Jean Alesi glaubt, dass Kimi Räikkönen immer noch der Alte ist

Formel 1 2011

— 29.11.2011

Alesi: "Kimi? Das sind fantastische Neuigkeiten!"

Lotus-Markenbotschafter Jean Alesi spricht im Interview über die Verpflichtung von Kimi Räikkönen und über die Formel-1-Saison 2011

Frage: "Jean, was sagt du zu der Nachricht, dass Kimi Räikkönen im nächsten Jahr mit Lotus in die Formel 1 zurückkehrt?"
Jean Alesi: "Das sind fantastische Neuigkeiten! Kimi hat eine höhere Grundgeschwindigkeit als jeder andere, der jemals in einem Formel-1-Auto gefahren ist. Und er kommt zurück, weil er Lust darauf hat. Er vermisst die Formel 1 und glaubt, dass er immer noch schnell ist. Er hatte eine kleine Pause, was zum Teil auch an Ferrari lag. Ich glaube, er hatte die ganze Szene satt und wollte eine Auszeit, was ich völlig verstehen kann. Aber jetzt kommt er mit Lotus zurück, das wird wirklich spannend."

Frage: "Kimis Geschwindigkeit stand nie infrage. Es hieß aber, er sei nicht in der Lage gewesen, das Auto so weiterzuentwickeln, wie es Michael Schumacher vor ihm getan hat. Machst du dir deswegen Sorgen?"
Alesi: "Michael war in dieser Beziehung brillant, aber jetzt bei Mercedes funktioniert das auch nicht mehr so wir früher. Das zeigt in meinen Augen, wie sehr sich die Formel 1 in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat und wie sich die Prioritäten verlagern.

Heutzutage musst du den Schwerpunkt auf einen schnellen Fahrer legen. Das ist der Vorteil von Kimi, er kann aus einem schnellen Auto das Maximum herausholen. Wenn er, wie bei McLaren oder Ferrari, in einem guten Auto gesessen hat, dann hat er auch immer gewonnen. Lotus erwartet von ihm, dass er auch bei uns das Maximum aus dem Auto herausholt."

Frage: "Einen Weltmeister im Auto zu haben, wird doch sicherlich auch für das Team in Enstone ein gewaltiger Motivationsschub sein, oder?"
Alesi: "Formel-1-Teams brauchen einen Fahrer, der konstant Rundenzeiten am absoluten Limit fahren kann. Ein Fahrer von dem Kaliber Kimis ist dazu in der Lage, permanent am Limit, aber nicht darüber hinaus zu fahren.

Das bildet die Grundlage für die Ingenieure. Dadurch erkennen sie den wahren Speed des Autos und könnten entsprechenden Änderungen durchführen. Das beseitigt alle Zweifel. Da wird Kimi sehr hilfreich sein. Allerdings erwarte ich nicht, dass er außerhalb des Autos viel redet, da ist er sicherlich immer noch der Alte!"

Frage: "Lass uns über das Rennen in Sao Paulo reden. Bruno Senna hat nach seiner Kollision mit Schumacher eine Durchfahrtstrafe bekommen. War das in deinen Augen ungerechtfertigt?"
Alesi: "Auf jeden Fall! Es war eine klassische 50:50-Situation, also warum sollte dann einer von beiden bestraft werden. Beide Fahrzeuge waren beschädigt, Bruno am Frontflügel und Michael am Hinterreifen. In einer solchen Situation einen der Fahrer zu bestrafen, ist dem Geist des Rennsports zuwider. Die Stewards hätten es laufen lassen sollen."

Frage: "Witali Petrow ist mit einem Podium in Australien ins Jahr gestartet und wurde am Ende Zehnter in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Wie hat er sich geschlagen?"
Alesi: "Er war sehr konkurrenzfähig, als das Auto schnell war. In der zweiten Saisonhälfte war es dann schwieriger für ihn. Er ist beim Auftakt fantastisch gefahren, aber scheint mehr darunter zu leiden, wenn das Auto nicht perfekt ist."

Frage: "Renault hat das Jahr auf dem Podium begonnen, hatte am Ende aber zu kämpfen. Haben die Designer einen falschen Weg eingeschlagen?"
Alesi: Der R31 war im Design sehr aggressiv. Am Saisonbeginn hat Adrian Newey gesagt, das kreativste Auto von allen sei der Renault. Wenn der beste Designer der Welt so etwas sagt, bedeutet es einem sehr viel. Und zu Beginn des Jahres war der Renault brillant. Dann wurden die Regeln im Bereich der Auspuffströmung geändert, und das tat dem Team sehr weh. Das hat uns härter als alle anderen Teams getroffen. Die Meisterschaft als Fünfte zu beenden, ist super."

Frage: "Wie würdest du die Fromel-1-Weltmeisterschaft 2011 einstufen?"
Alesi: "Trotz der Red-Bull-Dominanz war es eine sehr interessante Saison. Ich habe die Rennen sehr genossen. Von den 19 Rennen waren nur drei etwas langweilig, sonst habe ich immer mitgefiebert. Es gab viele Überholmanöver, viele Zwischenfälle und harte Zweikämpfe, vor allem zwischen McLaren und Ferrari. Renault war am Anfang auch sehr stark, alles in allem hat es mir viel Spaß gemacht."

Frage: "Welches Rennen war für dich das Beste?"
Alesi: "Meine Schuhe vom kanadischen Grand Prix sind immer noch nicht trocken, das war das denkwürdigste, wenn nicht sogar unglaublichste Rennen von allen. Die zweistündige Verzögerung wegen der Unterbrechung zur Rennmitte hätte nicht sein müssen, aber das Rennen war wirklich aufregend. Es ist immer toll, wenn es in der Schlussrunde einen Führungswechsel gibt."

Frage: "Sebastian Vettel war eine Klasse für sich. Ich er für dich der Mann des Jahres?"
Alesi: "Abgesehen von Vettel, der einen unglaublichen Job gemacht hat, möchte ich in diesem Zusammenhang Jenson Button erwähnen. Ich war von seiner Leistung nicht überrascht, denn er war Weltmeister. Aber die Art und Weise, wie er immer wieder seine Punkte geholt hat, auch wenn er mit dem Set-Up daneben lag, war beeindruckend. Er hat auch einige tolle Überholmanöver gezeigt.

Wenn es nötig war, ist er aggressiv gefahren, im Gegenzug aber auch schonend, wenn es sein musste. Er hat sich schneller als die meisten anderen den Pirelli-Reifen angepasst. Eine reife Leistung, vor allem wenn dein Teamkollege Lewis Hamilton ist. Für mich war er 2011 noch beeindruckender als in seiner WM-Saison, wenn man bedenkt, dass er nicht das beste Auto hatte und sein Teamkollege Hamilton war."

Fotoquelle: xpb.cc

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