Zwei Kumpfels im direkten Duell: Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne

Formel 1 2012

— 24.01.2012

Ricciardo und Vergne: Stallduell wird Zerreißprobe

Die Freundschaft von Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne steht bei Toro Rosso auf dem Prüfstand: Wie sie damit umgehen und wie der Sprung zu Red Bull gelingen soll

Für Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne ist mit dem Toro-Rosso-Cockpit ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch dieser könnte für einen der beiden zum Alptraum werden, denn aller Voraussicht nach wird einer beim direkten Kräftemessen auf der Strecke bleiben, der andere könnte in den Weltmeister-Rennstall von Red Bull befördert werden.

Möglicherweise schon 2013, denn seit einiger Zeit wird über Mark Webbers Karriereende spekuliert - der Vertrag des "Aussies" wird stets nur um ein Jahr verlängert. "Nach einer halben Saison bei HRT bin ich jetzt bei Toro Rosso und das ist ein großer Schritt in meiner Karriere, den ich als gute Entwicklung ansehe", freut sich Ricciardo gegenüber 'ServusTV' auf die kommende Saison.

Er macht aber keinen Hehl daraus, dass Toro Rosso nur als Zwischenstation geplant ist: "Ich würde natürlich gerne für Red Bull fahren - das ist das große Ziel aller Red-Bull-Junioren. Wenn wir alles richtig machen und jetzt ein gutes Ergebnis bei Toro Rosso hinlegen, dann gelingt uns das vielleicht in ein, zwei oder drei Jahren. Der nächste große Schritt ist auf jeden Fall Red Bull - und dann dort auch zu gewinnen."

Vorteil für Ricciardo?

Im Vergleich zu seinem französischen Teamkollegen hat der 22-Jährige einen leichten Startvorteil: Er debütierte bereits 2011 beim Nachzügler-Rennstall HRT und absolvierte elf Rennen für das spanische Team. Vergne musste sich hingegen mit ein paar Freitagseinsätzen für Toro Rosso in Freien Trainingssitzungen begnügen.

Ricciardo gibt zu, dass es sein Teamkollege zunächst schwerer haben wird: "Ich denke es wird vielleicht etwas einfacher für mich sein, in die Saison reinzukommen, da ich ja schon elf Rennen auf dem Buckel und damit etwas mehr Erfahrung habe. Aber diese Entschuldigung lasse ich nicht lange gelten. Ich bin sicher, dass die Erfahrung hilft, aber wir haben auch noch viele Testfahrten vor Melbourne und wir werden beide gut gerüstet sein."

Zumal Vergne ein hervorragender Ruf vorauseilt: Er gilt als extrem zweikampfstarker Pilot und als "Liebkind" von Juniorteam-Chef und Motorsport-Konsulent Helmut Marko. Bezüglich seiner Qualitäten im Duell gibt er sich gegenüber 'ServusTV' aber zurückhaltend: "Ich spreche ungern darüber, was das Gute an mir ist. Ich zeige das lieber im Auto. Es macht mir sehr viel Spaß, im Auto zu fighten und zu überholen. Aber die Leute sollen das beurteilen und nicht ich."

Grenzgang zwischen Zusammenarbeit und Rivalität

Die Duelle mit Ricciardo sollen sich aber auf die Rennen beschränken, obwohl beiden die Bedeutung des Kräftemessens bewusst ist. "Wir kämpfen ja außerhalb der Strecke nicht miteinander, wir gehen nicht aufeinander los", stellt Vergne klar, zumal man mit vereinten Kräften das Auto entwickeln muss. "Wir haben schon in der Vergangenheit gut miteinander zusammengearbeitet, weil wir wirklich ein wettbewerbsfähiges Auto haben wollen, mit dem wir auch vorne mitkämpfen können. Das wollen wir beide."

Auf der Strecke regiert allerdings ganz klar der Egoismus: "Wir wissen, dass es eine ganz andere Geschichte ist, wenn wir auf der Strecke sind. Ich bekomme dort mit ihm sicherlich kein Problem, denn wir fahren letztlich für uns, aber wollen auch für das Team Punkte holen. Das unterscheidet die Situation vielleicht ein bisschen von den Kategorien davor."

Ricciardo sieht die Situation ähnlich: "Vor allem bei den Tests zu Beginn der Saison ist es wichtig, so viele Informationen wie nur möglich untereinander auszutauschen, um das Team nach vorne zu bringen. Im Laufe des Jahres muss man dann versuchen, seinen Teamkollegen zu schlagen. Da muss man kein Geheimnis draus machen. Klar wollen wir gegeneinander gewinnen."

Der Mann aus Down Under hat aber schon ein Rezept, damit die Rivalität nicht in einen Stallkrieg ausartet: "Wir respektieren einander - das ist das Wichtigste. Auf dieser Grundlage können wir das Beste aus dem Auto herausholen. Da werden wir hart pushen - uns gegenseitig, aber auch das Team. Wir sind absolut zuversichtlich, dass uns das gelingt."

Red-Bull-Cockpit zum Greifen nahe

Der 21-jährige Franzose will sich durch die Perspektive, unter Umständen ins A-Team von Red Bull aufrücken zu können, nicht verrückt machen. "Seit meiner Kartzeit glaube ich an eine Philosophie: Denk immer nur an die eine Saison und nicht an die Jahre, die danach kommen", verrät er. "Ich habe nie an die Formel 1 gedacht, sondern immer an das aktuelle Jahr. Ich fahre 2012 für Toro Rosso, 2013 interessiert mich jetzt nicht. Ich gebe diese Saison mein bestes und dann sehen wir, was dabei rausspringt."

Dennoch hat er bereits vorgebaut, um es den internationalen Journalisten im Fall von Erfolgen etwas leichter zu machen. Er möchte ab sofort Jev - die Initialen von Jean-Eric Vergne - genannt werden: "Der Name Jean-Eric Vergne ist für die anderen doch etwas schwer auszusprechen. Nennt mich einfach Jev. So hat man mich auch im Kartsport genannt, das behalten wir jetzt einfach so bei."

Vergne spricht von Podestplätzen

Apropos Erfolge: Was ist 2012 bei Toro Rosso möglich? "Ich hoffe schon auf ein paar Podestplätze", grinst der 21-Jährige schelmisch. "Natürlich wissen wir noch nicht, wo wir stehen. Aber das Team hat schon gezeigt, dass es jedes Jahr zulegen kann und stärker wird. Ich glaube schon, dass wir ein starkes Team haben und dass die Leute auch sehr engagiert an diesem neuen Auto gearbeitet haben. Ich glaube an dieses Team und auch daran, dass wir starke Rennen zeigen können und zumindest regelmäßig in die Punkte fahren."

Auch Ricciardo hält sich mit seinen Zielen nicht zurück. Er meint, er wolle sich nicht aufplustern, sehe aber in Hinblick auf eine erfolgreiche Formel-1-Zukunft alle Türen offen: "Ich glaube an meine Fähigkeiten, an mein Talent, aber auch an die harte Arbeit. Wenn das alles passt, sollte ich der Champion werden können, der ich sein möchte."

Fotoquelle: Red Bull/GEPA pictures

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