Ferrari ist mit Bernie Ecclestones neuem Concorde-Angebot offenbar einverstanden

Formel 1 2012

— 20.03.2012

IPO geplant: Einigung über Concorde-Agreement?

Bernie Ecclestone plant den Börsengang und ködert im Zuge dessen Ferrari und Red Bull mit Sonderkonditionen für das neue Concorde-Agreement

Ende des Jahres 2012 läuft das aktuelle Concorde-Agreement aus, das die kommerzielle Struktur des Grand-Prix-Sports festlegt und die Inhaber der kommerziellen Rechte, die Teams und den Automobil-Weltverband FIA zusammenhält. In den vergangenen Monaten war es verhältnismäßig ruhig, was dieses Thema angeht, doch wenig überraschend dürfte es hinter den Kulissen sehr wohl Gespräche gegeben haben.

Offenbar gibt es zwischen Bernie Ecclestone, als Formel-1-Geschäftsführer sozusagen "Chefverhandler" mit dem Mandat der Inhaber der kommerziellen Rechte, und ausgewählten Teams schon eine grundsätzliche Einigung. Auf die konkrete Frage, ob schon etwas unterschrieben sei, antwortet Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali aber: "Nein. Wir führen Gespräche. Die Gespräche gehen in die richtige Richtung, aber mehr gibt es nicht zu sagen."

Sechs Teams bei Ecclestone

Dabei scheint ausgerechnet Ferrari Dreh- und Angelpunkt des neuen Concorde-Agreements zu sein. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' hat Ecclestone Vertreter der Scuderia sowie die Teams Red Bull, McLaren, Mercedes, Lotus und Williams vor zwei Wochen zu einem Treffen eingeladen, um ihnen ein konkretes Angebot zu unterbreiten. Das Angebot an Williams soll seither zurückgezogen und stattdessen Force India vorgelegt worden sein. Hintergrund könnte das schlechte persönliche Verhältnis zwischen Ecclestone und Williams-Vorstandschef Adam Parr sein.

Quellen, die anonym bleiben möchten, behaupteten am vergangenen Wochenende in Melbourne, dass Ferrari und Red Bull einverstanden sind, ebenso wie Lotus und Force India. Bei Mercedes müssen solche Entscheidungen vom Vorstand getroffen werden, während McLaren unzufrieden sein soll - weil Ecclestone Ferrari und Red Bull finanziell entgegengekommen ist, um die beiden derzeit wichtigsten Teams an sich zu binden.

Die Strategie dahinter ist klar: Ohne Ferrari und das derzeitige Weltmeister-Team Red Bull (die übrigens beide Ende 2011 aus der Teamvereinigung FOTA ausgetreten sind) würde jede Drohung der restlichen Teams, sich von der Formel 1 abzuspalten und eine eigene Rennserie zu gründen, unglaubwürdig wirken. Daher sollen McLaren und Co. extrem unglücklich darüber sein, dass Ecclestone Ferrari und Red Bull Sonderkonditionen anbietet.

Ferrari soll Formel-1-Anteile erhalten

Im Falle von Ferrari soll es sich bei diesen Sonderkonditionen um einen Anteil zwischen 1,25 und 2,5 Prozent an der Formel-1-Holding Delta Topco handeln. Für Red Bull ist außerdem eine Doppelweltmeister-Klausel geplant: Jedes Team, das seit 2008 zweimal oder öfter hintereinander die Konstrukteurs-WM gewonnen hat, bekommt eine Sonderzahlung von 35 Millionen US-Dollar (umgerechnet 26,5 Millionen Euro) zugesprochen, berichtet der Wirtschaftsblogger Mark Kleinman von 'Sky News'.

Red-Bull-Teamchef Horner bestreitet, das neue Concorde-Agreement schon unterschrieben zu haben. Aber: "Wir befinden uns in Gesprächen mit der FOM über ein zukünftiges Concorde-Agreement", gibt er zu. "Die Gespräche verlaufen relativ gut. Wir werden sehen." Gut möglich allerdings, dass zwar das Concorde-Agreement selbst noch nicht unterschrieben wurde, einer Art Vorvereinbarung aber sehr wohl bereits zugestimmt wurde.

