Mark Webber fuhr erstmals mit einem neuen Auspuffsystem auf die Teststrecke

Formel 1 2012

— 03.03.2012

Samstag in Barcelona: Red Bull im Fokus

Red Bull schickt einen umfassend veränderten RB8 auf die Bahn: Solide Testarbeit - Sauber stark: Sergio Perez fährt Bestzeit - Sorgen bei Lotus, McLaren und Ferrari

Am Freitag sorgte dichter Nebel für Verzögerungen im Testbetrieb, am Samstag hatten die Formel-1-Teams in Barcelona klare Sicht. Sofort zum sonnigen Auftakt der Testarbeit um 9:00 Uhr richteten sich alle Augen auf die Red-Bull-Garage. Das Weltmeisterteam rollte mit einem grundlegend veränderten RB8 auf die Strecke. Das Auto, das schon in den Tagen zuvor in seiner Grundversion einen starken Eindruck hinterlassen hatte, präsentierte sich umfassend renoviert.

Neben neuen Flügeln fielen prompt die Veränderungen am Heck ins Auge. Red Bull präsentierte einen neuen Auspuff. Die Endrohre erblicken nun weit vorne das Licht der Formel-1-Welt, die Abgase werden über Kanäle recht weit nach außen geleitet. In ersten Analysen sind sich mehrere Technikfachleute einig: Adrian Newey will den Luftstrom um die Seitenkästen herum nutzen, um die schnellen Abgase in Richtung Diffusor leiten zu können. Das System ähnelt beim ersten Blick jenem von Sauber.

Es waren auch die Schweizer, die dem Testtag mit einer Bestzeit von Sergio Perez (1:22.094 Minuten) den Stempel aufdrückten. Der Mexikaner spulte ein umfangreiches Programm inklusive Simulation eines Rennwochenendes ab. Allerdings konnte Perez sein imaginäres Rennen nicht ganz zu Ende fahren, denn kurz nach dem Beginn seines vierten Stints um 15:34 Uhr setzte in Barcelona Regen ein. Bis dorthin hatte Sauber beeindruckt. Der C31 konnte konstant schnelle Rundenzeiten realisieren.

McLaren fährt wenig, aber schnell

Perez, der seine Qualifyingsimulation samt Bestzeit am Morgen absolviert hatte, musste am Nachmittag kurz um die erste Position bangen. McLaren-Pilot Jenson Button hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten die superweichen Pneus aufziehen lassen und eine Qualifikation simuliert. In seinem dritten Versuch - also der Q3-Simulation - fuhr der Brite eine Zeit von 1:22.103 Minuten und lag somit nur einen Hauch hinter Perez zurück.

Zuvor war es um das britische Team erschreckend ruhig gewesen. Button unternahm am Morgen zaghafte Versuche, kehrte aber immer schnell wieder an die Box zurück. Es gab technische Probleme. Wie sich um 11:00 Uhr herausstellte, hatte der McLaren-Mercedes MP4-27 einen Hydraulikschaden erlitten. Nach über drei Stunden Reparaturzeit konnte der Weltmeister von 2009 wieder fahren, aber im Anschluss nur noch wenige aussagekräftige Runden drehen, weil anschließend der Regen einsetzte.

McLaren litt unter dem Wetterumschwung (phasenweise hagelte es sogar in einigen Kurven), denn man wollte am Samstag zunächst einige technische Neuerungen an der Fahrzeugfront ausprobieren. Vor allem die Luftführung unter der hübschen MP4-27-Nase wurde verändert. Am morgigen Sonntag soll Lewis Hamilton noch viele weitere Neuentwicklungen erstmals ausführen. Allerdings ist man durch Wetter und Defekt im Testplan deutlich zurück.

Und die anderen Topteams? Red Bull spulte ein völlig unaufgeregtes Testprogramm mit dem veränderten RB8 ab. Mark Webber absolvierte insgesamt 70 Runden ohne erkennbare technische Probleme. Am Ende des Tages rangierte der Australier mit seiner persönlichen Bestzeit von 1:22.662 Minuten auf Rang acht. Allerdings hatte Webber nicht ansatzweise im Qualifyingtrimm getestet. Die Konkurrenz ist gewarnt: Sogar mit härteren Reifen und ordentlich Benzin an Bord hatte der RB8 nur sechs Zehntelsekunden Rückstand auf die Bestzeitjäger von Sauber, McLaren und Co.

