Adrian Newey bereiteten die Einschränkungen beim Auspuff Sorgen

Formel 1 2012

— 06.02.2012

Newey: "Mussten in vielen Bereichen umdenken"

Red-Bull-Technikgenie Adrian Newey im Interview: Der neue RB8 als vierte Generation des 2009er-Autos - Warum das Weltmeisterteam womöglich am heftigsten leidet

Auch Red Bull setzt beim neuen RB8 auf die Höcker-Nase. Doch der neue Bolide für Weltmeister Sebastian Vettel und dessen Teamkollegen Mark Webber hat offenbar in jenem Bereich einen Clou. Stardesigner Adrian Newey verpasste dem neuen Auto am Nasen-Höcker einen breiten Lufteinlass. Was dies bringen soll, wird bisher verschwiegen. Im Interview beschreibt das Technikgenie Newey die Entwicklung seines neuen Autos.

Frage: "Adrian, hat der Erfolg der vergangenen Jahre den Druck erhöht oder abgesenkt?"
Newey: "Die vergangenen Jahre waren sehr gut, höchst erfolgreich. Bis dorthin war es ein langer, interessanter Weg. In diesem Jahr haben wir die vierte Evolutionsstufe des damaligen RB5. Druck gibt es in dem Sinne, dass wir natürlich unsere Position halten möchten. Das ist eine schwierige Aufgabe. Aufgrund der neuen Regeln bezüglich des Auspuffs haben wir unsere Vorteile dort eingebüßt, die wir uns in diesem Bereich in den vergangenen Jahren erarbeitet hatten. Wir mussten dort über den Winter also umdenken."

"Ob uns dies mehr schadet als anderen Teams, das kann man jetzt noch nicht wissen. Unseren letztjährigen RB/ hatten wir um das Abgassystem herum entwickeln können. Wir waren die einzigen, die das in dieser Form machen konnten. Es kann also durchaus sein, dass wir durch die neuen Regeln mehr eingebüßt haben als die anderen. Die Zeit wird es zeigen. Es wird schön sein, nun endlich zu testen und zu sehen, wo man in etwa steht."

Newey kein Freund der neuen Regeln

Frage: "War die neue Regel eher frustrierend für dich oder ein Anreiz?"
Newey: "Ganz ehrlich: Solche regulativen Einschränkungen wie jetzt beim Auspuff sind eher frustrierend. Es ist wirklich eine Restriktion. Es gibt keine neuen Möglichkeiten oder Vorteile, sondern es wird einfach nur eine Tür zugeschlagen. Regeländerungen mag ich, Einschränkungen per Reglement mag ich nicht."

Frage: "Wie bist du mit dem Verbot des angeblasenen Diffusors bei der Entwicklung des RB8 umgegangen?"
Newey: "Der RB7 war speziell für dieses Auspuffsystem konzipiert. Wir mussten nun wieder ein oder zwei Jahre zurückgehen und schauen, wie wir das Auto damals mit den seitlichen Auspuffenden entwickelt hatten. Einer der Schlüssel in diesem Zusammenspiel ist die Fahrzeughöhe am Heck. Der letztjährige Auspuff ermöglichte uns eine recht hohe Fahrzeughöhe. Ohne den angeblasenen Diffusor ist es schwierig, weiterhin am Heck so hoch zu fahren. Wir mussten also ein paar Schritte zurückgehen und das Auto um ein niedrigeres Heck herum konzipieren."

Frage: "Eine der großen Änderungen ist auch die Höhe der Nase. Hat euch das vor Schwierigkeiten gestellt?"
Newey: "Die Einschränkungen dort beziehen sich auf die Maximalhöhe an der Front. Die grundsätzliche Chassisform hat sich dadurch kaum geändert. Wir sind mehr oder weniger bei der gleichen Chassisbauform geblieben, aber wir mussten die Nase vor den vorderen Anlenkpunkten absenken. Das führte bei uns - wie auch bei vielen anderen Teams - zu einer etwas unschönen Nasenform. Wir haben versucht, es so schön wie möglich zu machen, aber eine solche Lösung würde man nie wählen, wenn nicht die Regeln in diesem Bereich solches erforderten."

Frage: "Würdest du den RB8 als Evolution des RB7 bezeichnen, oder musstest du in zu vielen Bereichen umdenken?"
Newey: "Ich würde sagen, dass der RB8 die vierte Generation unseres Fahrzeugs von 2009 ist, dem RB5. Ich würde es als Enkelkind dieses Autos sehen."

Frage: "Magst du einfach nicht verlieren, oder was motiviert dich, dass du dich jedes Jahr wieder auf ein neues Designpuzzle auf Grundlage von Regeländerungen einlässt?"
Newey: "Ich hatte das große Glück, dass ich in meiner Karriere schon viele Erfolge feiern durfte. Viele Leute fragen mich immer wieder, ob ich bald aufhöre. Die Antwort lautet: So lange ich Spaß daran habe, mache ich auch weiter. Mich fasziniert die technische Herausforderung, die ein enormes Tempo erfordert. Alle zwei Wochen stehen wir auf dem Prüfstein."

