Lewis Hamilton konnte sich in Abu Dhabi vor Teamkollege Jenson Button halten

Formel 1 2011

— 15.11.2011

Hamilton: "Über den Wolken"

Lewis Hamilton sieht nach Abu-Dhabi-Sieg wieder klarer und erklärt, warum er seine Probleme der jüngsten Vergangenheit für sich behalten hat

Für Lewis Hamilton kam der Sieg beim Grand Prix von Abu Dhabi einer Erlösung gleich. Nicht nur, dass es für den Weltmeister des Jahres 2008 der erste Triumph seit Ende Juli auf dem Nürburgring war, auch und vor allem die Art und Weise, wie Hamilton auf dem Yas Marina Circuit zum Sieg fuhr, sorgte für große Genugtuung. Er selbst bezeichnete seinen 17. Grand-Prix-Sieg als einen seiner besten überhaupt.

Nach dem Ausfall von Sebastian Vettel in der ersten Runde des Rennens, hatte Hamilton den vorletzten Saisonlauf jederzeit im Griff und sicherte sich nach 55 Runden seinen dritten Saisonsieg vor Fernando Alonso und seinem eigenen Teamkollegen Jenson Button, der ihm in den vergangenen Wochen und Monaten teamintern den Rang ablief.

Dass er Button in der WM-Wertung 2011 nicht mehr einholen kann, macht Hamilton nichts aus, wie gegenüber 'Reuters' versichert: "Für mich ist es unerheblich, dass er die Saison weiter vorn als ich beendet, denn unser eigentliches Ziel ist es, den Titel zu holen." Vor dem Saisonfinale in Brasilien liegt Hamilton mit 227 Punkten nach wie vor auf Platz fünf der WM-Tabelle. Teamkollege Button ist mit 255 Zählern Zweiter und nimmt Kurs auf den Vizetitel.

Wie eine schlechte Partie Golf

Die Saison 2011, in deren Verlauf er nie ernsthaft für den Titelgewinn in Frage kam, vergleicht Hamilton mit einer Runde auf dem Golfplatz. "Wenn du Golf spielst, gibt es Tage, an denen du gewinnst und es gibt Tage, an denen du verlierst. Für mich war dieses Jahr wie ein solcher Tag, an dem es nicht lief", so der 26-Jährige.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass er bereits seit 18 Jahren Rennen fährt, will Hamilton der für seine Verhältnisse mäßigen Saison nicht allzu viel beimessen: "Ich bin seitdem ich acht Jahre alt bin in Rennwagen unterwegs. Dass ich jetzt mein erstes Jahr hatte, in dem ich daneben lag, ist nicht so schlecht. Wenn man bedenkt, was ich in diesem Jahr durchgemacht habe, bin ich mit meiner aktuellen Position zufrieden."

Nach seinem Triumph in Abu Dhabi, der eigener Aussage zufolge "dringend notwendig" war, blickt Hamilton dem anstehenden Saisonfinale in Interlagos und der weiteren Zukunft optimistisch entgegen. "Ich sollte auch in Brasilien gut unterwegs sein. In der Vergangenheit habe ich dort immer großartige Unterstützung durch die Fans erfahren. Als ich gegen Felipe (Massa; Anm. d. Red.) um die Weltmeisterschaft kämpfte, war es hart, aber ich freue mich auf das Rennen und darauf, wie ich empfangen werde."

Private Probleme warfen Hamilton aus der Spur

In Bezug auf seine Probleme, die ihn während der zurückliegenden Wochen und Monate doch sichtlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben, gibt sich Hamilton nach wie vor wortkarg. "Der Grund, warum ich nie darüber gesprochen habe ist, weil es persönliche Dinge waren, die mit meiner familiären Situation zu tun hatten", so Hamilton, der im Rahmen des Grand Prix von Indien vor gut zwei Wochen die Trennung von Lebensgefährtin Nicole Scherzinger offiziell bestätigte, gegenüber 'The Guardian'. Gleichzeitig hat er sich mit Vater Anthony wieder versöhnt, nachdem die einst als mustergültig geltende Vater-Sohn-Beziehung über Monate arg gelitten hatte.

An seinen Fähigkeiten als Rennfahrer habe der McLaren-Pilot in dieser schwierigen Phase nie gezweifelt, wie er versichert. "Andere Leute mögen mein Talent in Frage gestellt haben, ich jedoch nicht. Das war jederzeit vorhanden", so Hamilton, der sich eines Vergleichs bemüht: "Ich musste einfach mit diesem Schlamassel fertig werden. Das ist in etwa so, wie man mit dem Flugzeug durch die Wolken fliegt. Zunächst siehst du gar nichts, darüber ist aber alles klar. Ich habe nun eine ganze Weile in diesen Turbulenzen verbracht. Am Sonntag war ich über den Wolken und das war ein tolles Gefühl."

"Ich bin selbst immer mein größter Kritiker", sagt Hamilton und fügt an: "Ich weiß nicht, ob andere Fahrer zu sich selbst auch so hart sind." Für die Zukunft könne er sich vorstellen, etwas weniger selbstkritisch zu sein. "Wenn du im Auto sitzt und einen Fehler machst, ist das frustrierend, denn du weißt genau, dass du solche Fehler mit einem klaren Kopf niemals machen würdest", urteilt Hamilton.

Wenngleich ihm der Sieg in Abu Dhabi große Genugtuung verschaffte, so glaubt der 26-Jährige nicht, dass damit alle Sorgen aus der Welt geschafft sind. "Ein Sieg zaubert dir ganz eindeutig ein Lächeln ins Gesicht, aber das ist zeitlich begrenzt. Es dauert nicht lang, bevor schon das nächste Rennen auf dich wartet. Weltmeisterschaften sind jedoch für die Ewigkeit", so der McLaren-Pilot abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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