Red Bulls Auspuff-Lösung wurde von fast allen Teams übernommen

Formel 1 2011

— 27.12.2011

Anderson: Warum der Auspuff 2011 entscheidend war

Gary Anderson analysiert die verschiedenen Lösungen im Bereich des auspuffangeströmten Diffusors - Das Verbot des Systems kann er nicht nachvollziehen

Fast in jeder Formel-1-Saison gibt es ein technisches System, welches den entscheidenden Unterschied im Leistungsgefüge der Teams ausmacht. 2009 gelang Brawn mit dem Doppeldiffusor ein Coup, im Vorjahr überraschte McLaren die anderen Teams mit dem F-Schacht. In diesem Jahr setzte der auspuffangeströmte Diffusor den Trend. 2011 erkannten mehrere Teams den Vorteil dieses Systems, allerdings lieferten die Ingenieure zu Saisonbeginn verschiedene Lösungen.

Den radikalsten Entwurf präsentierte Renault. Die Franzosen führten die Auspuffrohre bis weit nach vorne und ließen sie vor den Seitenkästen austreten. Damit brachten sie die Konkurrenz zunächst einmal in Zugzwang, wie der Gary Anderson, ehemaliger technischer Direktor bei Jordan gegenüber 'Autosport' erklärt: "Danach mussten erst einmal alle wieder zurück in den Windkanal und die CFD-Simulatoren, um das Konzept zu untersuchen."

Zu Beginn schien die Lösung Renaults, mit dem sie den Luftstrom unter dem gesamten Unterboden beschleunigen wollten, aufzugehen. Am Saisonauftakt präsentierte sich das Team in starker Form und erreichte bei den ersten beiden Rennen mit Witali Petrow und Nick Heidfeld jeweils einen dritten Platz. Doch laut Anderson habe das System nur wenig Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gegeben, wodurch der Rückfall des Rennstalls im Saisonverlauf zu erklären sei.

Renaults Lösung floppt

Zu diesem Schluss kam auch Renault-Technikchef James Allison, der den R31 schließlich sogar als "gescheitertes Experiment" bezeichnete. "Wäre das System jedoch so gut gewesen, wie es zu Beginn aussah, wäre es für die anderen Teams sehr schwierig geworden, es zu übernehmen, da es im Grunde eine völlige Neukonstruktion erfordert hätte", gibt Anderson zu bedenken.

Red Bull hingegen entwickelte einen konservativeren Ansatz. Dort endeten die Auspuffrohre oberhalb des Unterbodens an der Innenseite der Hinterreifen. Damit verfolgt Red Bull letztlich den gleichen Zweck wie Renault, nämlich eine Beschleunigung des Luftflusses unter dem Fahrzeug. Allerdings wählten beide Teams unterschiedliche Wege. Bildlich gesprochen: Während Renault die Luft unter den Unterboden schob, zog Red Bull sie heraus.

Laut Anderson habe die Red-Bull-Lösung jedoch den Vorteil, dass sie die Luftverwirbelungen durch die Hinterräder reduziere und den Luftstrom beruhige. "Und da alle anderen Teams, mit Ausnahme von Renault, das Konzept von Red Bull übernommen haben, kann man sagen, dass dies die beste Lösung war", sagt der Nordire. Die Dominanz des Weltmeisterautos erkläre sich jedoch nicht durch dieses System, sondern vielmehr aus der Tatsache, dass das komplette Design des Fahrzeuge darauf ausgerichtet war.

McLaren musste umbauen

Auch McLaren entschied sich bald für eine ähnliche Anordnung der Auspuffrohre. Zu Beginn der Testfahrten hatte das britische Team noch auf eine individuelle Lösung gesetzt und den Auspuff in der Mitte des Unterbodens zentral vor dem Diffusor austreten lassen. "Aber ich hatte den Eindruck, dass das Team hier schnell ein Problem erkannt hat, nachdem sie nicht in der Lage waren, die hohen Temperaturen in den Griff zu bekommen", so Anderson.

Im kommenden Jahr gehört der auspuffangeströmte Diffusor nun der Vergangenheit an, die FIA hat das System verboten. Eine Entscheidung, die Anderson nicht nachvollziehen kann: "Jeder hat es jetzt, die Entwicklung hat eine Menge Geld gekostet, und es funktioniert." Sinnvoll sei aus seiner Sicht lediglich ein Verbot des heißen Anströmens gewesen: "Das ist Benzinverschwendung und setzt in Zeiten, in denen jeder bemüht ist, den CO2-Ausstoss zu verringern, ein falsches Signal."

Fotoquelle: xpb.cc

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