Die Qualifikation war 2011 Michael Schumachers Problemzone

Formel 1 2012

— 11.03.2012

Brawn: Die Reifen sind Schumachers Problem

Laut Ross Brawn ist Michael Schumacher nach wie vor nicht in der Lage, in einer schnellen Runde das Maximum aus den Reifen herauszuholen

Das Teamduell Michael Schumacher vs. Nico Rosberg geht bei Mercedes in dieser Saison in die dritte Runde. Die Frage die Fans und Experten beschäftigt: Wird es dem siebenmaligen Weltmeister 2012 gelingen, auf Augenhöhe mit seinem Teamkollegen zu fahren? In den Rennen war dies Schumacher in der vergangenen Saison bereits mehrfach gelungen, doch in der Qualifikation sah die Bilanz bisher recht eindeutig aus. 2011 erzielte Rosberg bei 16 von 19 Qualifyings ein besseres Ergebnis als der siebenmalige Weltmeister .

Ross Brawn ist sich nicht sicher, ob Schumacher diesen Trend in der Zukunft umkehren kann. Zum einen, weil Rosberg laut Aussage des Teamchefs in der Qualifikation über herausragende Fähigkeiten verfüge. Schon vor kurzem hatte Brawn erklärt, dass Rosberg auf einer schnellen Runde näher an die Grenzen des Autos herankomme, nun erklärt er auch gegenüber 'The Guardian': "Nico ist auf diesem Gebiet einfach außergewöhnlich, vielleicht einer der besten, die ich je gesehen habe."

Zum anderen sei der 26-Jährige in der Lage, das Potenzial der Reifen für eine Runde voll auszuschöpfen. Brawn erklärt, dass Schumacher in diesem Bereich nach wie vor Probleme habe: "Michael hat bislang noch nicht verstanden, wie er das hinbekommt." Der Brite verweist drauf, dass die heutigen Reifen in keiner Weise mit denen zu vergleichen seien, die Schumacher in seinen letzten Jahren bei Ferrari gefahren sei: "Damals gab es noch die Rillenreifen, und der Reifenkrieg zwischen Bridgestone und Michelin befand sich auf dem Höhepunkt."

Reifen machen den Unterscheid

"Wir waren der Hauptkunde von Bridgestone, und Michael war stark in die Entwicklung der Reifen eingebunden, daher kamen sie seinem Fahrstil sehr entgegen", erinnert sich Brawn, der auch seinerzeit bei den Italienern mit Schumacher zusammengearbeitet hatte. Jetzt gibt es hingegen nur einen Reifen, die Fahrer müssen ihren Fahrstil an die Reifen anpassen und nicht umgekehrt. "Die heutigen Reifen passen zu einigen Fahrern besser als zu anderen", ist Brawn überzeugt.

Durch die geltenden Testeinschränkungen sei Schumacher nicht in der Lage, diesen speziellen Bereich ausreichend zu trainieren: "Die Tests sowie die Anzahl der Reifen sind limitiert. Wir können also nicht zehn Sätze nehmen, mit denen wir ihn jeweils für eine Runde rausschicken, damit er lernt, die letzten Zehntelsekunden aus dem Reifen herauszuquetschen."

Abgesehen von der Schwäche in der Qualifikation sei Schumacher aber schon wieder ganz der Alte. Die Meinung, dass der 43-Jährige nicht mehr den gleichen Speed wie während seiner ersten Formel-1-Karriere habe, will Brawn nicht teilen: "Wenn Michael in den schnellen Kurven nicht voll auf den Gas bleiben würde, könnte man das so sehen und sagen, dass er kein Vertrauen in sich und das Auto hat. Aber das ist nicht der Fall. Vor allem in den schnellen Kurven ist er oftmals schneller als Nico."

Rosberg wie Button?

Während Schumacher also auf der Suche nach dem maximalen Speed in der Qualifikation ist, fährt Rosberg seit nunmehr 108 Rennen seinem ersten Grand-Prix-Sieg hinterher. Sein Teamchef ist davon überzeugt, dass nach dem ersten Triumph bei Rosberg der Knoten platzen wird: "Wenn er ein Rennen gewinnt, werden wir einen Sprung in seinem Leistungsvermögen erleben", ist sich der Teamchef sicher.

Brawn verweist dabei auf die Entwicklung Jenson Buttons im Jahr 2009: "Nachdem er Rennen gewinnen konnte, weil er der schnellste Fahrer im schnellsten Auto war, hat er sich verändert. Er wurde konstanter und zu dem Fahrer, der er heute ist. Ich glaube, wir werden eine ähnliche Entwicklung bei Nico erleben."

Doch nicht nur beide Fahrer, sondern auch das Team als Ganzes, läuft derzeit den gewünschten Erfolgen hinterher. Bisher war das Mercedes-Werksteam noch nicht in der Lage, die Tradition der erfolgreichen Silberpfeile aus den 1930er- und 1950er-Jahren fortzusetzen. Brawn ist sich dieses historischen Erbes bewusst: "Mercedes ist eine legendäre Marke. Wenn sie durch unser Projekt beschädigt würde, wäre das für den Vorstand nur wenig attraktiv. Sollten wir über einen längeren Zeitraum keine Leistung bringen, müssten wir die Konsequenzen akzeptieren."

Brawn ist jedoch überzeugt, dass Mercedes das nötige Stehvermögen habe und verweist auf die lange Zusammenarbeit der Schwaben mit McLaren, die auch nicht in jeder Saison von Erfolg gekrönt gewesen sei. "Sie haben die Hochs und Tiefs akzeptiert und sind nicht geschwankt, wenn die Lage schwierig war. Sie betreiben den Sport mit Leidenschaft. Das gibt mir Vertrauen", so der Teamchef.

Fotoquelle: xpb.cc

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