Luca di Montezemolo war der erste Präsident der Teamvereinigung FOTA

Formel 1 2011

— 24.12.2011

Ferrari unterstreicht Forderungen nach Testfahrten

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo tritt vehement für mehr Testfahrten ein - Die Kostenkontrolle der FOTA will der Traditionsrennstall weiterhin unterstützen

Die Ausstiege von Ferrari und Red Bull aus der Teamvereinigung FOTA haben die Königsklasse vor wenigen Wochen erschüttert. Seither ist in dieser Richtung nicht viel geschehen. Ferrari hat direkt beim Ausstieg verkündet, dass man weiterhin für eine Kostenkontrolle in der Königsklasse ist, aber andere Wege beschreiten will. Im Gegensatz zu Red Bull, die beim Ressourcen-Restriktions-Abkommen (RRA) das komplette Auto berechnet haben wollen, wünscht sich Ferrari mehr Testfahrten.

In der kommenden Saison gibt es vom 1. bis 3. Mai nach den ersten Überseerennen einen Test in Mugello. Mehr getestet wird allerdings nicht, denn diese Tage zählen zum Winterkontingent von insgesamt 15 Tagen. Seit 2009 sind die Testbeschränkungen in Kraft. Das führte im Fall Ferrari zur paradoxen Situation, dass man einen Simulator aufbauen musste, obwohl mit Fiorano und Mugello zwei Teststrecken vor der Haustüre liegen.

Es musste also Geld investiert werden, um die Testbeschränkungen zu kompensieren. "Ich darf nicht in Fiorano testen, aber ich bin gezwungen viel Geld in einen Simulator zu investieren. Der Simulator ist so groß wie ein Haus", sagt Präsident Luca di Montezemolo. "Ich war dafür die Anzahl der Tests zu reduzieren, weil wir zu weit gegangen sind."

Die aktuellen Beschränkungen gehen dem Italiener aber zu weit. "Es muss etwas in der Mitte geben. Es ist komisch, dass einer der professionellsten Sportarten den Spielern nicht erlaubt zu üben." Als Beispiel führt Montezemolo einen Vergleich mit dem Fußball an: "Es wäre so, als würde man Real Madrid und Barcelona das tägliche Training verbieten. Warum sollte Ferrari also Fiorano und Mugello aufgeben?"

"Fiorano ist kein Vorteil mehr, weil es eine Go-Kart-Strecke geworden ist. Mugello ist fantastisch, aber Fiorano nicht", spricht Montezemolo die schon etwas veraltete private Teststrecke an. Tests sind für die Ingenieure und Mechaniker genauso wichtig, wie für die Fahrer. Der Präsident führt in erster Linie aber die Piloten als Argument auf: "Es ist schlecht für unsere Fahrer. Wir haben die Ferrari-Akademie mit einigen potenziell guten Fahrern."

"Ich kann sie aber nicht GT-Autos oder Go-Kart fahren lassen. Giancarlo Fisichella ist ein guter Fahrer, aber als er ins GT-Auto gestiegen ist, waren Gianmaria Bruni und Jaime Melo in den ersten drei, vier Rennen im Ferrari 458 schneller. Es ist anders als ein Monoposto." Abgesehen vom praktischen Nutzen für das Team, sieht Montezemolo in Testfahrten auch einen positiven wirtschaftlichen Aspekt.

Testfahrten können wirtschaftlich positiv sein

"Wir befinden uns in einer großen Krise und wir müssen den Sponsoren einen Wert zurückgeben. Testfahrten sind eine Möglichkeit, neben den Formel-1-Rennen Veranstaltungen zu organisieren. Formel 1 muss Marketingorientiert sein." Montezemolo spricht zwar Firmenkunden an, doch Testfahrten sind auch für den normalen Fan interessant.

Bei den Wintertestfahrten in Barcelona kostet ein Tagesticket zwischen zehn und 15 Euro und man sieht die Autos den kompletten Tag fahren. Im Vergleich zu den teuren Ticketpreisen an den Rennwochenenden ist das ein Schnäppchen. "Wir haben in Europa 100 Strecken und dürfen nicht testen. In Italien könnten wir in Monza Rennen fahren und in Mugello testen", so Montezemolo. "Oder in Großbritannien könnten wir beispielsweise in Silverstone Rennen fahren und in Brands Hatch testen."

Ferrari hat den eigenen Standpunkt diesbezüglich klargemacht, doch nicht jedes Team sieht den Aspekt Testfahrten wie der Traditionsrennstall. Klassenprimus Red Bull hat sich diesbezüglich kaum geäußert. Dafür ist Mercedes-Star Michael Schumacher auch immer vehement für mehr Testfahrten eingetreten. Bei kleinen Teams ist die Situation wieder komplett anders.

