Formel 1 2011: GP von Monaco

Nico Rosberg Nico Rosberg

Formel 1 2011: GP von Monaco

— 26.05.2011

Zeichenstunde mit Vettel und Co.

Wenn die Formel 1-Piloten vom 26. bis 29. Mai 2011 durch die engen Häuserschluchten von Monte Carlo hetzen, müssen sie den Stadtkurs perfekt kennen. Klappt das auch im Blindflug? Fünf deutsche Fahrer im Test.

Hallo? Mercedes-Pilot Nico Rosberg (25) widerspricht der Formel 1-Legende schlechthin? Ayrton Senna, 1994 tödlich verunglückt und mittlerweile als bester Fahrer der Formel 1 in die Geschichte eingegangen, hatte über seine Qualifying-Runde in Monte Carlo 1990 wie folgt berichtet: "Es war die perfekte Runde. Ich war im Rausch, ich war irgendwo anders. Es war, als hätte mich ein übersinnliches Wesen gelenkt. In der Box konnte ich mich an nichts mehr in der Runde erinnern. Das machte mir Angst." Nico Rosberg sagt heute: "Die perfekte Runde gibt es in Monaco nicht." Über eines aber sind sich beide einig. Rosberg: "Man muss aggressiv fahren und dabei gleichzeitig sehr präzise sein. Wenn nicht, kracht es."

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Nico Rosberg zeichnete den Stadtkurs präziser als alle anderen – kein Wunder, ist ja auch seine Heimat.

Soll heißen: Wenn sie am kommenden Wochenende (26 bis 29. Mai 2011) durch die Häuserschluchten des Fürstentums hetzen, müssen die Fahrer den Kurs besser kennen als ihre Westentasche. AUTO BILD MOTORSPORT hat beim Großen Preis von Spanien den Test gemacht: Welcher deutsche Pilot ist der größte Monaco-Spezialist? Mit geschlossenen Augen sollten Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Nick Heidfeld, Adrian Sutil und Timo Glock den Circuit de Monaco zeichnen. Nur Michael Schumacher hat die Malstunde verweigert. Ergebnis: Rosberg ist in der Monaco-Theorie der Beste!

Mit 1.05 Minuten brauchte der in Monaco lebende Deutsche zwar am längsten. Aber er zeichnete den Kurs präziser als alle anderen. Was ihn selbst überraschte: Mit geschlossenen Augen war er sogar besser als mit offenen! Anschließend markierte er seine Wohnung am Rande der Strecke sogar mit einem Kreuzchen. Rosberg: "Einen Heimvorteil habe ich trotzdem nicht. Es ist komplett anders, mit Tempo 300 auf dem Boden sitzend in einem Formel 1-Auto über den Kurs zu fahren als mit meiner C-Klasse im Alltag."

Sebastian Vettel (23) nahm den Zeichenwettbewerb so ernst wie das Rennen im Fürstentum.
Obwohl er in der Boxengasse gerade erst 45 Minuten lang Autogramme geschrieben, sich mit Kindern fotografieren ließ und mit einem Wikingerhelm herumspielte, legte er das weiße Blatt auf irgendeine Werkzeugkiste vor der Red-Bull-Box, schloss die Augen und legte los. Der Lausbub zeichnete innerhalb einer Sekunde einen Kreis, welcher eher an die Konturen einer Orange erinnerte als an den Stadtkurs zwischen Casino und Rascasse. Seine schelmische Erklärung:  "Okay, meine Strecke ist vielleicht etwas surreal, aber ich war doch bestimmt der Schnellste. Also habe ich jetzt gewonnen!"

Endstation Rascasse: Sebastian Vettels blind gezeichneter Monaco-Kurs endet in einer Sackgasse.

