Niki Lauda weiß, dass die Italiener zu Übertreibung neigen

Formel 1 2012

— 13.03.2012

Lauda: "Ferrari nicht so schlecht, wie er gemacht wird"

Niki Lauda im Interview: Wie er das Kräfteverhältnis einschätzt, warum der Mercedes-Weg ein Risiko ist und warum die Ferrari-Krise übertrieben ist

Der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda ist seit Ende seiner Laufbahn 1984 intensiver Beobachter der Formel 1. Zunächst war er als Ferrari-Berater aktiv, später war er Jaguar-Teamchef und seit Mitte der 1990er-Jahre agiert er als TV-Experte. Im Interview spricht der Österreicher über seine Prognose für den Saisonauftakt in Melbourne, die hässlichen Höckernasen und die Ferrari-Krise. Zudem sieht er Mercedes als Geheimtipp für die Saison.

Frage: "Niki, vieles deutet unmittelbar vor dem Saisonstart darauf hin, dass es 2012 an der Spitze sehr viel enger zugehen wird als noch vor einem Jahr. Ist der Vorsprung von Red Bull zu den anderen Teams tatsächlich geringer geworden?"
Niki Lauda: "Wahrscheinlich ist der Vorsprung geschrumpft. Red Bull und Sebastian Vettel sind aber Favorit, weil sie zwei Jahre hintereinander die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Sie haben alles dominiert und sind das Maß aller Dinge."

"Ich glaube, dass es McLaren am besten gelungen ist aufzuschließen. Die werden sowohl im Qualifying als auch im Rennen sehr schnell sein. Ich glaube, die Autos von McLaren und Red Bull liegen gleichauf. Man muss aber die ersten Rennen abwarten, um sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Mercedes ist das große Fragezeichen. Ich denke, dass die auch richtig schnell sind."

Frage: "Ein Fragezeichen ist sicherlich auch der Nutzen der neuen Nasen an den Boliden?"
Lauda: "Diese scheußlichen Stufennasen, die alle Autos außer McLaren haben, sind wirklich nicht schön anzuschauen. Aber Mercedes hat mich positiv mit einem F-Schacht überrascht. Sie haben das Konzept weiterentwickelt und auch vom Design einen neuen Weg gewählt. Ich glaube, dass das Auto sehr schnell sein wird."

"Sie haben ein Konzept, bei dem die Nase tiefer ist, als sie sein muss. Das ist sicher ein Risiko. Wenn der Weg aber aufgeht, können sie im wahrsten Sinne des Wortes die Nase vorne haben."

Frage: "Wie schätzen Sie die Chancen von Michael Schumacher im teaminternen Duell gegen Nico Rosberg ein?"
Lauda: "Ich hoffe für Michael, dass er ein Auto hat, das stabil und schnell ist. Nur so können wir beurteilen, wie stark er wirklich ist. In der Vergangenheit war Michael durch das Auto schon gehandicapt zu zeigen, was er leisten kann. Nico hat im Qualifying immer überrascht und war dort meistens schneller als der Michael."

"Gegen Ende der letzten Saison war Michael im Rennen mit seiner Aggressivität und seinem Rennspeed dem Nico zum Teil überlegen. Wir haben hier eine Paarung, bei der der eine im Qualifying etwas schneller ist und der andere im Rennen eine unglaubliche Performance hinlegt. Jetzt müssen wir abwarten, wie das mit dem neuen Auto aussieht. Ich wage da noch keine Prognose."

Frage: "Welches Team hat für Sie die stärkste Fahrerbesetzung?"
Lauda: "Ich finde die Besetzung bei McLaren am stärksten. Jenson Button wurde im letzten Jahr immer schneller und hat sich super weiterentwickelt. Lewis und Jenson ergänzen sich beide sehr gut und treiben die Entwicklung bei McLaren sehr gut voran."

Frage: "Hamilton gibt sich geläutert und will sich 2012 ohne Nebengeräusche nur noch auf die Formel 1 konzentrieren. Was trauen Sie dem Briten da zu?"
Lauda: "Hamilton ist einer der talentiertesten Fahrer, die wir in der Formel 1 haben. Er hat sich durch seine privaten Probleme im letzten Jahr selbst behindert. Wenn er jetzt wieder mit sich selbst im Reinen ist und den Anschluss findet, dann muss man mit diesem Burschen auf jeden Fall rechnen."

Frage: "Bei Ferrari ist aufgrund der schlechten Testergebnisse mächtig Druck im Kessel. Was ist da los in Maranello?"
Lauda: "Die Italiener übertreiben immer. Bei denen ist immer alles super oder alles ganz negativ. Ich glaube nicht, dass der Ferrari so schlecht ist wie er gemacht wird. Richtig beurteilen können wir erst beim zweiten Rennen in Kuala Lumpur, wie schnell die Autos sind. Ich glaube aber schon, dass der McLaren und der Red Bull ähnlich stark sind und der Mercedes dahinter folgt. Dann kommt Ferrari. Das kann sich aber sehr schnell ändern."

Frage: "Es hat diverse Änderungen im Reglement gegeben, wie immer ist viel am Innenleben und Design der Boliden getüftelt worden. Dennoch herrscht derzeit auffällige Ruhe unter den Teams. Wann rechnen Sie mit den ersten Spionagevorwürfen, Protesten oder ähnlichem Ungemach?"
Lauda: "Dem Frieden darf man in der Formel 1 nie trauen. Jedes Team versucht das Reglement bis zum Ende auszureizen, das ist auch absolut legitim."

"Mal schauen, ob die FIA irgendwo eingreifen muss. Im Moment schaut es nicht so aus, weil sich bis jetzt alle an die Regeln gehalten haben. Frieden und Ruhe wird in der Formel 1 hoffentlich nie einkehren. Davon lebt die Formel 1. Wenn es gegenseitige Vorwürfe geben sollte, dann wahrscheinlich im aerodynamischen Bereich. Dazu muss man aber die ersten Rennen abwarten."

Frage: "Sie sind seit 1995 für 'RTL' als TV-Experte bei den Rennen und haben gerade für vier weitere Jahre verlängert. Was treibt Sie da besonders an?"
Lauda: "Ich wurde gefragt, ob ich es machen möchte und ich hatte nichts dagegen. Das war eine Entscheidung, die 'RTL' und ich getroffen haben. Wir sind beide zufrieden miteinander. Ich mache nur Dinge, bei denen ich davon überzeugt bin, dass sie mir Spaß machen."

Fotoquelle: Aabar

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