Lewis Hamilton hinterließ am ersten Tag in Sepang den stärksten Eindruck

Formel 1 2012

— 23.03.2012

Hamilton klar vor Schumacher, Vettel in Lauerstellung

Lewis Hamilton dominiert das Freitagstraining in Malaysia, aber dahinter lauern die gleichen Verfolger wie in Australien - Fernando Alonso im Renntrimm recht flott

Deutlich höhere Temperaturen, komplett andere Streckencharakteristik: Nicht wenige Experten hatten insgeheim damit gerechnet, dass sich das Kräfteverhältnis beim Grand Prix von Malaysia im Vergleich zum Saisonauftakt in Australien verschieben könnte. Doch in den beiden Freien Trainings am Freitag in Sepang bot sich im Wesentlichen das gleiche Bild, wie wir es schon in Melbourne gesehen haben.

Die Nase vorne hatte nach 180 Minuten Lewis Hamilton, der die Tagesbestzeit von 1:38.021 Minuten schon in der ersten Session erzielte und auch am Nachmittag in 1:38.172 Minuten voran lag. Erster Verfolger: Michael Schumacher (+0,512) auf Mercedes. Dahinter klassierten sich im zweiten Training Jenson Button (McLaren/+0,363) und Nico Rosberg (Mercedes/+0,524), in der Tageswertung blieb aber Vorjahressieger Sebastian Vettel (Red Bull/+0,514) Dritter.

Vorteil für "Reifenflüsterer" Button?

Viel interessanter als die Bestzeiten waren aber die Longruns am Ende der zweiten Session. "Man hat gesehen, dass alle Autos extrem mit der Hinterachse kämpfen. Alle sind sehr unruhig, der Reifenverschleiß hinten ist sehr hoch", analysiert Experte Alexander Wurz. "Da wird das Team am besten sein, das mit der Hinterachse am besten haushalten kann. Deshalb glaube ich aus dem Bauch heraus, dass Jenson Button wieder der Favorit ist, weil er ein 'Reifenflüsterer' ist."

Generell hatte die Strecke am Nachmittag "viel weniger Grip" (Caterham-Technikchef Mike Gascoyne) als in der ersten Session. Dementsprechend schwierig ist es, die Zeiten zu interpretieren, aber dass McLaren und Red Bull wieder tonangebend sind, scheint erwiesen zu sein. Schumacher/Rosberg zählen eher nicht zu den Sieganwärtern: "Mercedes fehlt im Renntrimm eine Sekunde auf Red Bull", glaubt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.

"Nach den Zeiten, die wir jetzt gesehen haben, würde ich sagen: Red Bull fährt im Rennen davon - wenn sie denn vollgetankt haben. Buttons Zeiten waren sehr gleichmäßig, aber nicht so schnell wie die von Red Bull", so der ehemalige Formel-1-Pilot. Aber er mahnt zur Vorsicht: "Das Ganze hängt sehr mit dem Gewicht zusammen auf dieser Strecke. Ich betone noch einmal: Zehn Kilogramm Benzin bedeuten hier mehr als vier Zehntelsekunden."

Pirelli-Hinterreifen im Mittelpunkt

Der Schlüsselfaktor sind vermutlich die Reifen, denn obwohl Pirelli mit Hard und Medium die beiden härtesten Gummimischungen im Angebot hat, bauen speziell die hinteren Pneus schnell ab. "Bei McLaren sehen die Reifen gut aus, bei Mercedes weniger", fällt dem früheren Formel-1-Designer Gary Anderson auf. "Aber Fernando Alonso kam nach einem Longrun rein. Ich muss sagen, die Reifen am Ferrari machen den besten Eindruck von allen."

"Der Ferrari ist nicht chancenlos im Rennen", nickt Surer zustimmend, und die Scuderia selbst twittert nach dem ersten Trainingstag: "Auf den Longruns sieht das gar nicht so schlecht aus." Fernando Alonso belegte mit 0,870 Sekunden Rückstand Platz sieben (Platz sechs im zweiten Training) und fuhr mit prall gefülltem Tank im Finish Zeiten unter 1:44 Minuten. Damit war er sogar mit den Topteams auf Augenhöhe - und schneller als die Silberpfeile.

Wie gut oder schlecht ist Red Bull?

Vettel konzentrierte sich am Nachmittag ebenfalls auf das Renn-Setup und gab sich mit Platz zehn zufrieden. Gegen Halbzeit der Session wirkte er am Funk unzufrieden: "Die Balance ist schlecht", schimpfte er da. Teamkollege Mark Webber, ein erklärter Sepang-Spezialist, belegte in der zweiten Session den siebten, insgesamt den neunten Platz. Vettel war heute um eine halbe Sekunde schneller als der Australier.

Überraschend stark präsentierte sich am Nachmittag (übrigens bei bis zu 46 statt wie am frühen Morgen 33 Grad Celsius Asphalt-Temperatur) das Toro-Rosso-Team mit den Plätzen fünf (Daniel Ricciardo/+0,681) und acht (Jean-Eric Vergne/+1,125). Vergne ließ außerdem den besten Topspeed registrieren - an die 313 km/h des französischen Rookies kam nicht einmal der mit F-Schacht ausgestattete Rosberg-Mercedes (312) heran.

Romain Grosjean (Lotus) landete im zweiten Freien Training auf Rang neun, war in der Tageswertung um rund zwei Zehntelsekunden schneller als Comeback-Superstar Kimi Räikkönen. Letzterer hatte mit Untersteuern zu kämpfen. Der zweite Finne im Feld, Williams' Freitags-Testfahrer Valtteri Bottas, überraschte positiv: Platz 16, obwohl er am Nachmittag gar nicht mehr dabei war - drei Zehntelsekunden hinter Pastor Maldonado (14.), aber klar vor Bruno Senna (19.).

Getriebeprobleme bei Kobayashi

Genau wie Williams konnte auch Sauber nicht ganz an die starke Melbourne-Performance anknüpfen. Obendrein verlor Kamui Kobayashi (15.) am Nachmittag wegen eines Getriebeproblems auch noch wertvolle Trainingszeit. Sergio Perez wird als Freitags-21. übernachten. Probleme hatte auch Paul di Resta (12.): Nach einem Dreher ließ er zunächst die Bremsen wechseln, aber nach dieser kurzen Pause kam er gleich wieder von der Strecke ab, diesmal mit einem losen Heck.

Sein deutscher Stallgefährte Nico Hülkenberg wurde am Nachmittag Zwölfter und in der Tageswertung mit 1,419 Sekunden Rückstand 13. Damit war er um knapp eineinhalb Zehntelsekunden langsamer als di Resta. Indes gab es weiter hinten eine kleine Überraschung: Hinter Caterham und Marussia schafften diesmal beide HRT-Piloten den 107-Prozent-Cut - trotz eines Drehers von Narain Karthikeyan bei Ablauf der Zeit.

Fotoquelle: xpbimages.com

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