Der Sieg in Sepang linderte den Druck, der auf Ferrari lastete

Formel 1 2012

— 11.04.2012

China: Ferrari setzt auf die Ameisentaktik

Ferrari rechnet nach dem Sensationssieg in Sepang damit, dass man in China wieder kleinere Brötchen backen muss - Die lange Gerade ist Gift für den F2012

China ist für Ferrari einer der wichtigsten Märkte. Daher kam der erste Saisonsieg der Roten in Sepang gerade zur rechten Zeit, zumal Ferrari-Star Fernando Alonso nun als WM-Leader nach Schanghai kommt. Der Shanghai International Circuit erwies sich für das italienische Traditionsteam auf Anhieb als guter Boden. Bei der Formel-1-Premiere 2004 siegte Rubens Barrichello, 2006 war Michael Schumacher an der Reihe, 2007 schlug Kimi Räikkönen zu.

Doch seit dem Sieg des Finnen wartet man auf einen weiteren Triumph . Felipe Massa war 2007 und 2008 immerhin Dritter und Zweiter, Fernando Alonso siegte 2005 - allerdings in einem Renault-Boliden. Das möchte der Spanier, der Ferrari in China noch nicht einmal einen Podestplatz bescherte, rasch ändern.

"Ich hätte nach der Art und Weise, wie die Wintertests verliefen, natürlich nie damit gerechnet, als WM-Leader in China anzukommen", zeigt sich Alonso angesichts seines starken Saisonstarts selbst überrascht. "Das zeigt, dass wir gute Arbeit geleistet und all das Potenzial, das uns zur Verfügung stand, genutzt haben - wir haben das Beste aus jeder Gelegenheit gemacht."

Alonso setzt auf Zusammenhalt

Der Spanier stimmt ein Loblied auf sein Team an: "Seit ich das erste Mal nach Maranello kam - das war Anfang 2010 - habe ich miterlebt, wie das Team in allen Bereichen, die sich auf die Aktivitäten auf der Strecke beziehen, gewachsen ist - von der Strecke über die Arbeit in der Garage bis zu den Boxenstopps. Ich weiß, dass ich mich auf eine sehr starke Truppe verlassen kann, was sehr wichtig ist, und wir teilen die gleichen Ziele."

Alonso hat den Eindruck, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht: "Wir wissen, dass unsere Auto noch nicht auf dem Niveau ist, das wir uns zu Saisonbeginn gewünscht hätten, aber alle reagieren gut, wir ziehen an einem Strang, was bei einem echten Team, das seine Ziele erreichen will, der Fall ist."

Trotz des Sieges halten sich die Erwartungen des Spaniers derzeit noch in Grenzen: "Bei diesem Rennen rechne ich verglichen mit Australien und Malaysia keine Überraschungen. Es ist wahr, dass fast drei Wochen vergangen sind, aber das heißt nicht, dass die Zeit ausreichte, um das Auto in so kurzer Zeit auf den Kopf zu stellen: Wir werden ein paar kleine Updates haben, aber nichts besonders signifikantes. Darüber hinaus müssen wir damit rechnen, dass die anderen Teams ebenfalls ein paar neue Teile bringen werden."

Arbeiten wie die Ameisen

Der Ferrari-Star schwört sein Team darauf ein, weiter konzentriert zu bleiben und Punkte zu holen: "Wir werden bei diesem Grand Prix unsere Herangehensweise nicht verändern: Um ein gutes Ergebnis einzufahren, müssen wir uns auf uns selbst konzentrieren, versuchen, so perfekt wie möglich zu arbeiten und jede Möglichkeit nutzen, die sich uns an diesem Wochenende bietet."

Das Ergebnis spielt bei der Zielsetzung eine untergeordnete Rolle: "Ich werde mich mit Aussagen zurückhalten, dass es unser Ziel ist, in dieser oder jener Position ins Ziel zu kommen, da diese Diskussionen die Zeit nicht wert sind. Wir müssen das Maximum herausholen und so viele Punkte wie möglich mitnehmen - ein bisschen wie Ameisen, die an einem Tag etwas beginnen und wissen, dass etwas Wertvolles für die Zukunft dabei herauskommt."

Alonso zeigt sich von seinen ersten Eindrücken in China durchaus beeindruckt: "Ich würde sagen, dass es in der Bevölkerung eine große Begeisterung gibt - vor allem bei den Jüngeren. Gestern Nachmittag waren da viele Jungs und Mädchen, die auf mich beim Flughafen und sogar vor dem Hotel gewartet haben. Es ist immer schön, die Begeisterung der Fans zu spüren, vor allem in einem Land, wo die Formel 1 kein Teil der Geschichte ist. Das zeigt, dass das Spektakel und die Spannung, die unser Sport bietet, nach wie vor attraktiv sind."

Massa und seine fanatischen chinesischen Fans

Teamkollege Felipe Massa kommt verglichen mit seinem Teamkollegen in einer völlig konträren Situation nach China. Während Alonso in Sepang siegte, manövrierte sich der Brasilianer mit Platz 15 noch tiefer in die Krise. Doch die Begeisterung der Fans zaubert ein Lächeln auf sein Gesicht: "China ist ein großes Land, aber der Enthusiasmus der Chinesen für die Formel 1 ist noch größer. Ich muss ehrlich sagen, dass man während der Saison nur schwer einen anderen Rennschauplatz finden wird, wo die Leidenschaft der Fans größer ist - vielleicht erreicht sie nur in Italien oder Brasilien ein vergleichbares Niveau."

