Domenicali und Horner haben der FOTA einstweilen den Rücken gekehrt

Formel 1 2011

— 12.12.2011

Warum die FOTA doch eine Zukunft haben könnte

Nach dem Ausstieg von Red Bull und Ferrari ist die FOTA geschwächt, doch langfristig könnte die Teamvereinigung trotzdem eine Zukunft haben

Nachdem die Formel-1-Saison aus sportlicher Sicht zu den Akten gelegt wurde, ging es auf dem Spielfeld der Sportpolitik rund. Zuerst Ferrari, kurz darauf Red Bull und schließlich auch Sauber erklärten ihren Austritt aus der Teamvereinigung Formula One Teams Association (FOTA). Nachdem HRT schon im vergangenen Jahr seinen Rückzug verkündet hatte, vertritt die FOTA nun nur noch zwei Drittel aller Formel-1-Teams.

Während der Austritt von Sauber vor allem eine Gefälligkeit gegenüber ihrem italienischen Motorenlieferanten gewesen sein dürfte, war der Rückzug der beiden Schwergewichte Ferrari und Red Bull ein Nackenschlag für die übrigen Teams. Die Scuderia genießt ohnehin eine Sonderstellung in der Formel 1, und der österreichisch-britische Rennstall ist derzeit das dominierende Team. Der Verlust dieser beiden Mitstreiter dürfte die Verhandlungsposition FOTA, die als Gegengewicht zur FIA und Rechteinhaber Bernie Ecclestone gegründet worden war, schwächen.

Knackpunkt RRA

Der Grund für den Austritt der beiden Teams scheint auf den ersten Blick der gleiche zu sein: unterschiedliche Auffassungen über das Ressourcen-Restriktions-Abkommen (RRA). Dieses war 2008 eingeführt worden, um die Kosten in der Formel 1 unter Kontrolle zu halten und war während der damaligen Wirtschaftskrise vor allem für die Privatteams (wie Red Bull) eine Art Lebensversicherung.

Dass gerade das Team aus Milton Keynes nun aus diesem Grund der FOTA den Rücken kehrt, erscheint auf den ersten Blick wie eine Ironie der Geschichte, zumal Teamchef Christian Horner im Anschluss erklärte, dass man den eingeschlagenen Weg der Kostenreduzierung fortsetzen will. Der Brite stört sich jedoch am RRA in seiner derzeitigen Form: "Red Bull steht zum RRA, aber wir müssen einen allumfassenden Weg finden, der allen in der Formel 1 gerecht wird, anstatt nur die Rosinen herauszupicken", sagt Horner.

Damit spielte der Chef des Weltmeisterteams auf die Tatsache an, dass das RRA bislang vor allem die Entwicklung der Aerodynamik einschränkt. Auf diesem Gebiet ist Red Bull derzeit das klar dominierende Team. Die Motorenentwicklung hingegen ist derzeit von den Bestimmungen des RRA ausgeschlossen. Daher wittert Horner, dessen Team Kundenmotoren von Renault bezieht, eine Benachteiligung zugunsten von Ferrari und Mercedes.

Ferrari will mehr Freiheiten

Anders sieht die Lage bei den Italienern aus. Dort ist man schon seit Langem über die Einschränkungen durch das RRA unglücklich. Vor allem das Verbot von Testfahrten während der Saison war Ferrari ein Dorn im Auge. Darüber hinaus war es zu Unstimmigkeiten über die Kontrolle des RRA durch die FOTA gekommen. "Wir sind in einer Situation, in der wir entweder in eine bestimmte Richtung gehen oder erkennen müssen, dass das RRA ein Element des Misstrauens zwischen den Teams ist", sagt Stefano Domenicali.

Zu eben diesem Misstrauen war es im Verlauf der Saison vor allem zwischen Ferrari und Red Bull gekommen. Die Dominanz des Vettel-Teams hatte in Maranello zu Spekulationen geführt, Red Bull würde die Bestimmungen des RRA nicht einhalten. Domenicali stellt daher generell denn Sinn der FOTA infrage: "Wir kennen den Grund, warum die FOTA gegründet wurde, aber jetzt müssen wir uns fragen, ob wir sie noch brauchen. Was sind die Ziele der FOTA in der Zukunft, sofern sie eine Zukunft hat?"

Sonderkonditionen für Red Bull und Ferrari?

Mindestens eine Person dürfte sich über den Zwist der Teams die Hände reiben: Bernie Ecclestone. Vor allem vor dem Hintergrund des Ende 2012 auslaufenden Concorde-Agreements. Ab dem 1. Januar 2012 dürfen die Teams mit Ecclestone über die neue Vereinbarung, die ab 2013 gilt, verhandeln. Hauptpunkt dürfte dabei die Beteiligung der Rennställe an den Einnahmen sein. Derzeit erhalten die Teams 50 Prozent, es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie bei den nächsten Verhandlungen zwischen 75 und 80 Prozent verlangen wollen.

Sollte Ecclestone jedoch mit Red Bull und Ferrari (Sauber und HRT sind in diesem Zusammenhang zu vernachlässigen) gesonderte Verträge abschließen, wäre die FOTA in Zugzwang um die Interessen der Privatteams adäquat durchzusetzen. Im Fahrerlager gibt es jedoch auch die Vermutung, dass der Austritt von Red Bull und Ferrari nur aus diesem Grund erfolgt ist, um sich bei den Verhandlungen über das Concorde-Agreement in eine bessere Position zu bringen.

Daher wäre durchaus denkbar, dass die "Rebellen", nachdem sie ihre Ziele erreicht haben, wieder in die FOTA zurückkehren. Denn alleine sind auch Ferrari und Red Bull nicht groß genug, um langfristig ihre Interessen gegenüber der Sportbehörde und dem Rechteinhaber durchzusetzen. Eine effektiv organisierte Teamvereinigung besäße zweifelsohne mehr Macht. Es kann also sein, dass der Anfang vom Ende der FOTA nur ein Zwischenspiel ist.

Fotoquelle: xpb.cc

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