In Budapest gewann Heikki Kovalainen 2008 seinen bisher einzigen Grand Prix

Formel 1 2011

— 21.11.2011

Kovalainen: "Da stand meine Karriere auf dem Spiel"

Lotus-Fahrer Heikki Kovalainen blickt auf seine wechselhafte Formel-1-Karriere zurück und erinnert sich an seine fünf besten Rennen

Momentan erlebt Heikki Kovalainen vergleichsweise ruhige Zeiten in der Formel 1. Mit dem Lotus, den er seit Anfang 2010 pilotiert, waren WM-Punkte bisher in der Regel außer Reichweite. Der Finne fährt im Mittelfeld meist unauffällige Rennen, die breite Öffentlichkeit nimmt nur wenig Notiz vom 30-Jährigen. Doch das war nicht immer so, noch vor wenigen Jahren galt Kovalainen als einer der kommenden Stars der Formel 1.

2004 wurde er Meister der Nissan (heute Renault)-World-Series, ein Jahr später musste er sich in der ersten Saison der GP2 im Kampf um den Titel nur knapp Nico Rosberg geschlagen geben. Anschließend holte ihn sein damaliger Manager Flavio Briatore als Testfahrer zu Renault, und 2007 schien endlich die große Stunde des Finnen geschlagen zu haben. Als Nachfolger von Fernando Alonso saß er in dem Auto, mit dem dieser in den beiden Vorjahren die Weltmeisterschaft gewonnen hatte.

Kovalainen erlebte jedoch eine schwierige Premierensaison und setzte sich nicht durch. Zur Saison 2008 wechselte er zu McLaren und wurde dort erneut Nachfolger von Alonso, aber auch gegen seinen neuen Teamkollegen Lewis Hamilton hatte er einen schweren Stand. Während Hamilton 2008 Weltmeister wurde, gelang Kovalainen nur ein einziger Sieg. Nach der Verpflichtung Jenson Buttons Ende 2009 war auch seine Zeit bei McLaren abgelaufen, der Finne fand im neuen Lotus-Team eine sportliche Heimat.

Im Gespräch mit der 'BBC' blickt der 89-malige Grand-Prix-Teilnehmer auf die fünf besten Rennen seiner Karriere zurück:

Kanada 2007

"Ein sehr schwieriges Wochenende, einer der Tiefpunkte meiner Formel-1-Karriere. Ich glaube Flavio war kurz davor, mich loszuwerden. Seine Geduld war am Ende. Ich hatte am Freitag einen Unfall und habe auch im ersten Teil der Qualifikation nicht gut ausgesehen. Ich denke, sie hätten mich nach dem Rennen gefeuert, wenn ich nicht durchs komplette Feld gefahren wäre und am Ende mit Alex Wurz ums Podium gekämpft hätte.

Danach wurde ich in Indy starker Fünfter und habe Kimi geschlagen. Von da an begannen sich die Dinge in die richtige Richtung zu entwickeln. Ich habe damals gar nicht gemerkt, wie sehr ich neben der Spur war. Ich habe nur gedacht: 'Es hat nicht geklappt, also versuche ich es morgen noch einmal.' Rückblickend betrachtet stand damals meine Karriere auf dem Spiel. Das haben mir zumindest einige Leute gesagt. Zum Glück hat mir Flavio noch ein paar Rennen gegeben, und dann begann alles gut zu werden.

In Kanada hatte Robert Kubica seinen schweren Unfall. Ich fuhr gerade aus der Haarnadelkurve, sah den Unfall an der Seite und dachte: 'Das wird ein Safety-Car geben.' Ich stand kurz vor meinem Boxenstopp und habe dann selber entschieden, in die Box zu fahren. Ich sagte der Crew: 'Das Safety-Car wird rausgehen.' Und sie sagten: 'Nein, nein, nein', worauf ich antwortete: 'Doch, ich bin mir sicher.' Als ich dann gerade aus der Box herausfuhr, sah ich das Safety-Car und konnte so an vielen vorbeifahren. Wäre ich draußen geblieben, wäre ich nicht in der Lage gewesen, Vierter zu werden."

