Sebastian Vettel und Mark Webber jubeln über den Red-Bull-Doppelsieg

Formel 1 2011

— 27.11.2011

Vettel im Pech: Webber gewinnt das Saisonfinale

Doppelsieg für Red Bull: Wegen Getriebeproblemen muss Sebastian Vettel Mark Webber den Sieg überlassen - Jenson Button fixiert den Vize-WM-Titel

Im 19. und letzten Rennen der Formel-1-Saison 2011 hat sich Mark Webber endlich seinen ersten Sieg gesichert: Der Red-Bull-Pilot profitierte von technischen Problemen seines Teamkollegen Sebastian Vettel, der mit stumpfen Waffen Zweiter wurde, und wiederholte damit im Autodromo Carlos Pace von Sao Paulo seinen Triumph aus dem Jahr 2009.

Allerdings änderte das nichts mehr am Ausgang der Fahrer-WM, denn Jenson Button (McLaren) reichte ein dritter Platz, um den Vizetitel endgültig zu fixieren. Trotzdem hatte Webber allen Grund, sich so richtig zu freuen, denn nach einer schwierigen Saison kann er nun mit positivem Gefühl in den Winter gehen: "Das ist ein würdiger Abschluss mit dem RB7. Leider habe ich ja nicht allzu viele schöne Erinnerungen an dieses Auto..."

Machtdemonstration von Red Bull

Das Weltmeisterteam Red Bull demonstrierte beim Saisonfinale in Brasilien noch einmal eindrucksvoll seine Klasse. Schon am Start verteidigten Vettel und Webber ihre Spitzenpositionen souverän - und Vettel zündete wieder den Turbo: Als in der dritten Runde DRS freigegeben wurde, hatte er schon 2,2 Sekunden Vorsprung und war somit aus der Gefahrenzone. Anschließend kontrollierte er den Abstand zu Webber bei rund dreieinhalb Sekunden.

Doch dann die Wende im Grand Prix: In der 14. Runde wurde der Führende erstmals angefunkt, dass sich Getriebeprobleme abzeichnen und er im zweiten und dritten Gang früher hochschalten soll. Vettel steckte zunächst nicht zurück und ätzte nach mehrfacher Ermahnung durch das Team: "Aber dann falle ich hinter Mark zurück!" Antwort: "Wir haben ein wirklich ernsthaftes Problem." Eine Diskussion, die sich bis in die 30. Runde hinzog.

Erst dann ließ der Deutsche seinen australischen Teamkollegen aufschließen und ging vor dem Senna-S demonstrativ vom Gas. "Er wollte allen zeigen, dass er ihn freiwillig vorbeilässt", analysiert Experte Marc Surer. Gegen Rennende nahm Vettel sein Schicksal dann schon mit Humor: "Ich komme mir vor wie Senna 91." Damals hatte Ayrton Senna mit am Ende nur noch einem Gang auf dramatische Weise seinen Heim-Grand-Prix gewonnen...

Erinnerungen an Senna 1991

Die Analyse im Nachhinein hat ergeben: Schon ab der fünften Runde stieg die Getriebetemperatur zu stark an, sodass kein zugkraftunterbrechungsfreies Schalten mehr möglich war. "Der Unterschied ist, dass Senna 1991 gewonnen hat", grinst der Zweitplatzierte, der sich mit dem gestern gesicherten Mansell-Pole-Rekord trösten kann. "Schade, denn alles lief gut, aber dann musste ich früher schalten und den Motor runterdrehen. Da fiel mir dieser Vergleich ein."

"Das Getriebe von Sebastian war bereits nach fünf Runden in atemberaubend hohen Temperaturen", erklärt auch Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Er durfte nicht mehr ohne Zugkraftunterbrechung schalten, brachte aber trotzdem noch klasse Zeiten zustande. Wir hatten eigentlich nach 15 Runden keinen Öldruck mehr. Da gab es die Überlegung: Stoppen wir oder was machen wir? Wir haben es riskiert."

Vettel freut sich auf die Winterpause

"Aber Mark ist ein fantastisches Rennen gefahren und verdient den Sieg", sagt Vettel anerkennend. "Ich weigere mich dagegen, so etwas Pech zu nennen, auch wenn ich es nicht selbst in der Hand hatte. Es war eine erstaunliche Saison. Es wäre vermessen, jetzt sauer zu sein. Wir freuen uns über diesen Doppelsieg, denn es war ein fantastisches Jahr mit einem schönen Abschluss. Jetzt freue ich mich darauf, im Winter die Batterien aufzuladen."

Webber demonstrierte indes, dass auch er ein Siegertyp ist, und drehte in den Runden 69, 70 und 71 jeweils die schnellste Runde im Rennen, am Ende 1:15.324 Minuten. Es war seine siebte schnellste Rennrunde der Saison, womit er sich die von einem Logistikunternehmen ausgeschriebene Fastest-Lap-Trophy sichert - lediglich ein schöner Trostpreis, denn in der Weltmeisterschaft bleibt ihm diesmal nur der dritte Gesamtrang.

"Ich fühlte mich das ganze Wochenende gut, aber gestern hat Seb eine gute Runde erwischt. Ich hätte heute gerne gegen ihn gefightet, aber er hatte ein technisches Problem. Trotzdem freue ich mich über diesen Sieg, denn ich hatte dieses Jahr viel Pech. Die letzten Runden waren sehr schön. Das ist ein wichtiger Sieg für mich", jubelt Webber und widmet den Erfolg seinem Freund Bob Woods, der an einer schweren Krankheit leidet.

