Eric Boullier wurde mit zahlreichen Gerüchten über sein Team konfrontiert

Formel 1 2011

— 29.12.2011

Boullier: "Wir sind glaubhaft"

Der Wandel bei Renault hat Eric Boullier oft Kopfschmerzen verursacht - Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten räumt er aus dem Weg

In den vergangenen zwei Jahren hat Eric Boullier viel Arbeit bewältigt. Nach dem werksseitigen Ausstieg von Renault trat das Team nach wie vor unter dem alten Namen an. Intern gab es aber immer wieder Gerüchte über die Zukunft des Teams. Diese konzentrierten sich vorrangig um die finanzielle Situation im Team.

"Die Gerüchte starteten vergangenes Jahr im Sommer, etwa zum Monaco-Rennen", wird Boullier von 'Autosport' zitiert. "Ich erinnere mich an Geschichten, in denen es um Zahlungsunfähigkeit ging. Selbst wenn die Geschichten falsch waren - und sie waren falsch - haben wir dafür bezahlen müssen. Wir müssen auch heute noch dafür bezahlen, weil es offensichtlich einen Verzug im Verständnis gibt."

Unklare Zukunft

"Es ist klar, dass es ein Problem war, dass wir nach der Übernahme im Vorjahr noch als Renault gestartet sind", analysiert er. "Wir fuhren immer noch in Renault-Farben. Es sah so aus, als ob wir ganz normal weitermachen würden. Die Verpflichtung von Kubica, der Fakt, dass der R30 ein gutes Auto war und die Entwicklung gut verlief, deuteten auf ein gutes Jahr hin."

"Die Änderung des Namens, die durch den Gerichtsprozess zwischen der Lotus-Gruppe und Tony Fernandes scheiterte, der Ausstieg von Renault, die Gerüchte über die Finanzen, über den mangelnde Zahlungsfähigkeit, den Budgetmangel und die unklare Zukunft des Unternehmens - all das erzeugte eine negative Haltung", so Boullier.

2001 übernahm Renault das Benetton-Team. 2005 und 2006 konnte man mit Fernando Alonso die Ferrari-Dominanz brechen und Weltmeister werden. Danach fuhr man den großen Erfolgen aber hinterher. Durch die "Crashgate-Affäre" stand man zudem negativ in den Medien, was Renault nachdenklich stimmte. Zahlreiche Sponsoren kehrten dem Team den Rücken zu.

Neuanfang

Am 16. Dezember 2009 gab Renault bekannt, dass Genii die Mehrheit am Team gekauft habe. 2012 wird Boulliers Mannschaft als Lotus-Team antreten. "Es war angenehm, für zehn Jahre ein Hersteller-Team zu sein", erinnert er sich. "Nun treten wir aber als Lotus an. Lotus ist ein kleiner Automobilhersteller mit Genii in der Mitte. Offensichtlich muss man die Leute über die Zukunft beruhigen."

"Deswegen müssen wir einige personelle Verluste hinnehmen. Wir sind aber dennoch froh, einige gute Leute verpflichtet zu haben. Wenn man ein gutes Team, gute Leute, eine hohe Motivation, gute Resultate und gute Fahrer möchte, muss man einen Namen und eine Zukunft haben. Man muss seine Leute motivieren und wissen, wohin man geht", berichtet der Lotus-Teamchef. "Man kann keine Gerüchte im Internet gebrauchen, die jeden Morgen behaupten, dass man dies und das nicht bezahlt hat."

"Ich denke, der andersartige Führungsstil war das Problem. Genii ist definitiv nicht Renault", bilanziert er. "Die Formel 1 war in den vergangenen Jahren entspannt. Die Hersteller haben einen Blanko-Scheck abgegeben und viele Freiheiten gegeben."

Gerüchte und Geschichten

"Ich denke, die Leute waren zudem davon schockiert, dass Renault aussteigt. Es schien, als ob wir den finanziellen Rückhalt eines Automobilherstellers verloren hatten und zu einem Privatteam ohne Geld wurden. Genii war für die Öffentlichkeit und die meisten im Fahrerlager neu", blickt er zurück. "Das Fahrerlager ist aber auch bekannt dafür, Gerüchte und Geschichten zu streuen. Es entsteht Neid."

"Nun verstehen die Leute, dass wir glaubhaft sind, weil wir 490 Leute hatten und jetzt 515 haben. Die Firma existiert zwei Jahre später immer noch", berichtet Boullier stolz. "Wir haben Schlüsselpersonen von Mercedes, Red Bull und Ferrari angezogen. Es gibt sehr viele wertvolle Menschen, die mit Adrian Newey bei Red Bull gearbeitet haben. Sie sind sehr wertvoll, weil sie gerne ihr eigenes Ding machen wollen und bei uns die Chance dazu haben. Wir müssen solche Leute verpflichten."

"Wir bauen ein Team auf, das in den kommenden zwei oder drei Jahren gewinnen soll und langfristig ein Topteam werden soll", erläutert er. "Manchmal ist es gut, einen großen Namen zu holen. Aber wenn man mittel-langfristig agiert, braucht man junge Talente mit ausreichend Erfahrung, die mit den Besten gearbeitet haben und wissen, wovon sie reden. Diese Leute werden sich sehr gut im neuen Umfeld entwickeln."

Fotoquelle: xpb.cc

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