David Coulthard genießt es nach wie vor ein Rennauto am Limit zu fahren

Formel 1 2011

— 21.11.2011

Coulthard blickt auf die Gefahren im Rennsport

David Coulthard kam durch den tödlichen Unfall von Ayrton Senna zu seinem Formel-1-Debüt - Er blickt zurück, wie damals seine persönliche Einstellung zur Gefahr war

David Coulthard ist zwischen 1994 und 2008 in der Formel 1 gefahren und tritt seit 2010 in der DTM an. Der Schotte hat in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen des Motorsports erlebt und hat die großen Veränderungen und Entwicklungen bei der Sicherheit hautnah miterlebt. Im Jahr 1993 wurde der heute 40-Jährige von Williams als Testfahrer verpflichtet. Damals durfte man noch frei testen. Der FW15C war einer der hochgestochensten Autos der Formel 1 Geschichte und war der Konkurrenz haushoch überlegen. Die aktive Radaufhängung, eine Traktionskontrolle, ABS und weitere elektronische Details waren perfekt ausgereift.

Parallel fuhr Coulthard in der Formel 3000 und wurde Gesamtdritter. Meister wurde damals ein gewisser Olivier Panis, der für 1994 von Ligier verpflichtet wurde. Coulthard war dagegen weiterhin Testfahrer und startete seine dritte Saison in der Formel 3000. Die Ereignisse sollten sich aber dramatisch ändern. Nach dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna war bei Williams ein Cockpit frei. Direkt nach Imola trat Williams in Monaco nur mit dem Auto von Damon Hill an. Beim nächsten Rennen in Barcelona wurde dann Coulthard in den Boliden gesetzt.

Der damals 23-Jährige feierte sein Debüt indem er sich in ein Auto setzte, in dem wenig zuvor eine Legende ums Leben gekommen war. Keine einfache Situation, speziell für seine Familie. "Als Ayrton und Roland damals in Imola ums Leben kamen, war ich Testfahrer bei Williams. Das Auto, in dem Ayrton sein Leben verlor, hatte ich in der Woche davor getestet. Zwei Wochen später bin ich beim Grand Prix von Spanien damit gefahren", sagt Coulthard bei 'ServusTV'.

"Ich habe natürlich mit meiner Mutter darüber gesprochen. Mit ihr mehr als mit meinem Vater. Ich wollte einfach, dass sie versteht, dass ich den Rennsport liebe - ich wollte Rennen fahren. Ich habe mich wirklich lebendig gefühlt, wenn ich drinnen saß und ich musste damit leben, dass mein Leben im Rennauto zu Ende geht. Ich wollte mir das aber nicht ständig vorstellen, dass das jetzt ein schreckliches Leben ist."

"Es ist ganz fantastisch, in einem Rennauto zu sitzen, ein Rennen zu fahren. Das gilt sicher auch für die Motorrad-Fahrer, die wirklich im Grenzbereich auf diesem Motorrad herumtanzen", meint Coulthard aus Rennfahrersicht. "Wenn ich die Unfälle von Wheldon oder Simoncelli sehe, dann muss ich sagen, dass sie bis zu dem Moment liebten, was sie taten, wo die Lichter ausgingen. Sie hatten diese Gelegenheit, auch wenn es ein verkürztes Leben war. Sie haben vieles erreicht und das hängt nicht von der Zahl der Lebensjahre ab."

Glück bei Notlandung

Coulthard blieb in seiner aktiven Karriere bislang vor schweren Verletzungen verschont. Obwohl er einen gefährlichen Beruf ausübt, hing sein Leben in einer komplett anderen Situation am seidenen Faden. Am 2. Mai 2000 war er mit seiner damaligen Freundin Heidi Wichlinski mit einem Learjet auf dem Weg Richtung Flughafen Nizza. Aufgrund von Motorproblemen musste das Flugzeug auf dem Lyon-Satolas Flughafen in Frankreich notlanden. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben.

Fünf Tage später saß Coulthard wieder im Formel-1-Boliden und wurde in Barcelona Zweiter. "Da war ich dem Tod am nächsten. Die beiden Piloten, die eineinhalb Meter von mir weg saßen, sind ums Leben gekommen. Da überprüfst du genau: Was ist los mit deinem Leben?", blickt Coulthard zurück. "Das sind diese Momente, wo man inne hält und sich überlegt, was man in Zukunft macht."

"Ich hätte 2000 mit dem Rennsport aufhören können, hätte sagen können, ich fliege nicht mehr, ich steige in kein Flugzeug mehr ein. Aber ich wollte trotzdem diesen Wettbewerb. Es wäre für mich nicht möglich gewesen, diese Entscheidung zu treffen. Was mich angeht - und das gilt sicher für alle, die ähnliche Sportarten betreiben - muss man sagen, dass die Fähigkeit, das professionell ausüben zu können, eine wunderbare Erfahrung im Leben ist."

"Nicht mal nur professionell, auch hobbymäßig betrieben. Diese freie Einstellung, mit der man da rangeht. Ich habe einen dreijährigen Sohn, dem ich sagen werde: Mach Sport, egal welchen Sport. Und wenn es Motorsport ist, dann werde ich ihn unterstützen, weil ich meinen Lebensweg so gemocht habe, wie er bisher war. Ich würde ihm das nicht nehmen wollen."

In der Formel 1 gibt es Überlegungen, die Cockpits mit einer Art Jet-Kuppel zu verschließen, um die Sicherheit des Fahrers weiter zu erhöhen. "Ich finde, es ist eine gute Idee", meint Coulthard. "Ich verstehe nicht, warum man sich dagegen wehrt, den Kopf der Fahrer zu schützen. Das hat historische Gründe, wird aber nicht viel am Sport ändern und ob er spektakulär ist - ob das jetzt eher aussieht wie bei einem Jet oder ob die Fahrer so weiterfahren wie bisher. Ich glaube aber, dass das offene Cockpit bleibt."

Fotoquelle: xpb.cc

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