Das ließen wir so natürlich nicht durchgehen. Also startete Vettel den nächsten Versuch. Der Heppenheimer zeichnete jetzt 44 Sekunden lang hochkonzentriert, aber in der vorletzten Kurve "Rascasse" riss die Verbindung mit der übrigen Strecke ab. Vater Norbert erklärte ihm, was er falsch gemacht hatte: "Bub, leg den Daumen an, drücke ihn fest auf das Papier, dann weißt Du immer, wo Anfang und Ende zusammenkommen müssen." "Stimmt, Vadder", nickte der Weltmeister und betonte: "Neben meinem Heim-Grand-Prix ist Monaco das Rennen, das ich in diesem Jahr unbedingt gewinnen will."

Auf Platz drei unserer Mal-Aktion landete Adrian Sutil (28). Der Force-India-Pilot brauchte 48 Sekunden für die Monaco-Runde und erinnerte sich an 2008, als Kimi Räikkönen ihn auf Platz vier liegend abgeschossen hatte. Sutil: "Trotzdem war das ein extrem positives Wochenende für mich, weil ich im unterlegenen Auto zeigen konnte, was ich drauf habe. Gut, nach dem Aus war ich im ersten Moment tief enttäuscht, aber es hat mich sehr gefreut, dass sich Kimi und sogar Ferrari anschließend bei mir entschuldigt haben." Für Sutil entscheidet die Bergauf-Passage zum Casino über die perfekte Runde. "Wenn du da nur kurz von der Linie abkommst, landest du in der Leitplanke. Das ist mir auch schon mal passiert." Und im vergangenen Jahr Fernando Alonso, der sein Chassis dabei so schwer beschädigte, dass er im Qualifying passen musste.

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"Quick Nick" macht seinem Namen alle Ehre: Heidfeld kritzelte in nur sieben Sekunden eine verblüffend originalgetreue Umrissskizze.

Nick Heidfeld (34) entpuppte sich beim Blindzeichnen als ganz cleveres Bürschen. Der Mönchengladbacher kritzelte in sieben Sekunden einfach nur eine Umrissskizze, die aber verblüffende Ähnlichkeit mit der echten Streckengrafik besitzt. Heidfeld: "In Monaco ist die perfekte Runde besonders schwer, weil es dort noch mehr Kurven gibt als überall sonst." Für Heidfeld ist der GP im Fürstentum wie die Entdeckung der Langsamkeit. "Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist zwar langsamer, aber du bist viel schneller erschöpft, weil du dich so sehr konzentrieren musst." Der Grund: "Du kannst dich nie ausruhen. Eine Kurve folgt der anderen, es sind viele blinde Stücke dabei. Nach einer Zeit guckst du auf deine Boxentafel und denkst: Naja, es kann ja nicht mehr so lange dauern und dann sind es trotzdem noch 40 Runden."

Deshalb drohen gegen Rennende vermehrt Unfälle. "Meinen schlimmsten hatte ich 2000 in der Rascasse", blickt Heidfeld zurück. "Da, wo Michael es 2006 auch versucht hat. Ich hab's besser gemacht, bin also richtig gecrasht. Dafür aber unabsichtlich." Zur Erinnerung: Schumacher parkte seinen Ferrari damals absichtlich in der Rascasse, um Fernando Alonsos Jagd auf die Poleposition zu verhindern.

Übung macht den Meister, Timo! Virgin-Pilot Glock brauchte drei Anläufe für seine blind gezeichnete Strecke.

Schlusslicht bei unserem Zeichenwettbewerb war Timo Glock (28). Der Virgin-Pilot brauchte ganze drei Anläufe, um in 48 Sekunden eine Rennstrecke aufs Papier zu zaubern, die dem Circuit de Monaco so gar nicht ähnelte. Trotzdem weiß er, worauf es bei der perfekten Runde ankommt. Glock: "Keine Fehler machen. Entweder du endest in der Leitplanke, oder du überfährst das Auto und ruinierst die Reifen. Du musst die richtige Mischung aus Aggressivität und Kontrolle hinkriegen. Und das ist im Virgin noch schwieriger als im Red Bull." Trotzdem freut sich auch Glock auf Monaco: "Wenn du alles andere ausblendest, macht es immer Spaß so ein Auto da durchzuzirkeln."

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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