Prozess für die Ecclestone-Nachfolge

Ferrari und Red Bull würden im Zuge des aktuell auf dem Tisch liegenden Vorschlags auch je ein Mitglied in den Vorstand der Formel-1-Holding entsenden. Das ist insofern von Relevanz, als Kleinman berichtet, dass es für die Benennung des neuen Geschäftsführers (derzeit Ecclestone) künftig einen formell geregelten Prozess geben soll. Unter bestimmten Voraussetzungen können Vorstandsmitglieder dabei ein Veto gegen vorgeschlagene Kandidaten einlegen.

Im Kleinman-Blog (der übrigens unmittelbar nach der Veröffentlichung gelöscht und erst gestern wieder - in gekürzter Form - online gestellt wurde) ist auch von weiteren Bonuszahlungen die Rede. So soll zum Beispiel jedes Team, das einmal Konstrukteurs-Weltmeister war, seither nie aus der Formel 1 ausgestiegen ist und auch den Namen nie geändert hat, zehn Millionen Dollar (umgerechnet 7,6 Millionen Euro) extra erhalten. Das würde derzeit zum Beispiel McLaren und Williams treffen.

Dass das Ecclestone-Angebot überwiegend positiv aufgenommen wird, obwohl unter den Teams weiterhin nur rund 50 Prozent der Einnahmen der Formel 1 aufgeteilt werden sollen, liegt an der neuen Struktur des Concorde-Agreements. Denn demnach würde zum Beispiel Ferraris Prämie als Inhaber der kommerziellen Rechte nicht mehr aus dem Topf der Teams genommen werden. Unterm Strich würden die Rechteinhaber also etwas mehr als bisher ausschütten.

Börsengang in Singapur geplant

Zugrunde liegt die neue kommerzielle Struktur der Formel 1 dem geplanten Gang an die Börse. Das Initial Public Offering (IPO) soll in Singapur stattfinden - nicht ohne Grund: Würde das IPO an einer europäischen oder nordamerikanischen Börse durchgeführt, müsste die Formel 1 als Aktiengesellschaft zahlreiche Geschäftsdaten und Verträge offenlegen. Möglicherweise wäre davon sogar das bisher streng geheim gehaltene Concorde-Agreement betroffen.

Genau diese Geheimhaltung ist übrigens ein Grund dafür, dass die Williams-Aktie in Frankfurt im Entry-Standard-Segment notiert, denn im Entry-Standard müssen nicht alle Unterlagen offengelegt werden. Ähnlich verhält es sich mit den asiatischen Börsen. Ecclestone hatte bekanntlich schon vor Wochen angedeutet, dass die Börse in Singapur seine bevorzugte Wahl wäre, sollte es je zu einem IPO der Formel 1 kommen.

Niedrigere Kosten statt höhere Einnahmen

Ein IPO würde die derzeitige Eigentümerstruktur der Formel-1-Holding Delta Topco verändern. Deren Eigentümer sind momentan die Investmentgesellschaft CVC Capital Partners mit 63,3 Prozent, die aus Lehman Brothers hervorgegangene LBI-Gruppe (15,3), Ecclestones Familienholding Bambino (8,5), Ecclestone selbst (5,3), JP Morgan Whitefriars (3,0), Churchill Capital (0,7) sowie mehrere langjährige Mitarbeiter aus Ecclestones Imperium mit Minderheitsanteilen.

Außerdem soll Ecclestone den Teams versprochen haben, den Kurs zur Kostensenkung weiter voranzutreiben. Bekanntlich gibt es eine Initiative von zehn Teams, das Ressourcen-Restriktions-Abkommen (RRA), das derzeit unverbindlich auf FOTA-Basis gehandhabt wird, verbindlich ins Sportliche Reglement der FIA aufzunehmen. Lediglich die beiden Red-Bull-Teams haben einen entsprechenden Brief an FIA-Präsident Jean Todt nicht unterschrieben.

Apropos FIA: War der Weltverband unter dem ehemaligen Präsidenten Max Mosley noch eine feste Partei beziehungsweise sogar eine treibende Kraft hinter den Concorde-Agreements von 1998 und 2010, so scheinen Ecclestone und die Teams diesmal gemeinsame Sache zu machen. Der FIA soll angeboten werden, das Concorde-Agreement zu unterschreiben, ein Mitspracherecht in den Verhandlungen war bisher aber nicht gegeben.

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.