikum fühlen?"
Hamilton: "Ja ganz bestimmt. In der Runde, in der wir um den Kurs gefahren wurden, sah ich, dass sehr viele Fans auf den Tribünen waren. Viele Fans waren aus Großbritannien da, aber auch aus Abu Dhabi. Ich war überrascht über soviel Unterstützung, aber es war toll. Es ist ein tolles Spektakel, eine tolle Rennstrecke und ein großartiges Land. Hoffentlich war das Rennen spannend zu verfolgen."

"Für mich war es jetzt nicht so aufregend, mich selbst zu sehen, aber es stört mich nicht, wenn es hin und wieder solche Rennen gibt. Ich freue mich darauf wieder zurückzukommen. Ich schaue mir die Entwicklungen in Abu Dhabi an und werde mir hier vielleicht ein Haus kaufen. Es ist einer der schönsten Plätze überhaupt. Das Wetter ist immer schön und vom Layout her ist es die beste Strecke der Welt. Die Menschen sind auch sehr nett."

Frage: "Man hatte den Anschein, dass du zum ersten Mal seit langer Zeit ein Wochenende hattest, an dem du dich nicht von deinen Emotionen hast beeinflussen lassen. Hat das heute den Unterschied ausgemacht?"
Hamilton: "Ich weiß es nicht. Mein Kopf war an diesem Wochenende viel klarer. Es lastete weniger Druck auf mir und ich hatte weniger Gedanken, oder was auch immer ich für Probleme hatte. Ich konnte einfach viel befreiter fahren. Mein Qualifying und meine Trainings waren immer sehr gut, aber bei den letzten Rennen gab es offensichtlich Fehler"

"Ich dachte einfach nicht geradlinig, aber an diesem Wochenende habe ich das geschafft. Ich weiß nicht, ob es an der großartigen Unterstützung gelegen hat, oder woran auch immer. Ich hatte das gesamte Wochenende über ein positives Gefühl. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich gut drauf war. Ich bin glücklich, dass ich es zu diesem Resultat umgesetzt habe und keine Probleme hatte. Ich habe mich nie ablenken lassen, bis ich die Ziellinie überquert habe."

Frage: "Wie wichtig war es, dass du noch vor Saisonende ein Rennen gewinnst?"
Hamilton: "Nach der schwierigen Zeit war es wichtig, es nicht nur meinen Kritikern zu zeigen, sondern es auch mir zu beweisen. Es waren sehr schwierige Monate für mich. Das Team hat sich sehr angestrengt. Ich bin sehr glücklich, dieses Rennen zu gewinnen. Ich war in den letzten Jahren hier nie richtig schnell, und endlich ein Rennen auf so einer tollen Strecke zu gewinnen, ist etwas Besonderes. Ich möchte nicht über irgendwelche negativen Sachen sprechen. Ich denke, ich verdiene es, dass ich den Triumph genießen kann. Jeder Erfolg tut der Seele gut. Heute war es eine aufbauende Erfahrung."

Frage: "Der Sieg gibt dir sicher auch Auftrieb für die kommende Saison?"
Hamilton: "Wir sind auf einem guten Weg. In der Fabrik wird schon fleißig am neuen Auto gearbeitet. Es hängt alles davon ab, wie wir in die neue Saison starten. Ich habe keine Zweifel, dass wir vorne mitkämpfen werden. Sebastian, Red Bull, aber auch Ferrari werden schwer zu schlagen sein, aber wir geben alles. Es ist schön, wenn man die Saison auf einem Hoch beendet."

Hamilton beobachtet Vettels Abflug

Frage: "Was hast du dir gedacht, als sich vor dir Sebastian von der Strecke gedreht hat?"
Hamilton: "Ich wusste nicht, in welche Richtung er sich wegdrehen würde, also versuchte ich ihm auszuweichen. Ich sah sofort, dass etwas mit seinem Reifen passiert war. Deshalb hat er sich auch gedreht. Ich musste nur sicher gehen, dass ich nicht mit ihm kollidiere, weil er eventuell zurück auf die Strecke gekommen wäre. Anschießend sah ich, dass zwei sehr schnelle Fahrer hinter mir lagen. Ich versuchte den Vorsprung zu halten. Ich habe mich das gesamte Rennen über nicht damit beschäftigt."

