Sebastian Vettel bedankt sich bei Renault-Geschäftsführer Jean-Francois Caubet

Formel 1 2011

— 01.12.2011

Viry: Red Bull und Renault feiern WM-Triumph

Renault lud in Viry zur großen Titel-Feier: Wie sich Sebastian Vettel bei der Motorentruppe bedankte und welches Geschenk Adrian Newey erhielt

Das hässliche Entlein hat sich in einen schönen Schwan verwandelt. So könnte man die Partnerschaft zwischen Red Bull und Renault beschreiben. Denn vor drei Jahren wurde man in Milton Keynes nicht müde zu betonen, dass es dem Renault-Aggregat an Leistung fehlt und wie gerne man doch einen Mercedes-Motor im Heck des Red-Bull-Boliden hätte. Nun ist man bei den Fahrern und bei den Konstrukteuren zweifacher Weltmeister - und eine Art Werksteam für Renault. Der Vertrag mit den Franzosen wurde dieses Jahr bis 2016 verlängert. Aus der Zweckehe wurde eine Liebesbeziehung.

Kein Wunder, dass sich Sebastian Vettel, Christian Horner, Adrian Newey und Helmut Marko am Dienstag persönlich in Viry-Chatillon bei den Mitarbeitern in der Motorenabteilung bedankten. Der Weltmeister schüttelte die Hände der Belegschaft, schrieb fleißig Autogramme, stand auf der Bühne Rede und Antwort und ließ sich geduldig fotografieren.

Sich bei Renault zu bedanken, sei doch "das Mindeste", stellt Vettel klar. "Nach Japan hatte ich die Gelegenheit, nach Milton Keynes zu fliegen, um mich dort bei allen zu bedanken, und jetzt ist das Mindeste, was ich tun kann, das auch bei Renault zu tun. In vielerlei Hinsicht fühlt sich das Team, das den Renault RS27 designt, baut und entwickelt, wie eine große Familie an. Daher war es fantastisch, hierher zu kommen und jedem persönlich zu danken."

Die stillen Helden der Formel 1

Der 24-Jährige sieht die Motorentechniker als stille Helden der Formel 1. Man bekommt von ihnen kaum etwas mit, dennoch sind sie für den Erfolg eminent wichtig. "Wenn man hier ist, ist es immer schwer vorstellbar und sehr beeindruckend, dass all diese Leute an einem Motor arbeiten, der dann in meinem Rennauto steckt", sagt Vettel. "Die Leute schalten den Fernseher ein, sehen, wer das Rennen gewinnt, schalten wieder ab. Aber diese Leute kommen jeden Tag in die Fabrik, arbeiten hart und versuchen, den Motor besser zu machen."

Der Red-Bull-Pilot nimmt sich nicht wichtiger als seine französischen Kollegen: "Ich bin nur ein Teil eines großen Teams. So sehe ich mich. Ich glaube nicht, dass ich wichtiger bin als irgendein anderer. Hier arbeiten 300 Leute am Motor. Wenn einer seinen Job nicht macht, kann es im Rennen einen Motorschaden geben, oder man hat zu wenig Leistung und wird überholt. Dann gewinnst du das Rennen nicht, sondern wirst Zweiter oder Dritter - und am Ende fehlen dir vielleicht genau diese Punkte."

Er vergleicht seine Situation mit der eines Stürmers einer Fußball-Mannschaft: "Es stehen elf Spieler auf dem Platz - und zehn davon müssen arbeiten, damit der eine das Tor schießen kann. Und es bedarf Organisation, dass das Team fit genug ist und so weiter. Das muss man zu schätzen wissen. Vielleicht glauben andere Fahrer, dass sie am wichtigsten sind, aber ich nicht."

Renault leistete großen Beitrag zu Titel

Die Kritik an Renault ist inzwischen verstummt. Der französische Automobil-Hersteller hat es geschafft, gemeinsam mit Red Bull die Schwächen in punkto Leistung in den Griff zu kriegen - der Trick, die Auspuffgase als aerodynamisches Hilfsmittel zu verwenden, funktionierte bei kaum einem anderen Team so gut wie bei Red Bull und Renault.

"Dieses Jahr war der Motor außergewöhnlich", findet auch Vettel. "Das Auto war rund um den Auspuff designt und da war es entscheidend, von Renault gut unterstützt zu werden. Das hat unsere Performance auf der Strecke verbessert, mit und ohne Gas, weil wir mehr Anpressdruck als die anderen hatten."

