Massa in Schanghai: Abseits der Piste ist ihm das Lachen noch nicht vergangen

Formel 1 2012

— 12.04.2012

Massa und die Suche nach dem Wohlfühl-Faktor

Ferrari-Pilot Felipe Massa setzt sich selbst unter großen Druck, Leistung zu bringen - Teamchef Stefano Domenicali stärkt ihm (noch) den Rücken



Felipe Massa ist derzeit nicht zu beneiden. Der aufgrund seines schwachen Saisonstarts massiv in die Kritik geratene Ferrari-Pilot will beim Grand Prix von China an diesem Wochenende seine Kritiker, sein Team und nicht zuletzt sich selbst überzeugen und endlich seine ersten WM-Punkte des Jahres einfahren. Das Problem dabei: Mit dem Ferrari F2012 verfügt er über alles andere als die optimalen technischen Voraussetzungen.

Im Bemühen, die Probleme des Autos zu umfahren, leistete sich Massa in Melbourne und Sepang den einen oder anderen Fahrfehler und setzte sich so nur noch stärker unter Druck. "Ich habe seit Malaysia viele Tage in Maranello verbracht, um gemeinsam mit den Ingenieuren zu verstehen, was bei den beiden vergangenen Rennen schief gelaufen ist", so der Brasilianer bei seiner Ankunft am Shanghai International Circuit.

Rubens Barrichellos gut gemeinter Rat

Massas Landsmann Rubens Barrichello - seines Zeichens langjähriger Ferrari-Fahrer und heutiger IndyCar-Pilot - gab dem 30-Jährigen in der vergangenen Woche einen gut gemeinten Rat: "Er muss jetzt seine Augen schließen, es genießen und sich daran erinnern, dass er das, was er macht, gerne tut." Massas gegenwärtiges Problem sei laut Barrichello "keine Frage seines Speeds, sondern etwas, das er selber lösen muss".

Angesprochen auf die Aussagen Barrichellos entgegnet Massa in Schanghai: "Ich glaube, er hat recht. Ich muss mich jetzt einfach entspannen, um meinen Job so gut wie möglich zu erledigen." Mit einem guten Wochenende in China hofft die gegenwärtig noch ohne WM-Punkt dastehende Nummer zwei im Ferrari-Team auf einen "Neustart in meine Saison". "Ich bin nicht zum ersten Mal in dieser Situation und weiß damit umzugehen", macht sich Massa Mut.

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard hat zum Thema Massa und Ferrari seine ganz eigene Meinung. "Das Team wird ihn unterstützen solange es geht", gibt sich der Schotte überzeugt. Massas Boss Stefano Domenicali bestätigt dies. "In dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass wir Felipe das Gefühl geben, dass wir hinter ihm stehen", so der Ferrari-Teamchef gegenüber 'Sky Sports'.

"Jeder Fahrer macht irgendwann in seiner Karriere eine schwierige Zeit durch. Ich habe Felipe daher den Rat gegeben, auf Medienberichte in Bezug auf seine Person nicht zu achten, es sei denn er ist stark genug zu wissen, dass diese Kommentare für uns nicht von Relevanz sind", so Domenicali, der dem Brasilianer damit den Rücken stärkt.

"Wir geben ihm alles, was er braucht", versichert der Ferrari-Teamchef. "Worauf ich aber vor allem hoffe ist, dass er hier ein reibungsloses Wochenende erlebt, und jedem zeigen kann, wozu er fähig ist. Für ihn ist es in erster Linie ein mentaler Kampf, in dem er sich zunächst sich selbst gegenüber beweisen muss. Wir alle glauben an ihn", sagt Domenicali.

Coulthard sieht Ferrari gründsätzlich im Hintertreffen

Diese Phase wird laut Coulthard aber nicht ewig andauern. "Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich das Team über die Zukunft Gedanken machen muss", so der Schotte gegenüber 'Autosport'. "Ohne Felipe niederreden zu wollen, muss man sich schon fragen, was Ferrari glauben ließ, dass es bei ihm in diesem Jahr anders laufen wird als im vergangenen."

Die Gerüchte über eine mögliche Massa-Ablösung durch Sergio Perez halten sich nicht erst seit dem Husarenritt des Mexikaners in Sepang hartnäckig. Coulthard ist jedoch nicht überzeugt, dass Ferrari mit einer sofortigen Verpflichtung des Sauber-Piloten - der dem Ferrari-Nachwuchskader entstammt - geholfen wäre: "Angesichts der derzeitigen Lage glaube ich nicht, dass sie mit Perez besser dastehen würden. Ohne konstante Verbesserungen am Auto können sie in diesem Jahr ohnehin nicht um den Titel mitfahren."

So bezeichnet der 13-fache Grand-Prix-Sieger Coulthard "das Ignorieren von Massas gegenwärtigen schwachen Leistungen im Endeffekt als die richtige Strategie". Man dürfe nicht vergessen, dass die Scuderia "im Laufe der Jahre jede Menge Rennen und Weltmeisterschaften gewonnen hat und weiß, was zu tun ist".

Wohlfühl-Faktor derzeit nicht vorhanden

Ex-Bridgestone-Chefentwickler Hirohide Hamashima, der bei Ferrari in diesem Jahr als Bindeglied zum Reifenhersteller Pirelli fungiert, verweist darauf, dass Massa gegenwärtig vor allem der Wohlfühl-Faktor im Auto fehlt. "Wenn Felipe ein Auto hat, in dem er sich wohlfühlt, dann ist er sehr, sehr schnell. Das konnte man mehrfach bei den Rennen in der Türkei sehen", so der Japaner mit Blick auf die drei Massa-Siege in Istanbul, die allerdings allesamt vor seinem Unfall in Budapest 2009 zu Stande kamen.

Seit seinem Comeback zu Beginn der Saison 2010 lässt Massa die aus der Vergangenheit gewohnte Lockerheit vermissen. Hamashima führt dies nicht zuletzt auf das Material aus Maranello zurück. "Mit unserem aktuellen Auto müssen wir es noch hinbekommen, dass er sich darin wirklich wohlfühlt. Gelingt uns das, dann zeigt er sicherlich auch wieder stärkere Leistungen", ist der Reifenspezialist überzeugt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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