"Haben wir unseren Job gut gemacht, dann gibt es Erfolg. Wenn wir den Job schlecht machen, dann wird es schmerzhaft. Zumindest weiß man immer, wo man steht und man sieht das Ergebnis seiner Arbeit sofort. Ich mag die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, mit den anderen Ingenieuren in Milton Keynes, mit den Fahrern an der Strecke. Dieser Job hat so viele Facetten und bietet dermaßen viel Abwechslung. Man hat immer schnelles Feedback. Genau das motiviert mich in meinem Job."

Warum man auf Webber achten sollte

Frage: "Sebastian scheint immer besser und besser zu werden. Was erwartest du in der neuen Saison von ihm?"
Newey: "Ich denke, wir haben eine tolle Fahrerpaarung. Sebastian, der nun zweimaliger Weltmeister ist, ist im vergangenen Jahr deutlich gereift. Schon 2010 ist er toll gefahren, hat sein Talent gezeigt und hatte den Titel am Ende des Jahres verdient. Es war damals ein holpriges Jahr. Er war ein junger Kerl, der große Entschlossenheit und deutlichen Willen zum Lernen aus Fehlern gezeigt hat. Auch ihm sind Fehler unterlaufen - wie allen anderen auch."

"Er allerdings hat keinen Fehler zweimal gemacht. Er hat die Fähigkeit, aus seinen Fehlern zu lernen und er versucht stets, sich weiter zu verbessern. Das hat sich im vergangenen Jahr gezeigt. Er hat im vergangenen Jahr keinerlei Fehler gemacht. Er war aggressiv, wenn er es sein musste, er hatte Geduld, wenn Geduld gefragt war. Er zeigte eine beeindruckende Reife und es gibt keinen Grund, warum sich das in diesem Jahr nicht fortsetzen sollte."

Frage: "In Mark habt ihr einen Fahrer, der es nach dem schwierigen Jahr 2011 noch einmal allen zeigen will. Wird es Mark im RB8 leichter haben als im RB7?"
Newey: "Mark hatte ein schwieriges Jahr. 2010 erlebte er eine tolle Saison und es war Pech, dass er am Ende des Jahres nicht Weltmeister wurde. 2011 hatte er Schwierigkeiten im Umgang mit den Pirelli-Reifen. Er brauchte eine gewisse Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Er hatte nun einen tollen Winter, er ist unglaublich fit und freut sich auf den Saisonstart. Ich denke, er ist einer, den man in diesem Jahr auf der Rechnung haben sollte."

Frage: "Entwickelt sich das Team insgesamt noch weiter?"
Newey: "Es ist immer noch ein relativ junges Team. Wir haben in kurzer Zeit große Fortschritte machen können und hatten in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr viel Erfolg. Manchmal sieht man unsere Unerfahrenheit aber noch. Wir machen manchmal noch Fehler. Wir klagen vermutlich auf hohem Niveau, aber es laufen dennoch tatsächlich einige Prozesse zur Verbesserung ab. Wir lernen noch, aber wir sind ein junges und entschlossenes Team. Wir probieren Dinge aus, sind selbstkritisch und schauen, wie wir uns verbessern können. Ich hoffe, dass wir mit unseren Erfolgen und unseren konstanten Fortschritten genau dort weitermachen können."

Der bange Moment beim Test

Frage: "Wie empfindest du den Moment, wenn das Auto erstmals auf die Strecke geht? Gibt es Zuversicht, oder auch ein wenig Furcht, was anderes Teams auf die Räder stellen könnten?"
Newey: "Man fragt mich oft nach meinen Erwartungen, bevor die Autos auch nur einen Meter gefahren sind. Ich kann immer nur sagen, dass ich überhaupt keinen Schimmer habe. Wir wissen, was wir im Winter geleistet haben. Wir wissen, was wir für ein Auto entwickelt haben, aber wir haben keine Ahnung, was die anderen Teams gemacht haben. Vor dem Hintergrund von veränderten Regeln und neuen Einschränkungen ist das noch schwieriger."

"Haben wir größere oder kleinere Fortschritte als die anderen gemacht? Das kann man nicht wissen. Man geht immer mit einem gewissen Bangen in die Tests vor dem Saisonstart. Und bei den Tests kann man kaum etwas herauslesen. Wenn man einem anderen Team hoffnungslos unterlegen ist, dann wird man so etwas merken. Aber wenn zwei oder drei Teams auf ähnlichem Niveau fahren, dann kann man kaum ausmachen, wer wirklich der Schnellste ist. Es dauert bis zum Qualifying in Melbourne, um ein realistisches Gefühl dafür bekommen zu können."

Frage: "Wie fühlt es sich an, von der Queen mit dem OBE ausgezeichnet zu sein?"
Newey: "So etwas schmeichelt mir sehr. Erst recht macht mich die Tatsache stolz, dass ich diese Auszeichnung für Ingenieursleistungen bekommen habe. Die guten Techniker werden in Großbritannien oft übersehen. Das ist schade, wenn man unsere Geschichte bezüglich der Entwicklung von Industrie und Technologie anschaut. Ich empfinde Stolz, weil ich diese Auszeichnung erhalten habe. Ich danke allen, die meinen, ich hätte es verdient. Ich erlebe eine tolle Karriere. Als Ingenieur dermaßen wahrgenommen zu werden, ist ein schönes Gefühl."

Fotoquelle: xpb.cc

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