Bitter: Nach den Turbulenzen seiner Fluglinie verliert Mallyas Team vor Gericht

Formel 1 2012

— 22.03.2012

Bittere Niederlage für Force India in Spionage-Prozess

Ein Londoner Gericht schmetterte Force Indias Klage gegen das heutige Caterham-Team und die Windkanal-Firma Aerolab ab - 850.000 Euro sind fällig

Der langjährige Rechtsstreit zwischen Force India und Aerolab, Caterham und Mike Cascoyne ist beendet - der indische Rennstall konnte nicht beweisen, Opfer einer Spionage-Aktion gewesen zu sein. Richter Arnold entschied, dass dies "nicht annähernd" der Fall gewesen sei.

Zur Erinnerung: Nachdem Teamchef Vijay Mallya Technikchef Mike Gascoyne Ende 2008 vor die Tür gesetzt hatte, dockte dieser ein Jahr später beim Neueinsteiger-Team Lotus (heute Caterham, Anm.) von Tony Fernandes an. Zu dieser Zeit beendete die Windkanal-Firma Aerolab wegen ausbleibender Zahlungen die Zusammenarbeit mit Force India und wechselte ebenfalls zum Fernandes-Rennstall. Als im November 2009 Bilder des ersten Windkanal-Modells des wenig konkurrenzfähigen Lotus T127 auftauchten, ortete Force India die Verwendung geistigen Eigentums und reichte Klage ein.

Klares Urteil gegen Force India

Gleichzeitig klagte Aerolab Force India wegen der nicht getätigten Zahlungen. Das Ergebnis: Das Team von Vijay Mallya muss der Windkanal-Firma nun 850.000 Euro überweisen, im Gegenzug erhält Force India 25.000 Euro als Kompensation für die Verwendung geistigen Eigentums. Dies sei allerdings nur dadurch entstanden, weil Aerolab innerhalb von wenigen Tagen von Force India zum Fernandes-Team gewechselt war.

"Der Missbrauch war hauptsächlich auf opportunistisches Kopieren von CAD-Dateien durch CAD-Designer zurückzuführen, um Zeit zu sparen", erklärte Richter Arnold, dass es sich um kein schwerwiegendes Vergehen durch Aerolab handelte.

Gascoyne, der inzwischen nicht mehr als Technikchef agiert, sondern für die technische Leitung der Caterham-Gruppe verantwortlich zeichnet, erklärte via 'Twitter': "Nur um das klarzustellen: Ich wurde komplett von jeglichen Fehlverhalten freigesprochen - alle Forderungen von Force India gegen mich wurden abgeschmettert."

Der Abgang des Briten von Force India 2008 war ebenfalls nicht reibungslos über die Bühne gegangen: Gascoyne hatte vor Gericht 2,5 Millionen Dollar (umgerechnet 1,9 Millionen Euro) für das letzte Vertragsjahr sowie einen Anteil der 5 Millionen Dollar (3,8 Millionen Euro), die er für eine zweijährige Verlängerung des Vertrags erhalten hätte, eingeklagt.

Wollte Force India nur fällige Zahlungen verzögern?

Auch Aerolab-Geschäftsführer Jean-Claude Migeot zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. "Es hat lange gedauert, aber ich bin extrem glücklich und erleichtert, dass 1Malaysia (Caterham, früher Lotus, Anm.) und Gascoyne von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen wurden", sagt er gegenüber 'Autosport'.

"Ich hatte immer das Gefühl, dass der Fall von Force India nur eingeleitet wurde, um Zahlungen für herausragende Arbeit zu verzögern. Jetzt, wo das Gericht die extrem technischen Aspekte des Beweismaterials begutachtet hat und zu dieser Entscheidung kam, hat sich meine Betrachtungsweise nicht verändert."

Bei der 14-tägigen Anhörung am Londoner Gerichtshof im Januar 2012 wurde sogar Formel-1-Urgestein Frank Dernie als Experte vorgeladen - der Brite arbeite als Ligier-Technikchef und fungierte später bei Williams und Toyota als Berater.

Aerolab erklärt geringfügigen Datenmissbrauch

Laut Migeot hätte die Angelegenheit den enormen Aufwand gar nicht gerechtfertigt: "Das war so eine lange Geschichte - und all das wegen so einer Kleinigkeit. Der Richter hat das richtige Urteil gefällt. Endlich liegt die Wahrheit auf dem Tisch - das war das größte Problem, denn Force India wollte eine Verschwörung zwischen Team Lotus, Mike und mir aufzeigen, die in Wahrheit nie existiert hat und für die es keinerlei Beweise gibt."

Für ihn ist klar: "Diese große Geschichte wurde nur aufgebracht, um die 2009 fälligen Zahlungen an uns zu verzögern - sie suchten nach der perfekten Entschuldigung." Dass nun auch Aerolab einen vergleichsweise niedrigen Betrag von 25.000 Euro an Force India zahlen muss, sieht er nicht als Problem.

"Wenn ein Kunde einen Vertrag beendet, dann gibt es eine Kündigungsfrist - bis zum letzten Tag werden dann alle Computer bereinigt. Das Problem bei Force India war aber, dass ich sie wegen nicht getätigter Zahlungen hinauswerfen musste", erklärt er die Gründe dafür, dass noch Force-India-Datenmaterial auf den Computern gefunden wurde. "Wir starteten die Zusammenarbeit mit Lotus quasi am Tag danach - wir hatten keine Zeit, die Computer zu bereinigen. In dieser Übergangszeit behielten einige Leute einige ihrer Studien."

Force India gibt nicht auf

Für Force India ist das Urteil ein weiterer harter Schlag, nachdem Vijay Mallyas Fluglinie Kingfisher zuletzt in finanzielle Nöte geschlittert war. Wenn man die Gerichtskosten dazurechnet, blüht dem indischen Rennstall durch den Prozess ein Verlust von fast fünf Millionen Euro. Die Höhe der fälligen Zahlungen soll aber in einer weiteren Gerichtsverhandlung geklärt werden. Besonders bitter ist, dass Force India angeblich ein Angebot einer außergerichtlichen Einigung für 250.000 Euro abblitzen ließ.

Trotz des für Mallya wenig erfreulichen Urteils scheint er aber auch weiterhin nicht daran zu denken, aufzugeben. In einer Presseaussendung gab Force India bekannt, dass man sich nun wünscht, dass sich die FIA der Sache annimmt, zumal doch Beweise für einen Datenmissbrauch gefunden wurden. Zudem hatte das Team neben London auch in Italien eine Klage gegen Gascoyne, Fernandes und Migeot eingereicht. Ein Urteil ist noch ausstehend.

Fotoquelle: Force India

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