Japan 2007

"Das war mein erstes Podium in der Formel 1 und mit Renault. Es hat stark geregnet, wirklich schwierige Bedingungen. Wir sind hinter dem Safety-Car gestartet, danach bin ich während des Rennens fast durchs komplette Feld gefahren. Letztlich habe ich in der letzten Runde mit Kimi um den zweiten Platz gekämpft. Er überholte mich, ich überholte ihn, und am Ende konnte ich ihn hinter mir halten.

Dass es Kimi und ein Ferrari war, spielte dabei natürlich eine Rolle. Kimi war einer der großen Namen, einer der Fahrer, die um die Meisterschaft gekämpft haben. Das ich als Rookie in der Lage war, ihn zu schlagen, noch dazu in einem Auto, das nicht so gut war wie seins, war großartig. Offensichtlich haben uns auch die Bedingungen in die Karten gespielt. Die Strategie war gut, und im Regen war alles etwas ausgeglichener. Es war ein kniffliges Rennen und Kimi kam auch von ganz hinten. Ein paar Runden mehr, und er hätte mich womöglich gepackt."

Australien 2008

"Mein erstes Rennen für McLaren, und ich war kurz davor, es zu gewinnen. Lewis hatte gerade seinen zweiten Boxenstopp absolviert, und meiner stand kurz bevor. Ich war gerade die schnellste Rennrunde gefahren und schloss zu ihm auf. Er war voll betankt, ich konnte vor dem Ende meines Stints aber noch ein paar Runden fahren und habe pro Runde mehrere Sekunden auf ihn aufgeholt. Das Team dachte darüber nach, mich früher reinzuholen, aber wir entschieden uns, den Stint wie geplant zu Ende zu fahren. Dann kam das Safety-Car raus.

Ich erinnere mich, dass ich das erste Auto in der Schlange hinter dem Safety-Car war. Die meisten Fahrer hinter mir hatten aber schon gestoppt, also fiel ich auf Rang zehn zurück, konnte mich aber auf Platz fünf vorkämpfen. Ich überholte Kimi und Fernando, das war echt gut. Aber der Gedanke, dass ich meine McLaren-Karriere mit einem Sieg hätte beginnen können - das wäre schon cool gewesen.

Damals war ich genervt, aber was will man machen? Es war die richtige Entscheidung gewesen, draußen zu bleiben und um den Sieg zu kämpfen. Hätten wir einen konservativen Ansatz gewählt und früher gestoppt, wäre ich Zweiter geworden, aber wir hatten eine gute Pace und wurden schneller und schneller. Es war einfach Pech, dass das Safety-Car raus kam."

Ungarn 2008

"Mein erster Sieg. Ich war während des gesamten Wochenendes in einer guten Position. Nachdem Lewis einen Plattfuß hatte, fuhr ich an zweiter Stelle. Gegen Ende des Rennens habe ich dann pro Runde mehr als zwei Sekunden auf Felipe Massas Ferrari aufgeholt. Ich wusste, dass er in Schwierigkeiten war, aber uns gingen die Runden aus. Dann sah ich, wie sein Motor kaputt ging. Es gibt in der Formel 1 halt keine Schönheitspunkte. Es war ein großartiger Augenblick.

Ich wusste, dass ich eine große Chance hatte, das Rennen zu gewinnen, denn ich hatte ein großes Polster auf Timo. Ich musste nicht pushen, konnte es locker angehen lassen und das Rennen nach Hause fahren. Es war toll, ein Rennen zu gewinnen und ohnehin eine gute Phase in der Saison. Ich stand in Silverstone auf der Pole, konnte das Rennen aber nicht beenden. In Hockenheim hatte ich ein wenig Pech, dort war ich in der Position um aufs Podium zu fahren, aber dann kam mir das Safety-Car in die Quere. Dann unmittelbar vor der Sommerpause zu gewinnen, war einfach klasse."

Monaco 2010

"Wenn man die Leistungsfähigkeit des Lotus betrachtet, habe ich alles aus ihm herausgeholt. Ich habe mit Petrow und einigen anderen in besseren Autos lange Zeit gekämpft und habe an den Top-10 gekratzt. Fünf Runden vor Rennende ging dann meine Servolenkung kaputt und ich musste das Auto abstellen. Aber es war ein gutes Rennen. Ich fuhr eine große Lücke zu den anderen neuen Team heraus und fand den Anschluss ans Mittelfeld."

Fotoquelle: xpb.cc

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