Gerhard Berger und Michael Schumacher: Der Respekt kam mit den Jahren

Formel 1 2012

— 28.01.2012

Berger: Erfolg in der Formel 1 ist zu 50 Prozent Kopfsache

Gerhard Berger analysiert die Stärken der Weltmeister Schumacher und Vettel und gesteht, dass er selbst als aktiver Pilot mehr hätte herausholen können

Gerhard Berger ist seit seinem Debüt für ATS im August 1984 auf dem Österreichring ein vertrautes Gesicht in den Formel-1-Fahrerlagern dieser Welt. Auch im Anschluss an seine 13 Jahre dauernde Karriere als Pilot blieb der Österreicher der Szene eng verbunden. Nicht nur aufgrund seiner langen aktiven Laufbahn, auch dank seiner Anstellung als Motorsportdirektor für BMW sowie später als Teilhaber bei Toro Rosso erlebte der inzwischen 52 Lenze zählende Tiroler eine ganze Reihe an Formel-1-Talenten aus nächster Nähe.

"Ich habe so viele Fahrer in meiner Karriere gesehen. Talent hatten alle mit Ausreißern nach oben und nach unten", urteilt Berger gegenüber 'auto motor und sport'. Nach all den Jahren steht für ihn fest, dass die erfolgreichen Fahrer ihre Siege und Titel nicht nur dank überlegener Autos herausgefahren haben. "Der ultimative Erfolg kommt vom Kopf", sagt Berger.

"Ein Sebastian Vettel war immer schon seiner Zeit voraus", hält der Österreicher mit Blick auf den amtierenden Champion fest. "Der hat bereits mit seinen 19 Jahren bei BMW und Toro Rosso so getickt wie sonst ein 30-Jähriger."

Als sich Berger anno 1979 selbst in dem Alter befand, in dem Vettel 28 Jahre später sein Formel-1-Debüt gab, sei dies anders gewesen. "Ich war mit 19 Jahren 19 Jahre alt", urteilt er rückblickend über sich selbst und fügt in Bezug auf Vettel an: "Es war von Anfang an klar, dass das Teil seines Erfolges sein würde."

"Dazu kommt, dass Vettel wahnsinnig konzentriert auch unter Druck seine Leistung abrufen kann, was seine vielen Trainingsbestzeiten in letzter Minute beweisen", lobt Berger. Zudem macht der Tiroler beim amtierenden Weltmeister "eine unglaublich angenehme, aber doch sehr bestimmte Art" aus.

Rolle als Schumacher-Nachfolger öffnete Berger die Augen

Genau wie die Formel-1-Größen Ayrton Senna oder Michael Schumacher könne Vettel auf diese Weise "Dinge im Team vorantreiben". Am siebenfachen Weltmeister Schumacher, dem er unlängst den baldigen Rücktritt nahelegte, beeindruckte Berger im Herbst seiner eigenen Karriere noch eine weitere Eigenschaft.

"Wir haben zu Benetton-Zeiten immer den Funk abgehört", erzählt der Österreicher, der Schumacher im Winter 1995/1996 im Team von Flavio Briatore beerbte. "Das beeindruckende am Michael war, wie ruhig der im Auto geblieben ist. Egal wie gut oder schlecht es lief. Der ist nie ausgeflippt. Jean Alesi und ich wären da längst an die Decke gegangen."

"Würde ich mit meiner Erfahrung von heute noch einmal im Auto sitzen, würde ich es auch so machen", gesteht Berger inzwischen. "Diese Erkenntnis hatte ich aber nicht zu meiner aktiven Zeit." Die Erfahrung und damit die Kopfarbeit machen nach Einschätzung des 210-fachen Grand-Prix-Starters "mindestens 50 Prozent in diesem Geschäft aus".

Die analytischen Fähigkeiten haben laut Berger auch bei dessen Landsmann Niki Lauda im entscheidenden Moment den Ausschlag gegeben. "Alain Prost war bereits schneller. Aber der Niki hat ganz ruhig analysiert, wo seine Stärken liegen, hat die optimal genutzt und Prost geschlagen", erinnert er an das Duell der beiden McLaren-Piloten in der Saison 1984, die Lauda unterm Strich mit einem halben Punkt Vorsprung auf Prost als Weltmeister abschloss.

Fotoquelle: xpb.cc

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