Vor allem auf feuchter Strecke funktioniert der F2012 besser als erwartet

Formel 1 2012

— 11.04.2012

Nach dem Sepang-Sieg: Wie stark ist Ferrari wirklich?

Technikchef Pat Fry offenbart den Zeitrückstand Ferraris nach dem Sensationssieg in Sepang und kündigt für China sichtbare Veränderungen am F2012 an



Bei den Wintertests wurde Ferrari gescholten, jetzt kommt Fernando Alonso als WM-Leader zum dritten Saisonrennen. Damit hätte wohl niemand gerechnet. Auch nicht Technikchef Pat Fry, der noch beim Grand Prix von Melbourne unter enormem Druck stand, als die Ferrari-Piloten Alonso und Felipe Massa im Qualifying auf die Plätze zwölf und 16 kamen. Eine Blamage.

"Für Fernando ist es großartig, die Weltmeisterschaft anzuführen", sagt der Brite, der im Vorjahr Aldo Costa ablöste. "Damit hätte ich vor ein paar Wochen nicht gerechnet." Doch wie stark ist Ferrari nun wirklich? Beim von wechselhaften Wetterbedingungen gezeichneten Grand Prix von Malaysia wirkten die Favoriten McLaren und Red Bull zahnlos und ließen sich von Ferrari und Sauber die Show stehlen.

Alonso als entscheidender Faktor

Dennoch glaubt man bei den Roten aus Maranello nicht, dass es sich dabei um ein repräsentatives Bild handelt. "Unsere Position lässt sich durch eine Kombination von Umständen begründen", versucht sich Fry in einer Erklärung. "Vor allem liegt es an der Tatsache, dass Fernando zwei sehr gute Rennen hatte."

"In Melbourne machte Fernandos guter Start und eine sehr gute erste Kurve die Probleme im Qualifying wett", geht er ins Detail. "Beim vergangenen Rennen spielten uns die Wetterbedingungen in die Hände, da unser Auto da gut funktionierte und er das Beste aus seinen Möglichkeiten machte. Wir hatten die richtige Boxenstrategie, und die Boxencrew leistete fantastische Arbeit. Jedes Mal, wenn Fernando in die Boxengasse einbog, machten wir entweder Plätze gut oder bauten unsere Führung aus."

Ferrari fehlen acht Zehntel

Und nun reist man als WM-Leader nach China, dabei sagt man selbst, dass man dort eigentlich nicht hingehören würde. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass einer unserer Fahrer die Weltmeisterschaft anführt", wundert sich Fry. "Bereits sehr früh bei den Testfahrten hatten wir erkannt, dass wir ein paar Probleme haben, die wir aussortieren müssen. Jeder in der Fabrik hat hart daran gearbeitet, zumal noch ein weiter Weg vor uns liegt."

Doch wo steht Ferrari derzeit unter normalen Bedingungen? "Ich denke, dass unsere Performance im Qualifying bei trockenen Bedingungen immer noch acht Zehntel hinter der Spitze liegt, dabei wollen wir die Besten sein. Feuchte Bedingungen mit wenig Grip liegen unserem Auto und überspielen einige Probleme, die wir derzeit mit dem F2012 haben. Das konnte man am Freitag in Melbourne sehen und auch beim Rennen in Malaysia."

Massa hadert mit der Balance

Ein beliebter Spruch im Formel-1-Fahrerlager ist, dass der Ferrari nur so gut wie Massa ist - für den Rest würde der Ausnahmefahrer Alonso sorgen. Schenkt man dieser Sichtweise Glauben, dann sieht es für die Scuderia düster aus. Der Brasilianer kam in Melbourne überhaupt nicht zurecht und schob die Schuld auf das Chassis. Nach einem Wechsel in Sepang zeigte sich Massa zwar im Qualifying tatsächlich verbessert, Platz 15 offenbart aber einmal mehr, dass sich der Vizeweltmeister 2008 in der Krise befindet - zumal sein Teamkollege den Sieg einfuhr.

