Kann Pat Symonds Marussia endlich auf den richtigen Weg bringen?

Formel 1 2012

— 24.01.2012

Symonds: "Neuer Marussia erst im Februar im Windkanal"

Marussia-Berater Pat Symonds erklärt, wieso der neue Bolide trotz des Bruchs mit Nick Wirth erst so spät im Windkanal steht und wieso man so spät dran ist

Caterham und Marussia haben einiges gemeinsam. Beide Teams stiegen 2010 in die Formel 1 ein, änderten kürzlich ihren Namen und sind stets in den hinteren Regionen der Startaufstellung zu finden. Und bei beiden Teams versuchen ehemalige Renault-Führungskräfte, die es in ihrer Karriere gewohnt waren, aus dem Vollen zu schöpfen, ihre Teams mit geringen Mitteln nach vorne zu bringen.

Im direkten Duell der Caterham- und Marussia-Technikverantwortlichen Mike Gascoyne und Pat Symonds hat bisher ganz klar Ersterer die Nase vorne. Doch Symonds hat einen klaren Nachteil: Im Gegensatz zu seinem direkten Konkurrenten ist er erst seit dem 4. Juli 2011 bei seinem aktuellen Team im Einsatz. Es war tatsächlich eine Art Unabhängigkeits-Tag für das damals noch Marussia-Virgin genannte Team.

Nach einigen bitteren Lehrstunden erklärte man die Kooperation mit Wirth Research, der Firma von Ex-Technikchef Nick Wirth, für beendet. Der Brite hatte es sich zum Ziel gesetzt, ein erfolgreiches Auto ohne Hilfe des Windkanals, sondern ausschließlich mittels CFD-Simulationen, zu designen - ein Vorhaben, das ganz klar scheiterte. Doch Wirth besaß Anteile am Team, weshalb eine Trennung zunächst schwierig war.

Neues Auto erst im Februar im Windkanal

Schließlich übernahm das Team aber Wirths Anlage in Banbury und ließ sich dort nieder. Zudem holte man Symonds an Bord - offiziell als technischer Berater - und ging eine technische Partnerschaft mit McLaren ein. Ein cleverer Schachzug, denn auf diese Weise mauserte sich Force India zum besten Mittelfeld-Team der Formel 1.

Bis dahin ist es für Marussia freilich noch ein weiter Weg, denn in den ersten zwei Saisons musste man mit dem letzten Platz in der Konstrukteurs-WM Vorlieb nehmen. Der Umbruch erfolgte mit Anfang Juli sehr spät in der Saison, was sich auch auf die Saison 2012 auswirken wird.

"Wir bringen das 2012er-Auto im Februar in den Windkanal, also ziemlich genau zur gleichen Zeit, wie wir damit auf die Strecke gehen", gibt Symonds gegenüber 'Autosport' zu, dass das neue Auto nicht im Windkanal entwickelt wurde. "Normalerweise würde man damit im Juni anfangen, aber man darf nicht vergessen, dass wir erst im Juli den Vertrag mit McLaren eingingen, und es benötigt eine gewisse Zeit, um diese Modelle zu bauen."

Windkanal musste erst kalibriert werden

Symonds bezeichnet Windkanal-Modelle als "unglaublich komplex. Ich sage immer, dass es sich um die zweitteuersten Rennautos handelt, die man aber fast nie zu Gesicht bekommt." Zumal es im Fall von Marussia nicht ausschließlich um den Bau eines Windkanal-Modells ging, sondern die gesamte Anlage erst kalibriert werden musste, um dann repräsentative Daten zu erhalten.

"Es ergibt keinen Sinn, ein Modell zu bauen, es hineinzustellen und dann den Ergebnissen zu glauben", erklärt er. "Wir wollten es im Vergleich zum 2011er-Auto kalibrieren. Aus diesem Grund machten wir ganz spezielle Geradeaus-Tests mit dem 2011er-Auto, dann simulierten wir dieses Tests im Windkanal und stellten sicher, dass wir alles verstanden hatten, bevor wir mit dem 2012er-Auto anfingen. Denn es ist wirklich wichtig, dass alles ordentlich funktioniert und man weiß, was man tut."

Doch die Vorbereitung des Windkanals ist nicht die einzige Neuerung bei Marussia. Symonds änderte die technische Herangehensweise des Teams. "Seit Juli haben wir unsere Philosophie bei der Aerodynamik umgestellt", sagt der Brite, der an Michael Schumachers ersten zwei WM-Titeln beteiligt war. "Damit meine ich aber nicht in Bezug auf CFD und Windkanäle. Ich spreche von der gesamten Philosophie, wie wir die Aerodynamik entwickeln."

Neuer Marussia wird konservativ

Im Vordergrund steht nun, mit dem Auto deutlich mehr Abtrieb zu generieren. Von möglichen Grenzgängen bei der Entwicklung nimmt Symonds bewusst Abstand: "Ich denke nicht, dass es für uns der richtige Zeitpunkt ist, um innovativ zu sein. Wenn man so weit hinter der Spitze liegt, dann ist es der richtige Zeitpunkt, um die Arbeit ordentlich zu erledigen. Es geht vielmehr darum, sich jeden Bereich ordentlich anzusehen und sich überall zu verbessern."

Symonds gibt Einblicke, worin sich das neue Auto von seinen Vorgängern unterscheidet: "Man übernimmt immer etwas, aber diesmal haben wir weniger übernommen als normal. Das gesamte Aufhängungsdesign ist anders - selbst die Pedalanordnung ist anders. Bei diesem Auto haben wir wahrscheinlich weniger übernommen, als bei jedem anderen, an dem ich bisher gearbeitet habe."

Als ob die Herausforderung für die kleine Truppe noch nicht groß genug wäre, kommt dieses Jahr auch noch die Reglementänderung beim Crashtest hinzu: Erst wenn dieser bestanden wurde, darf man mit dem Boliden an den Testfahrten teilnehmen. Ursprünglich galt diese Regelung nur für die Rennen. Daher rechnet man mit dem ersten Einsatz nicht vor dem zweiten Wintertest in Barcelona.

Sotschi 2014 als Ziel

Diese Saison möchte das Team ein Fundament bilden, auf dessen Basis man sich in den kommenden Jahren nach vorne entwickeln kann. Bis 2014 möchte man konkurrenzfähig sein. Der Grund ist der erste Grand Prix in Russland, wo man als russisches Nationalteam auch sportlich in Erscheinung treten will.

"Ich weiß, wo wir bis Sotschi 2014 stehen wollen", erklärt Symonds. "Natürlich will ich, dass wir uns verbessern. Ich will aber unbedingt, dass wir den Abstand zu den Jungs an der Spitze halbieren. Wo wir dann stehen, hängt davon ab, wie gut die anderen sind." Bei den letzten Saisonrennen 2011 waren es rund fünf Sekunden, die dem Rennstall von John Booth fehlten. Mit zwei Sekunden Rückstand würde man im Mittelfeld der Formel 1 liegen.

Das geplante Rennen in Sotschi dient Marussia als Motivator. "Wenn man durch die Marussia-Fabrik geht, dann sieht man hinter der Rezeption ein großes Logo, auf dem Sotschi 2014 steht", bestätigt Symonds gegenüber 'Autosport'. "Das setzt unser Team unter Strom, so haben wir etwas, nach dem wir streben können - und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig."

Fotoquelle: Renault

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