Sebastian Vettel schämt sich nicht für sein emotionales Verhalten in Sepang

Formel 1 2012

— 03.04.2012

Vettel: "Dafür muss man sich nicht schämen"

Sebastian Vettel schämt sich nicht für sein Verhalten gegenüber Narain Karthikeyan - Helmut Marko klärt die Funkspruch-Affäre von Sepang auf

Der vieldiskutierte Emotionsausbruch während des und nach dem Grand Prix von Malaysia, wo er Narain Karthikeyan nach einer Kollision zunächst den Stinkefinger zeigte und später vor laufenden TV-Kameras als "Idiot" beschimpfte, ist für Sebastian Vettel abgehakt. Die FIA hat bereits angedeutet, dass keine Disziplinarmaßnahmen zu befürchten sind, also kann sich der Weltmeister nun wieder voll und ganz auf die Mission Titelverteidigung konzentrieren.

Allerdings weiß er, dass sein Verhalten nicht bei allen Fans und Beobachtern gut angekommen ist, weshalb der Red-Bull-Pilot um Verständnis bittet: "Auf einem soliden vierten Platz die Punkte so zu verlieren, ist natürlich enttäuschend", so Vettel am Rande einer Preisverleihung in Paris. "Im ersten Moment zeigt man da ein bisschen Emotionen, aber ich glaube, dafür muss man sich nicht schämen. Das gehört zum Sport dazu."

In Schutz genommen wird er auch von seinem Arbeitgeber: "Man muss die Situation so sehen: Für Vettel war's ein sicherer vierter Platz. Er hat zu dem Zeitpunkt drei bis fünf Zehntel auf Hamilton aufgeholt, und Hamilton ist bekannt dafür, dass er die Reifen mehr strapaziert. Also wäre auch ein dritter Platz in Reichweite gewesen", erklärt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'ServusTV' und stellt klar: "Vettel hat ganz normal überrundet."

Wollte Karthikeyan Windschatten schinden?

"Wenn man die rückwärtige Kamera nimmt, schaut es so aus, als wäre Vettel zu nahe an ihn herangefahren", räumt Marko ein, aber: "Aus der anderen Kameraperspektive sieht man genau, dass Karthikeyan offensichtlich versucht hat, in den Windschatten von Vettel zu kommen. Er war ja mit Pic im Marussia, der knapp vor ihm lag, im Clinch. Also wollte er das ausnutzen, aber dabei hat er sich verschätzt, was beim Inder ja leider schon öfter vorgekommen ist."

Red Bull hat daraus eine Lehre gezogen: "Wir haben schon unseren Teammanager beauftragt, sowohl mit Marussia als auch mit HRT zu reden, dass deren Piloten einfach mehr aufpassen müssen. Die fahren in einer anderen Liga, sind teilweise sechs bis acht Sekunden langsamer im Renntrimm. Da muss man halt mehr aufpassen", ermahnt der Österreicher und sagt über Karthikeyans Kritik, Vettel sei ein "weinerliches Baby": "Das sind zwölf Punkte, die in der WM entscheidend sein können."

Die Behauptung, ein Weltmeister müsse Vorbild sein und habe sich nicht so zu verhalten wie Vettel in Malaysia, lässt Marko ebenfalls nicht unkommentiert: "Da kämpft man, es sind die letzten Runden, er sieht die Chance auf den dritten Platz - und dann passiert das. Dass er da natürlich empört ist, ist ganz menschlich - es ist ja Kampfsport zwischen einzelnen Individuen. Da gehören Reaktionen und auch entsprechende Emotionen dazu", relativiert er.

Um Abkühlung zeigt sich Red Bull auch bemüht, was die Funkspruch-Affäre angeht: "Letzten Endes muss man da ein bisschen die Luft rausnehmen", sagt Vettel und erklärt die widersprüchlichen Befehle vom Kommandostand, die im TV zu hören waren: "Beim letzten Rennen herrschte aufgrund der Bedingungen sehr viel Chaos. Ab dem Restart hatten wir keine Funkverbindung mehr, also kamen alle Ansagen, die gemacht wurden, nie bei mir an."

Kein Funk nach der Safety-Car-Phase

Marko bestätigt: "Nach dem Safety-Car-Restart, nach ein oder zwei Runden, wurde die Funkverbindung immer schlechter und war dann komplett weg. Das heißt: Weder Vettel konnte uns hören noch konnten wir Vettel hören. Man hat vielleicht auf den Fernsehbildern dieses hektische Agieren mit der Anzeigetafel gesehen. Wir waren auf das nicht mehr eingerichtet", erinnert sich der ehemalige Formel-1-Pilot gegenüber 'ServusTV'.

"Dann hat Newey - da gibt es eine interne Kommunikation mit verschiedensten Personen - innerhalb relativ kurzer Zeit entschieden: 'Nein, es ist unsicher, wir müssen ihn hereinholen.' Also haben wir mit allen möglichen Mitteln versucht, das an Vettel zu transportieren. Scheinbar ist es auch irgendwie angekommen", gibt Marko, der nicht selbst am Kommandostand sitzt, aber den Boxenfunk mithören kann, zu Protokoll.

"Dann kam aber zwei Runden vor Schluss wieder ein Signal, dass sich die Temperaturen wieder in einem halbwegs erträglichen Maß befinden. Es waren ja nur noch zwei Runden, also haben wir gesagt: 'Okay, er kann draußen bleiben'", schildert Marko. Es sei aber nie Absicht gewesen, nur deshalb aufzugeben, um das Getriebe wechseln zu dürfen: "Da gab es keinerlei taktische Überlegungen oder sonst irgendwas. Unser Getriebe ist intakt."

"Das brauchen wir nicht", winkt der 68-Jährige ab und ergänzt: "Wir hatten einen Schaden beim letzten Test in Barcelona, aber der war auf ein anderes Problem zurückzuführen - da hat es überhaupt nichts gegeben. Dann haben wir gesagt, er kann jetzt draußen bleiben. Aber, noch einmal: Vettel hat von uns keinen Befehl bekommen, weil wir ja nicht einmal direkt mit ihm sprechen konnten."

Fotoquelle: xpbimages.com

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