Ferrari verbietet Fahrern den Mund

Diese Tatsache wird man auch bei Ferrari zur Kenntnis genommen haben. Die Roten bleiben das Sorgenkind aus Reihen der Topteams. Nachdem es am Freitag Gerüchte um einen Rausschmiss von Felipe Massa gegeben hatte, verbot man beiden Piloten für den Rest der Testarbeit Redeverbot. Massa und sein Teamkollege Fernando Alonso werden geplante Interviews mit den Medien am Samstag und Sonntag nicht durchführen, hieß es vom Team.

Während Massa (4./1:22.413 Minuten) sich nach seinem Qualifyingrun auf superweichen Reifen nur kurz an der Spitze des Klassements präsentieren konnte, tauschten Sebastian Vettel und Fernando Alonso ihre Erkenntnisse von den Tests bei einem Treffen in der Boxengasse aus. Der Spanier sah bei dieser Konversation nicht gerade glücklich aus. Das hat Gründe. Massas Longruns am Nachmittag waren nur wenig beeindruckend.

Der Ferrari F2012 zeigte in der ersten Phase einer Rennsimulation kaum schnelle Zeiten. Erneut waren die Leistungen sehr schwankend. Wie viele Beobachter vermuten, verhält sich der Wagen wie ein ungezähmtes Pferd. Auf wenige schnelle Runden folgen immer wieder deutliche Ausreißer nach unten. Angeblich soll die Hinterachse kaum Halt bieten und der Wagen bezüglich des Setups schwierig einzuschätzen sein. Die Roten haben vor dem Saisonauftakt noch viel Arbeit vor sich.

Deutlich besser sieht es in manchem Mittelfeld-Lager aus. Daniel Ricciardo (3./1:22.155) war auf superweichen Pneus schnell unterwegs und konnte den Toro Rosso STR7 auch auf Longruns auf gutem Niveau bewegen. Force-India-Pilot Paul die Resta (5./1:22.446) spulte eine beeindruckende Rennsimulation ab. Der Schotte fuhr ungefähr auf dem Level von Sauber, war somit schneller als Ferrari. Di Resta war der einzige Pilot, der seinen Renntest vor dem einsetzenden Regen komplettieren konnte.

Mercedes und Red Bull in aller Ruhe

Wenig Aufregung gab es im Lager von Mercedes. Nico Rosberg (9./1:22.932) verzichtete ebenso wie die Konkurrenz von Red Bull auf eine Qualifyingshow. Das deutsche Werksteam absolvierte umfangreiche Tests mit einigen neuen Entwicklungen am Auto, am morgigen Sonntag soll Michael Schumacher weitere Neuteile ausprobieren, die für den anstehenden Saisonauftakt in Melbourne mehr Erfolg versprechen sollen. "Zumindest Teile unseres Melbourne-Updates werden wir ausprobieren", verriet Norbert Haug im Gespräch mit 'auto-motor-und-sport.de'.

Viele Fragezeichen bleiben derzeit noch bei Williams. Bruno Senna (5./1:22.480) war bei seiner schnellen Runde auf superweichen Reifen zwar recht gut unterwegs, aber im Longrunbetrieb nur bedingt überzeugend. Gegen Ende des Testtages rutschte der Brasilianer von der Bahn. Der FW34 musste per LKW zurück zur Box gebracht werden. Die Ursache für den Ausritt ist bislang nicht bekannt. Senna war einer jener Piloten, die immerhin im Regen noch einige Runden absolvierten.

Während Heikki Kovalainen (7./1:22.630) mit seinem Caterham immer mal wieder mittellange Runs absolvierte und dabei offenbar auf Setupsuche war, stand sein Landsmann Kini Räikkönen viel zu lange an der Box. Der Ex-Weltmeister erwischte keinen guten Tag. Räikkönen stellte am Morgen schnell fest, dass ihm die veränderte Lenkung am Lotus überhaupt nicht gefällt. Das Auto sei kaum zu spüren, so der erfahrene Finne.

Lotus baute die Lenkung daraufhin wieder auf den Stand der Jerez-Tests zurück. Räikkönen konnte anschließend immerhin noch gut 40 Runden absolvieren, blieb aber in 1:25.379 Minuten weit hinter dem Rest des Feldes zurück. Nach der Bestzeit seines Teamkollegen Romain Grosjean am Freitag gab der Samstag aus Sicht des früheren Renault-Teams viele Rätsel auf. Das für Sonntag geplante Testdebüt des neuen HRT wurde abgesagt, sodass am vierten Tag in Barcelona erneut nur zehn Autos testen werden.

Fotoquelle: xpb.cc

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