Katerstimmung bei Red Bull: Der RB8 entspricht nicht den Erwartungen

Formel 1 2012

— 04.04.2012

Woran es beim RB8 krankt

Red-Bull-Konsulent Helmut Marko erklärt, wo die Problemzonen des RB8 liegen, Sebastian Vettel glaubt weiterhin an die Titelverteidigung

Red Bull hat bei den Testfahrten gepokert und verloren. Die Weltmeister-Truppe absolvierte den Großteil der Tests mit einer nicht reglementkonformen Heckpartie. Dabei blies man mit dem Auspuff das untere Heckflügel-Element an, musste aber aufgrund von Überhitzungsproblemen zahlreiche Leitelemente und Abweiser anbringen, die in diesem Bereich nicht erlaubt sind.

Erst zwei Tage vor Testschluss testete man in Barcelona erstmals die Heckpartie für den Saisonauftakt: Ähnlich wie McLaren zielt der Auspuff dabei nicht mehr auf den Heckflügel, sondern auf das Diffusordach und erzeugt so Abtrieb. Doch plötzlich lag der RB8 nicht mehr wie erwünscht auf der Strecke.

Ein Problem, das man auch bei den ersten zwei Rennen nicht in den Griff kriegte. Das eigene Selbstbewusstsein kam Adrian Newey & Co. dabei zusätzlich in die Quere: Man hatte bei den Tests auf Qualifying-Simulationen verzichtet, dabei werden die Balanceprobleme des RB8 vor allem auf einer schnellen Runde mit wenig Benzin offenkundig.

Aerodynamik als Problem

Inzwischen scheint man die Problemzonen des Boliden eingegrenzt zu haben. "Wir haben das natürlich genauestens analysiert", nimmt Motorsport-Konsulent Helmut Marko gegenüber 'ServusTV' auf den schwachen Saisonstart Bezug. "Es gibt, wie meistens, mehrere Probleme. Wir glauben, die Ursache zu wissen. Die lässt sich natürlich nicht so schnell beheben, aber es ist wie bei den meisten Problemen in der heutigen Formel 1 ein aerodynamisches."

Dabei galt ausgerechnet die Aerodynamik stets als große Red-Bull-Stärke. Sogar nach den ersten Tests war man noch davon überzeugt, dass der RB8 exakt das macht, was die Simulationsdaten versprochen hatten. Ein Irrtum? Offenbar nicht, denn Marko erklärt, dass tatsächlich die neue Heckpartie des RB8, die erst im letzten Moment aufs Auto geschraubt wurde, für Schwierigkeiten sorgt.

Rauchende Köpfe durch Barcelona-Update

"Unser Problem begann beim letzten Test in Barcelona, wovon der zweite Testtag mehr oder minder komplett ausgefallen ist", spielt er auf Sebastian Vettels Ausrutscher ins Kiesbett an. "Wir hatten einen Karosserieschaden. Er ist ins Kiesbett gekommen und der zerbrochene Flügel hat den Unterboden beschädigt. Gegen Mittag hatten wir das Auto fertig, aber dann ist ein Getriebeschaden aufgetreten. Damit war der ganze Tag dahin."

Offenbar passen beim RB8 derzeit Front- und Heckpartie nicht zusammen. Marko geht ins Detail: "Wie das Auto reagiert, geht von vorne weg. Was sich vorne abspielt, macht sich hinten entsprechend aerodynamisch bemerkbar." Er gibt zu, dass sich das Risiko, die neue Heckpartie erst im letzten Moment zu enthüllen, jetzt negativ bemerkbar macht: "Diese Luftführung mit den Auspuffgasen hatten wir lang im Konzept, wollten sie aber bewusst erst am letzten Testtag bringen. Es ist richtig, dass wir zum Teil nicht exakt verstehen, was was bewirkt."

Vettel glaubt weiter an den Titel

Auch für Vettel ist die aktuelle Situation ein Geduldspiel. Und Geduld ist eine Eigenschaft, für die der Weltmeister nicht gerade bekannt ist. Die Kollision mit dem Überrundeten Narain Karthikeyan brachte beim Red-Bull-Piloten das Fass zuletzt zum Überlaufen. Da kommt die Osterpause nun gerade recht.

"Man hat natürlich ein bisschen Zeit, sich die ersten zwei Rennen ein bisschen genauer anzuschauen, das Ganze ein bisschen zu analysieren, aber auch gleichzeitig ein bisschen runterzukommen, vielleicht mit der Familie Ostern zu feiern und wieder ein bisschen Kraft zu tanken, bevor es wieder weitergeht zu den nächsten Rennen", sagt der Heppenheimer.

Derzeit liegt er im WM-Klassement auf Platz sechs - er möchte sich durch den durchwachsenen Saisonstart aber nicht entmutigen lassen. "Es gab nie eine wirkliche Enttäuschung", bilanziert er. "Man muss sehen, wir haben sehr, sehr viele Rennen, 20 an der Zahl, und jetzt sind gerade Mal zwei Rennen gefahren. Vielleicht lief's nicht ganz optimal, aber ich glaube, dass wir trotzdem gut dabei waren, auch wenn man sich hier und da nicht hundertprozentig wohlgefühlt hat." Er fordert aber von sich und seiner Mannschaft Überstunden ein: "Wir wissen, dass es noch sehr, sehr viel zu tun gibt." Das Ziel sei es weiterhin, "um den Titel zu kämpfen."

Konstanz fehlt

Interessant ist, dass die Red-Bull-Piloten vor allem in den Rennen immer wieder mit schnellen Runden überzeugten, dieses Tempo aber nicht unter allen Bedingungen abrufen konnten. "Wir haben jetzt von Freitag auf Samstag jeweils das Auto verbessert und zum Sonntag hin deutlich verbessert", erklärt Marko. "Mark Webber war in Melbourne absolut wettbewerbsfähig, hatte aber einen schlechten Start, und in Malaysia ist Vettel die schnellste Runde gefahren, als es trocken war, und dann meistens Webber."

Er fordert aber mehr Konstanz: "Es hilft nichts, wenn man nur in einem kleinen Bereich der Schnellste ist und das nicht kontinuierlich. Vor allem, offen gesagt: Momentan entscheidet das Auto, was am schnellsten ist, und nicht wir." Vettel fällt auf, dass bei McLaren das Gesamtpaket "mehr zusammenpasst als bei uns".

Dennoch ist der 24-Jährige vom Leistungsvermögen des RB8 überzeugt: "Ich glaube, dass wir ein starkes Auto haben - das Potenzial ist da. Wir müssen eben nur schauen, dass es jetzt zusammenkommt. Da hilft die Zeit natürlich ein bisschen, um genauer zu verstehen, was vielleicht nicht so gut ist." Schon beim kommenden Rennen hofft er auf Fortschritte: "Wir haben für China einige Dinge auf der Liste und hoffen, dass wir die möglichst am Freitag und Samstag abgearbeitet bekommen, um dann vielleicht am Samstag und Sonntag ein bisschen besser dazustehen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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