Der Mercedes-Heckflügel stand beim heutigen Scrutineering im Mittelpunkt

Formel 1 2012

— 15.03.2012

Mercedes-F-Schacht legal: Ziehen nun alle nach?

Die Rennkommissare in Melbourne haben den Mercedes-F-Schacht abgenommen, weshalb nun möglicherweise alle anderen Teams nachrüsten müssen

Die Technische Abnahme vor jedem Grand Prix ist normalerweise eine reine Routineangelegenheit, doch beim Saisonauftakt stellt das sogenannte Scrutineering für die FIA-Rennkommissare die erste Gelegenheit dar, die Autos genau unter die Lupe zu nehmen. Das galt heute in Melbourne insbesondere für das F-Schacht-System des Mercedes-Teams, über das während des Testwinters viel spekuliert wurde.

War zuerst noch von einem sogenannten W-Schacht die Rede, der über ein komplexes Kanalsystem am Frontflügel für einen Strömungsabriss und damit weniger Luftwiderstand sorgen soll, so hieß es zuletzt, dass es Ross Brawns Designern wieder gelungen sein soll, einen F-Schacht für den Heckflügel zu entwickeln. Allerdings sind Systeme, die aktiv (also etwa durch eine Handbewegung des Fahrers) betätigt werden, seit Ende 2010 verboten.

Whiting sieht kein Problem

Nur: Mercedes hat anscheinend einen Weg gefunden, den Effekt des Strömungsabrisses an die Aktivierung des verstellbaren Heckflügels (DRS) zu koppeln. "Es ist komplett passiv", versichert der Technische Delegierte der FIA, Charlie Whiting, auf Anfrage von 'Autosport'. "Es gibt keine bewegten Teile, es interagiert nicht mit der Radaufhängung, keine Lenkung, nichts. Daher sehe ich keine Regel, die so etwas verbieten würde."

Die FIA hat zwar aus Sicherheitsgründen aktive F-Schacht-Systeme verboten, weil die Fahrer einiger Teams 2010 eine Hand vom Lenkrad nehmen mussten, um auf Geraden den gewünschten Strömungsabriss herbeizuführen. Zu keinem Zeitpunkt verboten waren aber passive Systeme, die sich quasi von selbst aktivieren, ohne dass sich der Fahrer dafür bewegen muss. Mercedes experimentiert in diesem Bereich schon lange herum.

Einige Teams hätten die Mercedes-Lösung gemeldet, "weil sie dachten, dass F-Schächte verboten sind. F-Schächte sind aber nicht verboten", stellt Whiting klar. Das ist auch für Ross Brawn offensichtlich: "Was ist ein F-Schacht überhaupt? Die Leute reden vom F-Schacht, wissen aber gar nicht, was das ist. Und auch wenn man die FIA fragt, weiß sie es nicht. Daher sind wir nicht besorgt über das, was wir machen", unterstreicht der Mercedes-Teamchef.

"Wir haben ein System, glauben aber nicht, dass es anfechtbar ist", fährt er fort. "Alle versuchen ständig, die Grenzen zu verschieben. Wir werden in den nächsten Monaten sehen, wie sich das entwickelt, aber wenn die Teams finden, dass wir da eine attraktive Idee hatten, dann werden sie es sicher kopieren. Bis jetzt sehen wir es aber noch an keinem anderen Auto. Vielleicht glauben die anderen, dass es nicht genug bringt."

Wie lange hält der Mercedes-Vorteil?

Die Funktionsweise erklären will Brawn verständlicherweise nicht, allerdings liegt der Verdacht nahe, dass sich bestimmte Luftkanäle nur dann öffnen, wenn DRS aktiv ist. Das könnte dann zu einem Strömungsabriss und zu einer höheren Höchstgeschwindigkeit führen. Mercedes scheint also ein innovatives Schlupfloch gefunden zu haben, das zumindest nach jetzigem Stand der Dinge legal ist, weil eben nur aktive Systeme als verboten gelten.

Ende 2010 versuchten einige Teams zunächst, den F-Schacht-Effekt an die Radaufhängung zu koppeln, doch das wurde von der FIA unterbunden. "Weil wir der Meinung waren, dass das nicht der Zweck des Radaufhängungs-Systems ist", argumentiert Whiting. Dann habe es ein Treffen der Technischen Arbeitsgruppe gegeben: "Das haben einige Teams mit dem Eindruck verlassen, der F-Schacht sei verboten - was auch immer ein F-Schacht sein mag. Das ist aber nicht der Fall."

Sollte das Mercedes-System tatsächlich funktionieren und ein paar km/h mehr Topspeed bringen, hätten Nico Rosberg und Michael Schumacher wohl zumindest bei den ersten beiden Saisonrennen einen Wettbewerbsvorteil. Denn in den vier Tagen zwischen dem Rennen in Melbourne und dem Trainingsauftakt in Sepang ist es für die Konkurrenz praktisch unmöglich, selbst eine funktionierende Kopie des Systems zu entwickeln.

Aber: "Ich denke, es war Absicht der Regel, die Verwendung von F-Schächten zu eliminieren", befindet Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Wenn ein Team einen Weg drumherum gefunden hat, dann werden die anderen folgen müssen - und das kostet natürlich. Die Frage der Legalität sollte man besser der FIA stellen und nicht uns. Wir sind uns auch nicht voll im Klaren darüber, was die anderen Teams im Moment machen."

Fotoquelle: xpb.cc

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