Ferrari und Fernando Alonso wissen, dass die Zeit langsam knapp wird

Formel 1 2012

— 22.02.2012

Alonso gibt zu: "Wir sollten schon weiter sein"

Während andere Rennen simulieren, versucht Ferrari weiterhin, sein Auto zu verstehen - Fernando Alonso gibt Probleme zu, übt sich aber in Zweckoptimismus

Bei Ferrari kämpft man auch nach der ersten Hälfte des Testwinters damit, den neuen F2012 zu verstehen. Der Bolide gibt den Technikern weiterhin Rätsel auf - das verriet die grüne Farbe, die heute Morgen einmal mehr auf dem Heckflügel auftauchte. So wollen die Ingenieure den Luftstrom und damit die Aerodynamik besser nachvollziehen können.

Der Tag stand für Ferrari im Zeichen des Einholens weiterer Daten und der Entwicklung. Dabei konzentrierten sich die Roten aus Maranello auf den Auspuff. Man probierte unterschiedliche Auspuff-Varianten aus - eine sehr zeitintensive Arbeit. Eine Änderung am Auto zwang das Team auch zu Mittag zu einer längeren Pause - Fernando Alonso musste zwischen 13 und 15 Uhr zwei Stunden an der Box warten, erst gegen 15:40 Uhr verzeichnete er wieder eine nennenswerte Rundenzeit.

Seine persönliche Bestzeit fuhr der Lokalmatador auf seinem letzten Run: Es handelte sich um eine Zeit von 1:23,180 Minuten, die für den vierten Rang ausreichte. Dabei hatte er allerdings Supersoft-Reifen aufgezogen und kam wenig später wieder an die Box, was auf eine geringe Spritmenge hindeutete. Dennoch war Bestzeit-Halter Nico Hülkenberg im Force India um 0,572 Sekunden schneller als Alonso. Auch Sergio Perez im Sauber und Sebastian Vettel im Red Bull drängten sich noch vor den Ferrari-Star.

Ferrari testet jeden Tag 50 Komponenten

Im Gegensatz zu Red Bull und McLaren simulierte Ferrari bisher auch noch keinen kompletten Grand Prix - die längsten Runs, die Alonso heute zurücklegte, dauerten ungefähr zehn Runden. Dass Ferrari die Zeit davonläuft, ist inzwischen offenkundig. Im Fahrerlager machten sogar Gerüchte die Runde, wonach der Spanier sogar sein Team überreden wollte, ihn an den kommenden zwei Testtagen statt Felipe Massa einzusetzen - würde der F2012 einwandfrei funktionieren, würde der Ex-Weltmeister davon mit Sicherheit absehen.

Alonso absolvierte insgesamt 87 Runden - das Team konnte alle Schlüsselpunkte des für heute geplanten Programms abschließen. Dennoch zeigt sich der Ferrari-Star nach dem Testtag mit ernster Miene den Journalisten. "Durch die Arbeit, die wir an den vergangenen zwei Tagen durchgeführt haben, verstehen wir das Auto jetzt ein bisschen besser", sagt er, deutet aber an, dass der Ferrari nach wie vor nicht das macht, was man von ihm erwartet.

"Wir wissen, welche Komponenten gut funktionieren und welche nicht funktionieren. Wir testen jeden Tag 50 Komponenten und am Ende entscheiden wir dann, welche Teile funktionieren und welche wir in den Topf für den nächsten Tag geben", erklärt Alonso die Herangehensweise. "Wir müssen an den kommenden zwei Tagen diese Arbeit mit Felipe fortsetzen. Beim letzten Test in Barcelona werden dann die finalen Vorbereitungen für Melbourne stattfinden. Dann werden wir viel besser vorbereitet sein als in Barcelona beim ersten Test."

Tappt Ferrari im Dunkeln?

Während andere Teams bereits Rennen simulieren, versucht Ferrari nach wie vor, die Aerodynamik des Boliden aus der Feder von Pat Fry zu verstehen. "Es ist wahr, dass wir nach wie vor Informationen über das Auto einholen - Informationen, die wir vielleicht schon in der Tasche haben sollten", gibt er zu. "Das Auto scheint recht komplex zu sein und wir müssen das Verhalten besser verstehen."

Doch Alonso übt sich in Zweckoptimismus und verweist auf den Testwinter 2011: "Im Vorjahr absolvierten wir beim ersten Test eine Renndistanz. Und in Australien waren wir dann eineinhalb Sekunden hinter Red Bull. Renndistanzen sind dieser Tage immer willkommen, aber ich bevorzuge ein leistungsfähiges Auto, bei dem wir noch die Fahrbarkeit verbessern müssen, um ein starkes Auto zu haben, gegenüber einem langsamen Auto."

Alonso gibt Probleme am Kurvenausgang zu

Ob der Ferrari F2012 aber wirklich ein schnelles Auto ist, gilt derzeit keineswegs als fix. Vor allem in den langsamen Ecken erwies sich der Bolide als äußerst unruhig - die Traktion scheint noch nicht optimal. "Der Kurvenausgang ist ein Bereich, in dem wir unser verbessern müssen", sagt Alonso.

Die Beobachtung, dass die Autos der Konkurrenz stabiler liegen, will der Asturier aber nicht gelten lassen: "Ich weiß nicht, was die anderen machen. Wenn man im Auto sitzt, geht man immer davon aus, dass die anderen das gleiche Problem haben. Das von außen zu bewerten, ist immer schwierig. Manchmal verwendet man einen alten Reifensatz, muss eine konstante Geschwindigkeit fahren und ist in gewissen Kurven wirklich langsam, während ein anderer einen frischen Reifensatz und wenig Sprit verwendet - dann sieht es von außen so aus, als würde er fliegen."

Dennoch gibt er zu: "Als Fahrer wünscht man sich immer mehr Grip." Offenbar muss Ferrari wie in den vergangenen Jahren bei der Aerodynamik aufholen. Dies wollte Fry ursprünglich durch eine Zugstreben-Radaufhängung an der Vorderachse erreichen - als einziger Technikchef. "Die Lenkung fühlte sich hier und in Jerez etwas anders an, also mussten wir die Servolenkung etwas anpassen, um ein ähnliches Gefühl wie früher zu haben", erklärt Alonso, dass man etwas nachbessern musste. "Das war aber der einzige Unterschied."

Fotoquelle: xpb.cc

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