Williams-Urgestein Patrick Head wird sich aus dem Rennteam zurückziehen

Formel 1 2011

— 27.12.2011

Head: "Wir sind rückwärts gefahren"

Williams-Urgestein Patrick Head über den Abstieg des Traditionsteams: Der richtige Mix an Leuten hat gefehlt - Der Rennstall befindet sich im Umbruch

Das traditionsreiche Williams-Team erlebte 2011 ein Jahr zum Vergessen. Gerade einmal fünf WM-Punkte eroberte das Team, das bereits neun Konstrukteursmeisterschaften erobern konnte. Einzig die drei "neuen" Mannschaften konnte Williams hinter sich lassen. Intern wurde nach der katastrophalen Saison umgestellt. Technikdirektor Sam Michael musste gehen. Ex-McLaren-Mann Mike Coughlan kam neu zum Team und übernahm dessen Job. Als Chefaerodynamiker wurde Jason Somerville verpflichtet.

Nach so einem schwierigen Jahr kann es nur bergauf gehen. 2012 hat Williams mit Renault einen neuen Motorenpartner. "Williams-Renault" steht in der Formel-1-Geschichte für Erfolge - für viele Erfolge. Renault hatte es Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre nicht geschafft, den WM-Titel als Werksteam zu erobern. Für 1989 kehrten die Franzosen in die Königsklasse zurück und starteten mit Williams eine Erfolgsgeschichte. In Zukunft will der Rennstall wieder glorreichere Zeiten erleben.

Teamintern wurden in den vergangenen Monaten die Misserfolge analysiert und die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. "Es gab keine einzige Strecke, wo man sagen könnte, das Auto wäre gut gewesen", stellt Patrick Head nüchtern gegenüber 'Autosport' klar. "Aber Monaco hätte ein gutes Resultat werden können." Im Fürstentum lag Rookie Pastor Maldonado sicher auf Punktekurs, ehe er von Lewis Hamilton (McLaren) in die Leitplanken geschickt worden war.

"Es war ungewöhnlich, denn in den vorherigen Jahren konnten wir uns über die Saison gesehen verbessern. Diesmal konnten wir das aber nicht tun. Eigentlich sind wir rückwärts gefahren", sagt Head, der in Zukunft ebenfalls kürzer treten und sich um den Hybrid-Sektor des Teams kümmern wird. Williams hat seit 1980 mehrmals bewiesen, dass man das Rezept für den Erfolg kennt.

Mit Renault zurück in die Erfolgsspur?

Renault war Anfang der 1990er ein Puzzlestein zum Erfolg. Aber Adrian Newey, der heute für die Red-Bull-Erfolge verantwortlich ist, designte die erfolgreichen Williams-Boliden bis 1997. Im neuen Jahrtausend kam das Team mit BMW-Power zu einigen Achtungserfolgen, der WM-Titel war mit Ausnahme von 2003 aber nie wirklich greifbar. Seit 2004 hat Williams keinen Grand Prix mehr gewonnen. "Man muss den richtigen Mix an Leuten haben", findet Head. "Wir hatten das ganz sicher nicht."

"Das heißt aber nicht, dass jemand unserer Mitarbeiter schlecht war, aber wir haben es nicht auf die Reihe gebracht. Es ist richtig, dass Adrian Newey der Designer der letzten beiden Jahrzehnte ist. Wenn man sich aber die McLaren-Erfolge zwischen 2000 und 2005 mit Adrian ansieht, dann waren sie nicht so toll. Sie hatten es also auch nicht richtig gemacht", vergleicht Head.

In diese Zeit fällt auch der MP4-18, der in der Saison 2003 kein einziges Rennen bestritten hatte. Der Nachfolger, der MP4-19, war ebenfalls kein Erfolg und gewann als verbesserte Version (MP4-19B) schließlich ein Rennen. Auch ein Design-Genie wie Newey hatte nicht immer alles richtig gemacht. Das ist aber die Vergangenheit. Bei Red Bull kann sich Newey verwirklichen.

Der Mix an Mitarbeitern ist ausschlaggebend

"Man kann sagen, dass mit ihm bei Red Bull der richtige Mix an Leuten beisammen ist", sagt Williams-Urgestein Head. "Wir hatten das nicht. Ich glaube, das Topmanagement bei Williams - dazu zähle ich mich auch - waren nachlässig. Gegen Jahresende ging es immer etwas bergauf, und wir dachten, dass wir den Leuten noch eine Chance geben müssen."

"Als wir zu Jahresbeginn sahen wie es war, hatten wir keine Alternative. In Wahrheit sind in Brasilien einige der älteren Mechaniker zu mir gekommen und haben gemeint, 'Patrick, warum hast du diese Änderungen nicht schon vor einiger Zeit vorgenommen?' Es war für alle ein schwieriges Jahr. Mit unserer Struktur in diesem Jahr - die neuen Techniker waren noch nicht da und Sam (Michael; Anm. d. Red.) hatte schon seine Kündigung - war es für alle extrem schwierig."

"Ich glaube, Rubens (Barrichello; Anm. d. Red.) hatte niemanden, mit dem er über das Auto sprechen konnte", findet Head über den Routinier, der noch 2010 aufgrund seiner Erfahrung als großer Ideengeber gepriesen worden war. "Es war generell eine schwierige Situation. Alle waren sehr professionell, inklusive Sam. Es gab aber nicht den Funken, dass man die Probleme aussortiert. Es war schwierig für Rubens, für Sam, für Williams. Alle sind glücklich, dass wir das nun hinter uns lassen und in eine bessere Zukunft starten können."

Fotoquelle: xpb.cc

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