Frage: "Wie genau hast du Sebastians Unfall gesehen? Ist es möglich, dass er mit dem voll getankten Auto zu stark über den Randstein gefahren ist?"
Hamilton: "Ich sah, dass er durch Kurve zwei fuhr und es hatte den Anschein, dass sein Reifen aus irgendeinem Grund einen Schaden hatte. Soweit ich sehen konnte, war er nicht auf dem Randstein. Ich sah es nur nach dem Randstein, also nach dem Scheitelpunkt. Ich sah nur, dass der Reifen platt war und das Auto rechts hinten auf dem Unterboden aufsaß. Deshalb ging ich von einem Reifenschaden aus."

Frage: "Wäre der Sieg noch besser gewesen, wenn du Sebastian geschlagen hättest?"
Hamilton: "Ich habe keine Ahnung und werde es dir sagen, wenn es passiert. Wir waren sehr schnell und es wäre sehr eng gewesen. Sebastian hatte einen guten Start und ist erneut vorne weggefahren. Er ist sehr gut aus der ersten Kurve herausgekommen und hatte sofort einen guten Vorsprung. Manchmal braucht jeder etwas Pech, um die guten Zeiten zu schätzen. Ich kann mich kaum erinnern, wann er zum letzten Mal etwas Pech hatte."

Frage: "Du hast davon gesprochen, dass du deinen Vorsprung gehalten hast. Im ersten Abschnitt blieb der Abstand sehr konstant, und auch später blieb dein Vorsprung bis zum zweiten Stopp sehr konstant."
Hamilton: "Ja. Ich denke, es passiert mir sehr selten, dass ich die Möglichkeit habe, einen Abstand so konstant zu halten und das Rennen zu kontrollieren. Heute hatte ich die Pace dazu und konnte die entscheidenden Runden drehen, als Fernando schneller wurde, oder die Lücke leicht reduzierte. Generell konnte ich den Vorsprung konstant halten, oder ihn sogar vergrößern."

"Zu einem Zeitpunkt - ich kann mich aber nicht erinnern in welchem Abschnitt das war - verringerte er seinen Rückstand. Es schien so, als würde er einen Abschnitt langsamer als ich beginnen, und dann am Ende schneller werden. Seine Reifen würden dann länger halten, aber nichtsdestotrotz bin ich sehr glücklich wie es gelaufen ist."

Frage: "Jenson ist Dritter geworden. Fast ein perfektes Resultat für McLaren."
Hamilton: "Ich wusste nicht, wo er lag. Ich sah ihn nicht auf dem Monitor, oder hatte Informationen. Es war auch für ihn ein tolles Rennen, sehr ähnlich zum Vorjahr, aber damals war Sebastian Erster. Tolle Punkte für das Team und eine starke zweite Saisonhälfte."

Überrundete in einer schwierigen Situation

Frage: "Es gab einige Strafen für Überrundete. Hattest du heute mehr Probleme als sonst beim Überrunden?"
Hamilton: "Ich muss hervor streichen, dass die Überrundeten einen schwierigen Job haben. In erster Linie blicken sie voraus, denn sie kämpfen für welche Position auch immer. Manchmal blickt man dann nicht in die Rückspiegel, oder man erwartet gar nicht, dass man zu diesem Zeitpunkt überrundet wird. Ich war auch schon in dieser Situation. Ich schätze, manche haben uns nicht gesehen, weil sie selbst mit anderen Fahrern gekämpft haben."

"Manche fuhren aber alleine und sind einfach nicht von der Linie gefahren. Hinter verschiedenen Leuten verlor ich mehrere Sekunden. Ich glaube, Rubens überholte mich mit DRS. Ich konnte nichts dagegen tun. Ich fuhr dann neben ihm und dachte mir, 'Hey, ich liege in Führung und wir kämpfen gar nicht miteinander'. Er hat mir nach dem Rennen gratuliert, also ist es in Ordnung."

Frage: "Jetzt reist du topmotiviert nach Brasilien. Was erwartest du dir vom Saisonfinale?"
Hamilton: "Ich freue mich darauf. Es ist in jedem Jahr eine spezielle Veranstaltung und ich finde, es ist der beste Ort, um das letzte Saisonrennen zu fahren. Ich habe dort viele tolle Fans, auf die ich mich freue. Wir haben viele Erinnerungen an Brasilien. Es ist immer schön, in Sennas Land zu fahren. Ich habe in Sao Paulo noch nie gewonnen. Hoffentlich können wir mit unserer Performance Red Bull im Qualifying schlagen und vielleicht gewinnen wir wieder. Ich werde dort eine spezielle Überraschung haben."

Fotoquelle: xpb.cc

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