Auch Massa und sein Sohn wurden am Flughafen von zahlreichen Fans mit Geschenken überrascht. "Sogar vor dem Hotel wartet immer jemand, egal ob es wie in der vergangenen Nacht regnet, oder die Sonne scheint", freut sich Massa, der sich bereitwillig mit den chinesischen Anhängern fotografieren ließ. "Ich mag diese Wärme und diesen Enthusiasmus - das gibt mir Energie. Auch diese Stadt strotzt vor Energie: Sie ist riesig, chaotisch - nennt es wie ihr wollt, aber sie ist definitiv lebendig."

Der 30-Jährige zieht einen Vergleich zu seiner Heimatstadt: "Ich habe bereits einmal gesagt, dass mich Schanghai an Sao Paulo erinnert. Natürlich sind wir Brasilianer ganz anders als die Chinesen, aber die Lebendigkeit der zwei Städte sind sehr vergleichbar. Man kann viel unternehmen, und ich fand die vergangenen zwei Tage mit Raffaela und Filipinho, der das erste Mal in China ist, sehr entspannend."

Bewältigt Massa die Krise?

Da China für Ferrari und seine Sponsoren zu einem der wichtigsten Märkte zählt, hatte der Brasilianer im Vorfeld des Rennens einige Sponsorentermine. "Das ist normal in einem Land, das sich wie China in rapidem Wachstum befindet - das ist übrigens eine weitere Sache, die es mit meiner Heimat Brasilien verbindet. Morgen Nachmittag fangen wir dann mit den üblichen Besprechungen mit den Ingenieuren an, um uns auf das Rennen vorzubereiten."

Ein Rennen, das für Massa nach den vergangenen Enttäuschungen von großer Bedeutung ist: "Ich hoffe wirklich, dass ich diesmal von Freitag an einen normalen Grand Prix ohne Probleme haben werde. Das ist fundamental, um am Ende ein gutes Ergebnis zu holen. Ich weiß, dass es nicht leicht wird - auch, weil ich nicht glaube, dass wir mit neuen Elementen rechnen dürfen, zumindest nicht kurzfristig. Wir müssen den letzten Tropfen herauspressen - so, wie es Fernando in Australien und Malaysia gelungen ist."

Um dies zu schaffen, bereitete sich Massa nach dem Malaysia-Grand-Prix in Maranello vor: "Ich habe mit dem Simulator gearbeitet, um auf die kommenden zwei Rennen so gut vorbereitet wie möglich zu sein, und habe jedes kleinste Detail, das in Melbourne und Sepang nicht funktioniert hat, genau studiert, um es in China und Bahrain hinzubekommen."

Widerstand gegen enorme Kritik

Das wird notwendig sein, denn der Druck auf den Schultern des Ferrari-Piloten ist enorm: "Es handelt sich für mich um eine knifflige Zeit, und es kann so nicht weitergehen, und ich will auch nicht, dass es so weiter geht - das ist sicher. Ich weiß, dass ich von außen stark kritisiert werde, aber daran habe ich mich gewöhnt, denn es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass das passiert. Ich habe das Gefühl, dass mir das Team vertraut, und das ist das Einzige, was zählt. Da ich die Erfahrung schon mehrmals in der Vergangenheit gemacht habe, braucht es oft nur sehr wenig, damit das Pendel vom Negativen ins Positive umschwingt."

Im Vorjahr kam Massa in Schanghai sogar vor Alonso ins Ziel: "Ich beendete das Rennen als Sechster, und ich bekam erst in der Endphase auf den härteren Reifen Probleme, weil ich nicht das gleiche Tempo gehen konnte wie auf der weichen Mischung. Das war schade, denn in der 43. Runde war ich noch Zweiter. Ich war schon zwei Mal in Schanghai auf dem Podest: 2007 auf der dritten und 2008 auf der zweiten Stufe."

Lange Gerade schadet Ferrari

Die Strecke selbst könnte es Ferrari aufgrund der mehr als einen Kilometer langen Geraden schwer machen: "Es gibt viele verschiedene Kurven und eine sehr lange Gerade, wo man sogar vor den Zeiten von DRS überholen konnte. Dieses Jahr werden wir sicher etwas leiden, vor allem beim Topspeed, und daher wird es für uns nicht leicht werden. Dennoch ist es noch lange nicht sicher, dass der Schnellste am Ende gewinnt..."

Technikchef Pat Fry erklärt die Charakteristik des Schanghai International Circuit: "Es gibt lange langsame Kurven, wo die Front des Autos wichtig ist. Außerdem muss man gleichzeitig bremsen und einlenken, daher ist es besonders wichtig, von der ersten in die zweite Kurve Speed mitzunehmen. Es gibt aber auch ein paar schnelle Kurven und die 1,3 Kilometer lange Gerade - die DRS-Zone am Ende sollte das Rennen interessant machen."

Fotoquelle: xpbimages.com

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.