Lewis Hamilton und Jenson Button waren bisher meist schneller als Red Bull

Formel 1 2012

— 29.03.2012

Analyse: Schafft Red Bull die Aufholjagd?

Ex-Formel-1-Designer Gary Anderson und der frühere Teamchef Eddie Jordan sehen Red Bull und Ferrari in Problemen: McLaren nun dauerhaft an der Spitze?

Nach zwei Rennen zum Start in die Saison legt die Formel 1 nun erst einmal eine kurze Verschnaufpause ein. Bei einigen Teams wird man die Wunden lecken, bei anderen genüsslich auf erste Erfolge zurückblicken. Sicher ist: Bei allen Teams rauchen die Köpfe der Techniker. Man ist auf der Suche nach weiteren Verbesserungen, die das Kräfteverhältnis schon beim Grand Prix in China wieder verändern könnten.

Vor allem bei Red Bull hat man Nachholbedarf. Der RB8 hat bislang nicht das halten können, was sich Technikgenie Adrian Newey und Weltmeister Sebastian Vettel von ihm versprochen hatten. Im ersten Qualifying des Jahres fehlten Vettel über sieben Zehntelsekunden auf die Topzeit von Lewis Hamilton, bei der anschließenden Zeitenjagd in Malaysia waren es immerhin noch vier Zehntelsekunden. Man mag auf dem richtigen Weg sein, aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht.

"Dass man im Lager von Red Bull nicht gerade glücklich ist, hört man überall im Team. Und man sieht es an Vettels Reaktion in Malaysia", analysiert Ex-Formel-1-Designer Gary Anderson in der 'BBC'. "Es war nicht das erste Mal, dass Vettel seine emotionale Seite herausgekehrt hat, wenn es mal nicht für ihn läuft. Ich erinnere nur an Abu Dhabi im vergangenen Jahr. Damals war es nur ein Zwischenfall in einer Saison voller Dominanz. Ich frage mich, was passiert, wenn es mal zwei oder drei Rennen lang nicht ordentlich läuft."

"Ich finde, man sieht bei Red Bull an allen Ecken und Enden, dass sie mit der aktuellen Situation nicht sonderlich gut umzugehen wissen", erklärt Anderson. "Red Bull hat in den vergangenen Jahren von einem Auto profitiert, an dem man an Rennwochenenden kaum etwas machen musste. In Malaysia sah man sie plötzlich an Aufhängungen schrauben und mit der Bodenfreiheit experimentieren. Die suchen mit dem aktuellen Auto noch den richtigen Weg und haben noch viel Arbeit vor sich."

Red Bull fehlt es an Topspeed

Besonders auffällig ist der Rückstand bei den Topspeed-Messungen. In Australien und Malaysia fehlten Red Bull im Vergleich zu McLaren jeweils rund zehn km/h. Am Motor dürfte es nicht liegen, denn beispielsweise Lotus war mit dem Renault-Triebwerk im Heck deutlich schneller. Technikexperten gehen davon aus, dass der Red Bull RB8 nicht ausreichend Abtrieb generiert, man daher also im Vergleich mit steileren Flügeln fahren muss.

"McLaren ist bisher das Team mit der konstantesten Stärke. Dass sie an beiden bisherigen Wochenenden die erste Startreihe holen konnten, zeigt sehr deutlich, dass im Fahrzeug der schiere Speed steckt", sagt Anderson. Jenson Button hatte das erste Rennen des Jahres gewinnen können, aber Lewis Hamilton musste sich nach zwei Pole-Positions mit "nur" zwei dritten Plätzen in den Rennen anfreunden.

"Lewis hat wahrscheinlich einen Teil des Teufels, der ihm im vergangenen Jahr auf der Schulter saß, loswerden können. Aber es wird jetzt enorm wichtig, dass er seine Pole-Positions mal in Siege ummünzt", meint Eddie Jordan. "Bei McLaren gibt es zwischen Lewis und Jenson ein tolles Duell. Am besten finde ich daran, dass die beiden trotzdem eigentlich immer Freunde bleiben."

"Lewis fällt es schwerer, mit dieser Freundschaft umzugehen, weil er viel eigenbrödlerischer ist. Für ihn endet die Freundschaft sobald er im Auto sitzt", meint der ehemalige Teamchef. "Er weiß, dass er Alonso mit dem aktuellen Ferrari wohl im Griff haben wird. Aber er muss sich Sorgen darüber machen, was mit Red Bull los ist und was sein Teamkollege leistet. Lewis geht davon aus, dass er im Qualifying immer seinen besonderen Speed ausspielen kann."

Der "weiche Ferrari" ein Vorteil im Regen?

"Jenson ist allerdings ein dermaßen gefestigter Typ mit unglaublichem Selbstvertrauen", lobt Jordan den Weltmeister von 2009. "Jenson hat im vergangenen Jahr das beste Rennen überhaupt gewonnen. Er siegte in Kanada und hat daraus so viel Selbstvertrauen geschöpft, sodass er Lewis nachher in der WM-Wertung abgehängt hat." Ähnliches könne auch in dieser Saison erneut passieren, so der Ex-Formel-1-Teamchef.

Und die anderen Teams? Beim Thema Mercedes sind sich viele Experten einig: Der Speed im Qualifying ist gut, die Reifennutzung jedoch nach wie vor das große Problem. Ferrari mag derzeit ein nicht optimales Auto haben, aber sie haben einen Trumpf im Cockpit. "Das Rennen in Malaysia hat gezeigt, dass Alonso in der Lage ist, ganz besondere Dinge zu leisten, wenn sich mal eine Chance bietet. Der wartet nur darauf, dass er eine solche Chance bekommt", sagt Anderson über den Spanier, der die WM-Wertung überraschend anführt.

"Es fehlt dem Auto immer noch dramatisch an Performance. Der Sieg in Malaysia wirft eher Fragen auf als dass er Antworten gibt", erklärt der Techniker. "Es geht vermutlich um die Verwindungssteifigkeit des Autos. Im Regen kann ein weiches Auto von Vorteil sein. Im Gegensatz dazu setzt McLaren immer auf ein extrem steifes Auto, um die Aerodynamik wirken zu lassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ferrari in diesem Fall einfach von den Bedingungen besonders profitiert hat. Die Roten müssen sich nun dringend die Frage stellen, warum das Auto nicht funktioniert, wenn es trocken ist und reichlich Grip vorhanden ist."

Fotoquelle: xpbimages.com

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