Toro Rosso nutzt natürlich die Synergien mit Red Bull. Die Nachwuchsfahrer sitzen regelmäßig im Simulator. Marussia-Virgin ist beispielsweise eine Partnerschaft mit McLaren eingegangen. Statt zu testen, wofür ohnehin kaum Geld vorhanden wäre, nutzt man die Möglichkeiten bei den Chrompfeilen. Einen Konsens unter den Teams zu finden ist schwierig. Daran ist letztendlich die FOTA (fast) zerbrochen.

Ferrari unterstützt Kostenkontrolle

Ferrari hat beim Ausstieg aus der Teamvereinigung klargestellt, dass man weiter für Kostenkontrolle ist. "Ich glaube, dass es immer noch für einige Teams die Möglichkeit gibt, eine gemeinsame Sicht über die Zukunft zu finden", ist Montezemolo überzeugt. "Ich werde weiter nach Lösungen suchen, um gemeinsame Ziele für die großen Teams zu finden. Ich möchte nur klare Regeln und klare Interpretationen haben."

Teamchef Stefano Domenicali stellt klar, dass Ferrari weiterhin mit den anderen Teams an einem Tisch sitzen wird, um über das RRA zu diskutieren. "Wir stehen vor einer Situation, in der wir die Kosten kontrollieren und sichergehen müssen, dass es durchsetzbar und kontrollierbar ist. Zuerst muss man verstehen, was jetzt mit dem RRA passiert."

"Im Moment müssen wir abwarten, wie in Zukunft die Einstellung der FOTA sein wird, und ob einige Teams gleich denken werden", meint Domenicali. "Der zweite Punkt ist, dass wir mit den anderen großen Teams die beste Lösung diskutieren müssen. Das ist eine Priorität. Jetzt gab es ein, oder zwei Jahre lang viele Diskussionen, aber nicht viele Ergebnisse."

Obwohl die FOTA-Ausstiege von Ferrari und Red Bull - Sauber folgte wenig später - am gleichen Tag bekannt wurden, stellt der Teamchef klar, dass die Scuderia diese Entscheidung aus eigenen Stücken getroffen hat. "Ich möchte klarstellen, dass wir die FOTA aus unseren eigenen Gründen verlassen haben. Dann sind andere Teams aus Gründen ausgestiegen, die ich nicht kenne."

"In unserem Fall hing es nicht mit anderen Teams in Zusammenhang, weil wir die Entscheidung getroffen haben, ohne mit jemand anderem zu sprechen. Wir sind nicht verantwortlich dafür, was andere Leute machen." Es stellt sich die Frage, wie diese Lösungen aussehen sollen, wenn lange keine Einigung erzielt werden konnte.

"Ich bevorzuge eine indirekte Budget-Obergrenze", sagt Montezemolo über seine Vorstellungen. "Nicht durch Gutachter, die meine Ausgaben kontrollieren, denn man kann sehr leicht betrügen. Eine Budgetobergrenze werde ich aber nie akzeptieren. Das wäre gegen den Wettbewerb." Dennoch spendet der Italiener Lob für den aktuellen FOTA-Präsidenten Martin Whitmarsh: "Er hat einen sehr guten Job gemacht."

Warum Adrian Newey nicht bei Ferrari ist

In erster Linie wünscht sich Ferrari also mehr Testfahrten, weil man die Möglichkeiten dazu hat. Red Bull will sich dafür die Ressourcen im Windkanal nicht beschneiden lassen. "Wir sind müde, dass die Siege aufgrund der Anzahl der Stunden im Windkanal entschieden werden", kann sich Montezemolo einen Seitenhieb auf die Weltmeistermannschaft nicht verkneifen.

Der ernsthafte Gegner für Ferrari ist nicht Sebastian Vettel, sondern Adrian Newey und sein Designteam. Das Technik-Genie stand in der Vergangenheit schon vor einem Wechsel zur Scuderia. Nach den erfolgreichen Jahren bei Williams ging Newey zu McLaren und baute dort 1998 den Weltmeisterwagen.

Zur gleichen Zeit brach auch bei Ferrari eine neue Zeitrechnung an. John Barnard verließ das Team Anfang 1997 und statt Newey stießen Ross Brawn und Rory Byrne zum Traditionsrennstall. Was sprach damals gegen Newey? "Das Meeting, das ich mit ihm im Jahr 1997 gehabt habe, war nicht sehr positiv", erinnert sich Montezemolo. "Seine Frau dachte über Italien, dass es eine Art dritte Weltland ist. Wenn er aber verfügbar wäre und seine Meinung über Italien ändern würde, dann warum nicht?"

Fotoquelle: xpb.cc

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