Jackie Stewart sieht Michael Schumacher bei Mercedes auf der Überholspur

Formel 1 2012

— 07.04.2012

Stewart sieht Rosberg bei Mercedes unter Druck

Jackie Stewart erklärt, warum er Senna nicht für den besten Fahrer aller Zeiten hält, Button Hamilton vorziehen würde und wie er Schumachers Comeback bewertet

2010 und 2011 konnte Michael Schumacher gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg nur acht von 38 Qualifyings gewinnen, doch nach den ersten beiden Rennen der Formel-1-Saison 2012 steht es für den siebenmaligen Weltmeister schon 2:0. In Australien war er um 0,350 Sekunden schneller als Rosberg, in Malaysia um 0,273 Sekunden.

Ex-Champion Jackie Stewart, der "großen Respekt vor Nico und Michael" hat, ist überrascht, dass Schumacher erst so spät auf Touren gekommen ist: "Michael hat ziemlich lange gebraucht, um wieder reinzukommen. Kimi war von Anfang an auf Tempo. Kann sein, dass der Mercedes bisher kein gutes Auto war, aber man hätte erwartet, dass Michael und Mercedes mit all ihrer Erfahrung schneller auf Tempo kommen."

Kräfteverhältnis nach zwei Jahren gewendet?

"Am meisten hat mich überrascht, dass Nico konstant schneller war als Michael. Einer, der noch nie einen Grand Prix gewonnen hat, ist schneller als ein siebenmaliger Weltmeister? Das hat mir gesagt, dass da etwas nicht stimmt", so Stewart gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Jetzt scheint das korrigiert zu sein, denn Michael war bisher in fast jeder Session schneller als Nico. Für Nico ist das eine neue Herausforderung, denn jetzt muss er zurückkommen."

Dass Kimi Räikkönen beim Wiedereinstieg weniger Probleme zu haben scheint als Schumacher in den vergangenen beiden Jahren, führt der Berater der Lotus-Eigentümer Gerard Lopez und Eric Lux von Genii Capital darauf zurück, dass in Enstone alles unternommen wird, um dem "Iceman" seine Wünsche bestmöglich zu erfüllen: "Manchmal sind diese Dinge ganz trivial, aber da geht es um den Feel-Good-Faktor."

Zu dem unter anderem der Renningenieur beitragen kann. Diesbezüglich spielte Stewart selbst eine wichtige Rolle: "Eine Sache, für die ich verantwortlich bin, ist, dass Mark Slade gekommen ist, um Kimis Renningenieur zu werden. Mir war klar, dass Kimi jemanden braucht, mit dem er kommunizieren kann. Mark hatte ja auch schon für das Team gearbeitet", sagt der 72-Jährige, der Slade nach einem Telefonat mit Räikkönen-Manager Steve Robertson von Mercedes abwarb.

Interessant findet Stewart aber nicht nur die Fahrerpaarung bei seinem Arbeitgeber Lotus, sondern auch beim McLaren-Team, für das Slade in der Vergangenheit ebenfalls tätig war. McLaren setzt im dritten Jahr hintereinander auf Jenson Button und Lewis Hamilton, die bisher in etwa gleichauf waren. "Jenson und Lewis haben völlig konträre Fähigkeiten, körperlich wie auch mental. Und ich weiß, für welche ich mich entscheiden würde", meint der Genii-Berater.

Stewart würde Button vorziehen

Seiner Meinung nach ist Button mit seinem besonnenen Fahrstil die bessere Wahl, auch wenn Hamilton in den Augen vieler Experten der schnellere Pilot ist. "Die Leute nehmen es mir manchmal übel, aber ich halte Ayrton Senna nicht für den besten Rennfahrer aller Zeiten. Ich finde, das war Alain Prost. Er wusste, wie man ein Rennauto fahren muss, denn er ist sein Rennauto gefahren wie Fangio, Clark, Lauda, hoffentlich auch ich", argumentiert Stewart.

"Ich hatte in meiner ganzen Karriere nur 17 Pole-Positions", gibt er zu Protokoll und verrät, warum das trotzdem kein Handicap war: "Damals war das Qualifying auch Training - da zählte jede Runde. Ich habe jede Minute mit meinen Leuten daran gearbeitet, das Auto für den Start, den Mittelteil und das Ende vorzubereiten, obwohl die Rennen damals länger waren. Also konnte man die Autos nicht misshandeln."

"Der Grund, warum ich so viele Rennen gewonnen habe, ist, dass ich angekommen bin. Ich stand in 99 Rennen 43 Mal auf dem Podium. Das ist fast die Hälfte", spricht Stewart seine Podestplatz-Quote an, mit der er vor Fernando Alonso Nummer 18 der ewigen Bestenliste ist. "Dazu braucht es ein zuverlässiges Auto, aber man muss auch seinen Ingenieuren und Mechanikern klarmachen, was man will. Das hat sich bis heute nicht geändert."

Fotoquelle: xpbimages.com

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