McLaren testet in Jerez bereits unterschiedliche Auspufflösungen

Formel 1 2012

— 08.02.2012

Das Rätsel Auspuff: Was ist legal und was nicht?

Eine Richtlinie schließt aus, was Maße und Winkel nicht übernehmen können: Sind sich die Formel-1-Designer bei der Auslegung der Regeln einig?

Der angeblasene Diffusor war 2011 der Schlüssel zum Erfolg. Red Bull machte vor, welche Wirkung dieses aerodynamische Hilfsmittel haben kann. Als McLaren und Ferrari mit dieser Technologie vertrauter wurden, kamen sie immer weiter an den RB7 heran. Da der Red Bull im Vergleich zur Konkurrenz aber von vorn herein für den angeblasenen Diffusor konstruiert wurde, bissen sich die Gegner mit ihren Autos die Zähne aus.

Für 2012 müssen die Teams nun ohne den aerodynamischen Trick auskommen. Besonders Adrian Newey dürfte diese Änderung im Reglement wehtun. Der Stardesigner fürchtet bereits, dass die Überlegenheit des Vorjahres keine Wiederholung finden wird. "Der angeströmte Diffusor war eine interessante Technologie", erinnert Christian Horner und bemerkt: "Er hat den Designern etwas gegeben, worin sie sich verbeißen konnten, nachdem ihnen der Doppeldiffusor weggenommen wurde."

Neweys Spielzeug

"Der angeströmte Diffusor wurde zu einem mächtigen Werkzeug. Auch die anderen Topteams haben diesen Bereich gut ausgeschöpft, aber jetzt gibt es da nicht mehr viel zu holen, was kreative Ansätze angeht. Trotzdem bleibt das Auge fürs Detail entscheidend. Die Unterschiede sind vielleicht kleiner, aber in Summe rechnen sie sich immer noch auf", erklärt der Red-Bull-Teamchef.

"Die FIA war recht präzise bei dem, was sie beim Auspuff wollen und was sie nicht wollen", stellt Newey klar. "Sie möchten keine Einlässe sehen, die Abgase aus einem geschlossenen Kanal ziehen und dann auf Teile des Autos leiten. Zudem gibt es einige Bereiche, an denen wir keine Luftleitwerke verwenden dürfen."

"Ich hoffe, dass es bei der Auslegung der Regeln nicht zu viele Kontroversen geben wird. Es besteht immer die Möglichkeit, dass jemand mit einer Lösung kommt, die sich genau auf der Grenze der Legalität befindet und dann Interpretationssache ist", befürchtet der Red-Bull-Designer.

Regelformulierungen genau genug?

Auch die Konkurrenz fürchtet, dass die Regeln nicht absolut eindeutig formuliert wurden. "Es gibt Unterschiede, wie die Teams die Auspuffregeln interpretieren", erkennt Mark Gillan von Williams. "Ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen bis Melbourne entwickeln wird.

"Die FIA ist sehr bedacht darauf, dass keine Auspuffgase auf die Karosserie oder in die Bremsbelüftungen geleitet werden. Man kann darüber streiten, ob einige Designs nicht sehr nahe an letzteren Punkt im Reglement herangehen", kritisiert der Chefingenieur für Operationen. "Das ist aber nicht unsere Entscheidung, sondern Angelegenheit der FIA."

"Wie jedes Team reizen auch wir das Reglement maximal aus, um möglichst viel Performance zu generieren. Das ist Teil des Spiels", weiß Gillan und übergibt den Teams die Verantwortung: "Die Position der FIA ist eindeutig. Es liegt an jedem Team selbst, die Legalität sicherzustellen. Wir für unseren Teil wollen auf der richtigen Seite der Regeln bleiben, aber so nahe an der Grenze wie möglich."

Die Fakten

Die Regeländerung beim Auspuff ist komplex. Die FIA füllt mit den Bestimmungen eine ganze Seite des Reglements. Unter anderem ist vorgegeben, dass sich die Endrohre zwischen 20 und 50 Zentimeter neben der Mittelachse des Autos, zwischen 25 und 60 Zentimeter über der Referenzebene und zwischen 50 und 120 Zentimeter vor der Hinterradaufhängung in einem Winkel zwischen zehn und 30 Grad zur Vertikalen und maximal zehn Grad zur Längsachse befinden müssen.

Abgesehen von den Regeln, die mit Maßen die Position und den Austrittswinkel des Auspuffs vorgeben, wird durch eine Richtlinie der FIA vorgegeben, dass jeder Versuch, den Auspuff als aerodynamisches Hilfsmittel zu nutzen, verboten ist. Dieser Grundsatz verbietet alle Konzepte, die Auspuffgase auf Flügel oder den Diffusor umleiten.

"Charlie möchte beim Auspuff keine Auswirkung auf die Aerodynamik sehen", erläutert Giorgio Ascanelli von Toro Rosso, der diese Richtlinien vollkommen unterstützt: "Die FIA will das nicht sehen. Es gibt eine technische Richtlinie, die den Energiefluss begrenzt. Und das ist meiner Meinung nach richtig so."

Zweifel an der Formulierung

James Allison hingegen fürchtet, dass die Formulierung nicht eindeutig genug ist. "Der Wortlaut in den technischen Richtlinien sagt aus, dass Konstruktionen, die Auspuffabgase umlenken und einen aerodynamischen Hintergrund haben, verboten sind", erkennt der Lotus-Mitarbeiter. "Die Regel selbst gibt lediglich vor, wie groß der Auspuff sein muss, wo er sich befinden muss und welchen Winkel er haben muss."

"Doch dann sagen die Richtlinien, dass selbst bei einer Erfüllung der Vorgaben eine Untersuchung folgen kann, sollte man das Ganze so konstruiert haben, dass es zur Generierung von Abtrieb beiträgt. Ich befürchte, dass es ein Gerangel darum geben wird, welche Geometrien vertretbar sind und welche nicht", so Allison.

Ganz und gar keine Befürchtungen hat Ferrari. Nicolas Tombazis, der Chefdesigner der Italiener, hat während der Konstruktion ständig mit der FIA korrespondiert, um Zweifel auszuschließen. "Wir hatten bereits recht viel Schriftverkehr mit der FIA. Ich denke, dass es recht klar ist, was erlaubt ist. Ich glaube, dass unsere Lösung absolut regelkonform ist", so Tombazis.

Nach dem die FIA im Sommer 2011 versagt hatte, als es um ein Verbot aggressiver Motoren-Mappings ging, ist man 2012 deutlich mehr bemüht, die Kontrolle zu behalten. Charlie Whiting wird bereits bei den Testfahrten die Auspufflösungen der Teams beobachten und gegebenenfalls beanstanden, damit zum Saisonstart keine zweideutigen Richtlinien über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Fotoquelle: xpb.cc

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