Aus diesem Grund sagte Massa seinen Heimaturlaub ab und arbeitete mit Technikchef Fry in der Fabrik in Maranello an Lösungen für seine Probleme. "Das Auto ist recht schwer zu fahren, und Fernando hat es geschafft, das Maximum herauszuholen, während wir bei Felipe daran scheiterten, die Balance nach seinem Geschmack herzustellen", erklärt Fry die Probleme des 30-Jährigen.

"In Malaysia kam noch dazu, dass Felipe auf Intermediates war, als die Rote Flagge herauskam, wir aber viel Untersteuern hatten und daher einen zusätzlichen Boxenstopp einlegten - ein Poker, der sich nicht auszahlte", fügt er hinzu. "Die Tatsache, dass die Reifen nur unter Graining litten, aber nicht verschlissen waren, sorgte für die einzige Fehlentscheidung, die wir beim letzten Rennen am Kommandostand machten. Das war ein Rückschlag für Felipe - einer von vielen unglücklichen Umständen für ihn."

Frys durchwachsene Bilanz

Bei der Bilanz der ersten zwei Saisonrennen zeichnet Fry, der eine lange Zeit für die Konkurrenz von McLaren arbeitete, ein differenziertes Bild. "Ich würde unterschiedliche Bereiche des Unternehmens unterschiedlich bewerten", meint er. "Das Team und die Mechaniker an der Strecke haben sehr gut gearbeitet: In Melbourne hatten wir die schnellsten Boxenstopps, und in Malaysia sorgten die Geschwindigkeit der Boxencrew und die Strategie dafür, dass wir im Vergleich zu anderen Positionen und Zeit gewannen, als wir stoppten."

Auch die Reaktion des Teams in harten Zeiten und "der Umgang mit der Stresssituation, im Rückstand zu sein", bemerkt er positiv. "Die Herstellungsabteilung, die an unseren aggressiveren Aufträgen arbeitete, reagierte sehr gut", zählt er weiter auf. "Das war eine tolle Teamleistung, aber wir haben keine gute Arbeit dabei geleistet, mit dem Auto auf Anhieb an der Spitze zu liegen."

Fünf Updates in China

Die Entwicklung eines Formel-1-Autos läuft üblicherweise auf zwei Ebenen ab: Man folgt einem Plan, der festgelegt wird, wenn das Auto designt und gebaut wird. Dazu kommen die Erfahrungen, die man bei den Tests und an der Rennstrecke sammelt. Bei Ferrari sieht man sich nun aber dazu gezwungen, eine dritte Ebene einzuführen: Man muss die Entwicklung beschleunigen und Updates früher als ursprünglich vorgesehen einsetzen, um den fehlenden Boden gutzumachen.

"Wir arbeiten ständig daran, unsere Probleme zu lösen", erklärt Fry die Herangehensweise von Ferrari. "Neue Teile werden fertig und wir versuchen, sie so schnell wie möglich an die Rennstrecke zu bringen - wir werden in China fünf Updates einsetzen. Einige sind klar sichtbar, andere weniger. Zudem ist für Spanien ein größeres Update-Paket geplant. Es wäre schön, darauf schon früher zurückgreifen zu können, aber wir haben bereits einige Teile vorgezogen, die wir für Spanien entwickelt hatten, und wir sollten sie in China dabei haben."

Ferrari ändert Entwicklungsplan

Fry ist bewusst, dass sein Team noch deutlich Luft nach oben hat, will man die vor der Saison angepeilten Leistungen erreichen. Doch wie schätzt er die Konkurrenz der Scuderia ein? "Ich war etwas überrascht, dass es Red Bull an Tempo fehlte", sagt er. "McLaren war relativ schnell, aber ich hätte die beiden Teams umgekehrt eingeschätzt, wenn man mich vor einem Monat gefragt hätte."

"Mercedes scheint auch schnell zu sein, aber sie haben ähnliche Probleme wie in der Vergangenheit mit dem Abbau der Hinterreifen. Während sie im Qualifying gut aussehen, fällt ihr Renntempo ab. Lotus ist ein weiteres Team, das gute Arbeit geleistet hat - sie sehen seit dem ersten Test in Jerez gut aus."

Fotoquelle: xpbimages.com

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