Michael Schumacher fuhr unter den schwierigen Bedingungen zur Bestzeit

Formel 1 2012

— 16.03.2012

Schumacher kommt nicht an McLaren-Zeiten heran

Michael Schumacher erzielt bei abtrocknenden Bedingungen Bestzeit im zweiten Training, im Gesamtklassement bleibt aber McLaren an der Spitze

Mit einem aus deutscher Sicht erfreulichen Ergebnis endete das zweite Freie Training zum Grand Prix von Australien in Melbourne . Denn Mercedes-Pilot Michael Schumacher erzielte am Nachmittag Bestzeit vor seinem Landsmann Nico Hülkenberg (Force India) und unterstrich damit die ansteigende Form der Silberpfeile.

Allerdings war der 5,303 Kilometer lange Kurs im Albert Park nach einem intensiven Regenschauer noch nasser als am Vormittag, sodass die Bedingungen nicht wirklich aussagekräftig waren. Schumachers bester Versuch wurde in 1:29.183 Minuten gestoppt, womit er gut eineinhalb Sekunden hinter Jenson Buttons Tagesbestzeit (1:27.560 Minuten) zurückblieb. Denn an die Zeiten der ersten Session kam das Feld am Nachmittag nicht mehr heran.

Bestzeit mit den harten Medium-Pirellis

Schumacher nahm Hülkenberg, der bei abtrocknenden Bedingungen am Ende lange Zeit in Führung lag, dann aber früher an die Boxengasse abbog, 0,109 Sekunden ab. Allerdings sind sich alle Experten im Klaren darüber, dass man heute nicht schlauer geworden ist, was das wahre Kräfteverhältnis angeht: "Ich weiß nicht, ob das die richtige Reihenfolge ist", meint etwa Marc Surer. "Was für Schumacher spricht: Er hat die Zeit auf den härteren Reifen gefahren. Das ist ein gutes Zeichen."

"Wir sind viel besser in Form als vor zwölf Monaten", analysiert auch Teamchef Ross Brawn. Aber ob Mercedes schon podiumsfähig ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben: "Es sieht danach aus, dass Michael das Auto dazu hat. Das hat in der Vergangenheit gefehlt", glaubt Surer grundsätzlich an einen gegenüber 2011 verbesserten Silberpfeil. "Der Mercedes ist besser geworden, ist aufgerückt zu den Topteams. Im Moment sind sie sicherlich Nummer drei."

Und zwar hinter McLaren und Red Bull. Denn das Tagesklassement wird nicht von Schumacher, sondern von Button und Lewis Hamilton angeführt, die auffällig wenig trainierten und am Nachmittag die Positionen 15 und 16 belegten. "Das McLaren-Paket ist vielleicht im besten Zustand", analysiert Ex-Formel-1-Ingenieur Gary Anderson. "Das Handling ist gut. Wir haben eine ordentliche Traktion und die Fahrer fühlen sich wohl", strahlt Teamchef Martin Whitmarsh.

Hülkenberg relativiert bisherige Zeiten

Hülkenberg will seinem starken Abschneiden indes keine allzu große Bedeutung beimessen: "Aus den Zeiten kann man nicht allzu viel herauslesen", relativiert er. "Natürlich sind viele Leute auf der weichen oder auf der härteren Mischung unterwegs, mache fahren mit mehr Sprit. Ich fuhr einige Runden lang hinter Sebastian und er verwendete nicht einmal DRS. Daher glaube ich nicht, dass man viel hineininterpretieren sollte."

Der Ferrari scheint hingegen "ein bisschen instabil" zu sein, meint Anderson: "Er untersteuert in der Kurvenmitte und schlägt dann in Übersteuern um." Fernando Alonso sicherte sich dennoch in beiden Sessions den vierten Platz, diesmal mit 1,158 Sekunden Rückstand. Felipe Massa blieb nach seinem Fauxpas am Vormittag fehlerfrei, war aber auch um mehr als eine Sekunde langsamer als sein spanischer Teamkollege - Platz sieben.

Schnellster Mann mit Ferrari-Motor war damit Sauber-Pilot Sergio Perez (3./+1,016), in der Tageswertung 15. Generell brillierte Sauber im Winter und auch heute mit starken Einzelzeiten. "Entweder ist der Sauber leicht oder sehr gut", wundert sich Experte Alexander Wurz und ergänzt: "Ich habe dazu meine persönliche Meinung..." Aber nicht vergessen: Schon im Vorjahr waren die Schweizer in Melbourne konkurrenzfähig.

Schrecksekunde für Kobayashi

Perez' Stallgefährte Kamui Kobayashi (11. der Gesamt- und 5. der Nachmittags-Wertung) sorgte indes für eine spektakuläre Einlage, als er seinen C31 praktisch mit Ablauf der 90 Minuten in der Zielkurve außer Kontrolle verlor, aber gerade noch abfangen konnte. Auch davor war der Japaner schon einmal neben der Strecke, doch damit befand sich Kobayashi auf nasser Strecke und bei rutschigen Verhältnissen in bester Gesellschaft.

Auf den Positionen sechs bis acht landeten am Nachmittag Paul di Resta (Force India/+2,283), Massa und Heikki Kovalainen (+2,749). Dass ein Caterham zwischenzeitlich sogar Dritter sein und letztendlich immerhin Achter werden kann, darf als Indiz dafür gewertet werden, dass die Topteams ihre Karten noch lange nicht aufgedeckt haben. Insofern muss man sich wohl auch um Sebastian Vettel noch keine Sorgen machen.

Der Weltmeister belegte im zweiten Freien Training mit drei Sekunden Rückstand den zehnten Platz, unmittelbar vor Mark Webber, und landete in der Gesamtwertung gar nur auf Rang zwölf. "Wir dürfen zufrieden sein", meint Vettel dennoch. "Am Morgen lief es nicht gut. Ich fühlte mich nicht wohl, doch am Nachmittag ging es besser. Jetzt geht es darum, das Auto besser kennenzulernen und eine gute Balance zu finden. Das Ziel ist, am Samstag deutlich schneller zu sein."

Glock im Regen mit starker Leistung

Indes überraschte Landsmann Timo Glock, der seinen Marussia trotz komplett ausgelassener Wintertests im Regen sensationell auf Platz zwölf stellte - und auf den gesamten Tag gesehen mit der Nachmittags-Zeit sogar noch den virtuellen 107-Prozent-Cut schaffte. Der wird an diesem Wochenende wohl nur für Marussia und HRT zur Herausforderung, wobei Marussia bei defektfreiem Verlauf auch sicher durch sein sollte.

Solide, aber relativ unauffällig präsentierten sich das Räikkönen-Team Lotus und Toro Rosso. Charles Pic (Marussia) sowie die beiden HRTs wären hingegen nach aktuellem Stand der Dinge nicht startberechtigt. Pedro de la Rosa konnte wegen eines Hydraulikproblems wieder nicht fahren, während Narain Karthikeyan diesmal immerhin 16 Runden schaffte, bis er ausrollte, aber am Ende der zweiten Session immer noch 15 Sekunden Rückstand auf Button hatte.

Für den Rest dieses Wochenendes oder gar den Rest der Saison hat der Verlauf der heutigen Sessions nicht die geringste Bedeutung. Das liegt nicht nur an den verschiedenen Programmen der Teams, die es an jedem Freitag gibt, sondern auch an den wechselhaften Wetterverhältnissen, durch die es heute nicht möglich war, die Limits wirklich auszuloten. Morgen und am Sonntag soll es in Melbourne bekanntlich trocken bleiben.

Fotoquelle: xpbimages.com

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