Duell zwischen Alonso und Button

Hinter dem Red-Bull-Express ging es deutlich knapper zu: Zunächst lag Button an dritter Stelle, doch der Brite musste schon früh Fernando Alonso (Ferrari) vorbeilassen - vermeintlich kampflos. Doch der Schein war trügerisch: "Ich hatte die Wrackteile vor mir, ich glaube von Michael. Da wollte ich nicht reinfahren, aber neben mir war schon Fernando, daher musste ich lupfen und konnte mich nicht wehren", schildert Button.

Die Revanche gelang ihm aber, als er rund zehn Umläufe vor Schluss im Senna-S eine Attacke setzte, die Alonso gerade noch abwehren konnte - nur hatte Button dadurch den besseren Schwung in die DRS-Zone. "Es war ein schwieriges Rennen für mich, besonders mit den weichen Reifen", sagt er über seinen dritten Platz. "Mehr als Rang drei war nicht drin. Ich bin jede Runde wie im Qualifying gefahren, aber mehr ging nicht."

Getriebeschaden bei Hamilton

Über weite Strecken lag der neue Vize-Champion unmittelbar vor seinem McLaren-Stallgefährten Lewis Hamilton, bei dem sich genau wie bei Vettel Getriebeprobleme abzeichneten. Aber als er sich nach dem letzten Boxenstopp gerade Felipe Massa (Ferrari) zurechtlegen wollte, riss beim McLaren plötzlich der Vortrieb ab: "Ich legte mich am Ende mit Felipe and und hoffte, ihn noch zu schnappen. Dann ging aber das Getriebe kaputt", bedauert Hamilton.

So blieb für Massa in seinem 100. Ferrari-Grand-Prix der fünfte Platz, gefolgt von Adrian Sutil, der bei seiner Abschiedsvorstellung für Force India wieder einmal eine grandiose Performance ablieferte und sogar Nico Rosberg im Werks-Mercedes (im zweiten Anlauf im Senna-S) niederfightete - obwohl er auf trockener Strecke auf eine Dreistoppstrategie setzte, während Massa, Rosberg und auch Teamkollege Paul di Resta (8.) nur zweimal die Reifen wechseln ließen.

Force India schaffte dennoch das Wunder nicht, Renault in der Konstrukteurs-WM noch zu überholen, und Sauber verteidigte Platz sieben gegen Toro Rosso. Als Kamui Kobayashi auf di Resta aufschloss, gingen den Schweizern am Kommandostand die Nerven durch: "Bitte mach keine Dummheiten mehr", wurde dem Japaner ins Cockpit gefunkt. Zuvor hatte schon Sergio Perez für Aufregung gesorgt, als er sich im Infield der Strecke drehte, aber weiterfahren konnte.

Senna: Kollision im Senna-S

Witali Petrow (Renault) holte einen WM-Zähler, sein Teamkollege Bruno Senna wurde nur 17. Dabei hatte sich der Lokalmatador mit dem gelben Helm lange an neunter Position behauptet, ehe es im Senna-S zur Kollision mit dem von hinten attackierenden Michael Schumacher (Mercedes) kam. "Für mich eindeutig die Schuld von Senna", analysiert Experte Niki Lauda. Experte Surer widerspricht: "Man kann keinen Schuldigen ausmachen, sie haben sich einfach berührt."

Schumacher selbst findet den Crash "sehr ärgerlich. Das hat mich sofort an 2006 erinnert - ähnliche Situation, gleiche Konsequenz. Ich habe erst gedacht, was es noch für einen Sinn hat, das Rennen zu Ende zu fahren, weil ich dachte, das Auto hätte Schaden genommen. Das war nicht der Fall, also haben wir dann doch weitergekämpft. Dann haben wir noch auf den rettenden Regenschauer gehofft, aber der ist nicht gekommen."

Buemi von Alguersuari geschlagen

Das interne Toro-Rosso-Duell gewann Jaime Alguersuari um 11,3 Sekunden vor Sebastien Buemi - möglicherweise ein wichtiges Ergebnis für die Cockpitvergabe 2012. Rubens Barrichello (Williams) wurde nach kämpferischer Leistung noch 14., obwohl er am Start zunächst weit zurückgefallen war. Sein Teamkollege Pastor Maldonado beendete die an und für sich solide Debütsaison mit einem Dreher im Infield der Strecke.

Zu den Ausgeschiedenen zählte übrigens auch Timo Glock, bei dem sich noch in der Boxenausfahrt ein Rad löste. "Ich weiß nicht, wie man den Boxenstopp so verhauen und mich dann noch hinausschicken kann", ärgert er sich über die Marussia-Virgin-Crew. "Das Rad war einfach nicht drauf. Ich kann nicht viel dazu sagen. Es ist einfach schwierig, dass man nach zwei Jahren noch einen solchen Fehler macht. Da muss sich das Team auf den Arsch setzen und daran arbeiten."

Nach 19 Rennen ist Vettel mit einem neuen Punktrekord von 392 Zählern Formel-1-Weltmeister 2011. Auf den Plätzen folgen Button (270) und Webber (258), der durch seinen Sieg noch Alonso (257) überholt hat. Bei den Konstrukteuren triumphiert Red Bull mit 650 Punkten vor McLaren (497), Ferrari (375) und Mercedes (165). Nun ist Winterpause. Weiter geht's erst mit dem Grand Prix von Australien am 18. März 2012 in Melbourne.

Fotoquelle: xpb.cc

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