Frank Williams hatte sich Adam Parr als seinen Nachfolger aufgebaut

Formel 1 2012

— 26.03.2012

Concorde-Verhandlungen: Williams trennt sich von Parr

Bernie Ecclestone hat seine Muskeln spielen lassen: Williams trennt sich von Adam Parr und macht damit den Weg zu einer Concorde-Einigung frei

Auf den ersten Blick überraschend, eigentlich aber nicht ganz unerwartet hat das Williams-Team heute Morgen die Trennung von Adam Parr bekannt gegeben. Der gelernte Jurist war seit einem Jahr Vorsitzender des Vorstands und wird das an der Frankfurter Börse gelistete Unternehmen zum 30. März 2012, also Ende dieser Woche, verlassen.

"Ich bin Frank sehr dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat, in den vergangenen fünf Jahren für Williams zu arbeiten. Es war eine sowohl herausfordernde wie auch erfüllende Zeit", erklärt Parr anlässlich der heutigen Bekanntgabe. "Williams ist ein einzigartiges Team mit über 500 großherzigen und talentierten Mitarbeitern sowie großartigen Partnern in und außerhalb der Formel 1. Williams ist jetzt gerüstet, nach vorne zu schauen, und ich wünsche jedem in Grove alles Gute."

Parr als "Opfergabe" für Ecclestone?

Was hinter der Trennung steckt, ist klar: Die persönlichen Spannungen zwischen Bernie Ecclestone und Parr waren in den Verhandlungen über ein neues Concorde-Agreement eskaliert, sodass Williams zuletzt als einziges etabliertes Team neben Mercedes außen vor gelassen wurde. Dass Parr nun geht, könnte ein Indiz dafür sein, dass Ecclestones Wünsche bei Williams erhört wurden. Der Lohn dafür könnte schon bald eine Concorde-Einigung sein.

Offiziell spricht darüber natürlich niemand. "Ich habe Adam Ende 2006 gebeten, mich bei der Führung des Teams zu unterstützen", sagt Frank Williams. "In diesen fünf Jahren haben Adams Leistungen meine Erwartungen übertroffen, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken. Nicht zuletzt für seine entscheidende Rolle bei der technischen Umstrukturierung, die langsam Wirkung zeigt, und für den erfolgreichen IPO."

Williams hatte Parr erst kürzlich als seinen "natürlichen Nachfolger" bezeichnet und hatte anschließend seinen Sitz im Vorstand an Tochter Claire übergeben. Aber er betont: "Adam verlässt uns im Einvernehmen, um in seinem Leben ein besseres Gleichgewicht zu schaffen. Dafür wünsche ich ihm und seiner Familie alles Gute. Er hat uns in guter Verfassung verlassen und ich bin sicher, dass der Vorstand und das Management bei Williams das Business weiter vorantreiben werden."

Rose übernimmt den Aufsichtsrats-Vorsitz

Gleichzeitig gibt Williams bekannt, dass Nick Rose, ehemaliger Finanzchef des Diageo-Konzerns und derzeit Aufsichtsrat bei zwei FTSE100-Firmen sowie bei der Aktiengesellschaft Williams Grand Prix Holdings (WGPH), künftig den Vorsitz des WGPH-Aufsichtsrats übernehmen wird. Die ausführende Kontrolle über das Unternehmen soll weiterhin in erster Linie bei Frank Williams, Großaktionär Toto Wolff und Geschäftsführer Alex Burns liegen.

"Ich möchte mich beim Vorstand bedanken, mich als Aufsichtsrats-Vorsitzenden zu nominieren", erklärt Rose. "Als ich zum Unternehmen kam, war mein einziges Ziel, das Team wieder zu früheren Erfolgen zu führen. Frank und der Vorstand glauben, dass ich das als Vorsitzender am besten tun kann, und ich nehme diese Verantwortung erfreut an. Viel gute Arbeit wurde geleistet, um an diesen Punkt zu kommen, aber wir müssen weiterarbeiten, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen."

Für Williams sollte angesichts der heutigen Bekanntgabe der Weg zu einer kommerziellen Einigung mit Ecclestone frei sein. Allerdings ist unklar, ob es für die operative Leitung in absehbarer Zukunft einen Neuzugang geben wird. Frank Williams kommt seit Jahren nicht mehr zu allen Rennen, Patrick Head hat sich komplett zurückgezogen und Toto Wolff sieht sich nicht am Kommandostand. Möglicherweise geht nun die Suche nach einem Sportchef oder Rennleiter los.

Fotoquelle: Williams

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