Abschließend hebt der Heppenheimer noch einmal die tolle Zusammenarbeit hervor: "Die Kooperation zwischen Milton Keynes und Viry ist fantastisch und sie pushen hart, um den Motor noch besser zu machen. Damit erlauben sie es Adrian und seinem Team, das bestmögliche Chassis zu designen. Das Ausmaß an Hingabe war dieses Jahr wirklich außergewöhnlich: Wenn irgendetwas den Unterschied gemacht hat, dann war es das Teamwork. Der Erfolg, den wir in den vergangenen zwei Jahren hatten, ist eine fantastische Belohnung für die Hingabe von jedem in Viry und in der erweiterten Renault-Gruppe."

Horner: Erfolgshunger verbindet Red Bull und Renault

Seit 2007 arbeitet Red Bull mit Renault zusammen - inzwischen hat man vier WM-Titel, 27 Siege und 38 Pole-Positions zu Buche stehen. Damit zählt die Ehe zwischen Red Bull und Renault schon jetzt zu den erfolgreichsten Partnerschaften zwischen einem Rennstall und einem Motorenhersteller in der Formel-1-Geschichte.

"Wir begannen dieses Jahr mit sehr viel Druck, aber alle wurden dieser Herausforderung auf großartige Art und Weise gerecht", frohlockt Teamchef Horner. "Wir haben in so kurzer Zeit so viel erreicht und die Rekorde, die wir diese Saison gebrochen haben, sind ein großer Ansporn für die Mannschaft bei Red Bull Renault und bei Renault."

Der Brite bezeichnet die Ehe als "wahre Partnerschaft. Die Jungs von Renault sind genauso hungrig, zu gewinnen, wie wir. Wir sind sehr erfreut darüber, mit ihnen weitere fünf Jahre zusammenzuarbeiten. Die Kooperation hat sich zu einer wahren Partnerschaft entwickelt und mit der Zeit wird diese sogar noch stärker werden."

Überraschendes Geschenk für Newey

Auch Technikchef Newey darf stolz sein: Er war es, der sich 2006 nach seiner Ankunft bei Red Bull für eine Zusammenarbeit mit den Franzosen stark gemacht hatte. Damals arbeite man noch mit Ferrari zusammen. Neweys Schritt war keine große Überraschung, schließlich hatte er mit Renault in Williams-Zeiten gute Erfahrungen gemacht. Bei der Feier in Viry wurde er nun mit einem besonderen Geschenk überrascht: Er erhielt eine Skulptur, die aus unterschiedlichen Teilen von siegreichen Renault-Triebwerken besteht.

"Ich arbeitete in den 1990er-Jahren mit Renault, als ich bei Williams war", erinnert sich Newey. "Ich war von der Entschlossenheit, von der Innovation und vom Antrieb des Teams in Viry-Chatillon beeindruckt. Renault versteht, dass es sich beim Motor-Chassis-Paket wirklich um eine gemeinsame Bemühung handelt. Das war vor allem dieses Jahr wichtig - durch den Einsatz der Auspuffgase und die angekündigten Veränderungen."

Newey lobt die Franzosen: "Renault war bei jedem Schritt auf diesem Weg darum bemüht, den Einbau des Motors, die Hitzestreuung und den Spritverbrauch zu verbessern, damit wir die aerodynamische Effizienz und den mechanischen Grip optimieren können. Renault war bei der Entwicklung des RB7 entscheidend, daher bin ich wirklich froh, jedem hinter den Kulissen, der zu unserem Erfolg in diesem Jahr beigetragen hat, danken zu können."

Caubet freut sich über Treffen mit "Endbenutzer"

Ein Dank, den Jean-Francois Caubet - Geschäftsführer der Renault-Sportabteilung - gerne im Namen seiner Truppe annimmt: "Bei uns arbeiten 250 Leute daran, den RS27 ständig innerhalb des Reglements weiterzuentwickeln und dabei unsere exzellente Zuverlässigkeits-Bilanz zu bewahren. Daher ist es für unsere Belegschaft sehr zufriedenstellend, den Endbenutzer zu treffen."

R"Red Bull und Renault haben eine sehr erfolgreiche Partnerschaft gegründet, die um fünf weitere Jahre verlängert wurde. Daher besitzen wir weiterhin das bestmögliche Schaufenster, um die Qualität, die Zuverlässigkeit und die Innovation der Renault-Technologie demonstrieren zu können. Wir freuen uns bereits auf die kommende Saison."

Am vergangenen Wochenende in Brasilien durfte man aber zunächst den Erfolg der Saison 2011 so richtig auskosten. Red Bull und Renault feierten die beiden Weltmeistertitel bis in die frühen Morgenstunden, wie Vettel bestätigt: "Wir hatten am Sonntag eine gute Nacht! Die Renault-Jungs sind schon ziemlich früh nach Hause gegangen, um 8:00 Uhr morgens ungefähr." Nachsatz: "Das ist für die früh!"

Fotoquelle: xpb.cc

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