Michael Schumacher zeigt, dass der Schanghai-Kurs dem Mercedes liegt

Formel 1 2012

— 13.04.2012

Bestzeit für Schumacher: Pole-Favorit in Schanghai?

Dank F-Schacht flog Michael Schumacher auf den Geraden Lewis Hamilton davon, aber McLaren und Red Bull bleiben Favoriten auf den Sieg beim China-Grand-Prix



Nachdem McLaren-Pilot Lewis Hamilton heute Morgen bei wechselhaften Bedingungen dominiert hatte, stand das zweite Freie Training zum Grand Prix von China in Schanghai ganz im Zeichen von Michael Schumacher. Der Mercedes-Superstar sicherte sich auf jener Strecke, auf der er 2006 seinen 91. und bisher letzten Grand-Prix-Sieg gefeiert hatte, die Tagesbestzeit.

Schumacher absolvierte 32 Runden auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit und zählte damit zu den sechs fleißigsten Piloten der 90-minütigen Session. Auf den zweitplatzierten Hamilton hatte er 0,172 Sekunden Vorsprung. Interessant: Die Auswertung der Sektorenzeiten ergibt, dass Hamilton im kurvenreichen ersten Sektor um zwei Zehntelsekunden schneller war als Schumacher, dafür aber auf der längsten Gerade im Formel-1-Zirkus gleich vier Zehntelsekunden verlor.

Vorteil Mercedes - aber nur im Qualifying?

Da fällt einem sofort das Stichwort DRS ein - das System wurde gestern von der FIA für legal erklärt, ist aber nur in Training und Qualifying ein echter Vorteil. "Die Strecke kommt ihnen entgegen", sagt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer über Mercedes. "Es gibt zwei lange Geraden und auch zwischen den Kurven kurze Stücke, wo der F-Schacht ein Vorteil ist. Sie sind heißer Favorit auf die Pole-Position, aber im Rennen werden sie zurückfallen, glaube ich."

Warum Nico Rosberg (5.) um mehr als eine halbe Sekunde langsamer war als sein Teamkollege, entzieht sich unserer Kenntnis. Auffällig war aber, dass die Silberpfeile wieder mit dem hohen Reifenverschleiß zu kämpfen hatten, denn während Hamilton und Co. bei den Longrun-Übungen am Ende noch munter 1:42er- und 1:43er-Zeiten fahren konnten, cruisten Schumacher/Rosberg eher im Bereich zwischen 1:44 und 1:45 Minuten.

"Mit wenig Benzin an Bord waren wir ziemlich gut", erklärt Teamchef Ross Brawn. "Man konnte sehen, dass Michael gut in Form ist. Schön, ihn so stark zu sehen. Wir haben viel am vollgetankten Auto gearbeitet, denn darin lag in den vergangenen Rennen eindeutig unsere Schwäche. Es sah heute ganz okay aus. Allerdings wissen wir nicht, wie vollgetankt die Autos der Konkurrenz waren." Ziel für Sonntag: "Viele Punkte", stellt er klar. "Bisher haben wir nur einen einzigen geholt. Unser Team ist besser und unser Auto auch."

Mercedes auf den Geraden am schnellsten

In Sachen Topspeed war Mercedes mit je 320 km/h Spitze. Hamilton kam an diese Werte nicht heran, obwohl er die Haarnadelkurve nach der langen Gegengerade mehrfach zu spät anbremste. "Wahrscheinlich hat er vergessen, dass er vollgetankt wurde", grinst Experte Surer. Trotzdem war der zweifache Polesetter jederzeit flott unterwegs. Ob nun sein Getriebe gewechselt werden muss, was ihm in der Startaufstellung eine Rückversetzung um fünf Positionen bescheren würde, ist derzeit nicht bekannt.

Für Teamkollege Jenson Button lief es nicht ganz so gut: 0,738 Sekunden Rückstand, sechster Platz. Wirkte er zunächst noch recht zufrieden mit dem Setup, so klagte er nach dem schnellen Run auf Pirelli-Mediums erst über Untersteuern, besonders in langsamen Kurven, und dann über blockierende Vorderräder. "Noch dazu das äußere Rad, was wirklich seltsam ist", so der McLaren-Pilot, der am Nachmittag 28 und insgesamt gerade mal 34 Runden absolvierte.

Bei Red Bull standen die Vergleichstests mit den beiden Auspuffsystemen im Mittelpunkt. Schneller war diesmal Sebastian Vettel, für den die ältere Version von den Wintertests adaptiert wurde: Platz drei, 0,187 Sekunden hinter Schumacher. Webber war mit der beim letzten Barcelona-Test eingeführten Spezifikation des Auspuffs im ersten Sektor um eine und im dritten um zwei Zehntelsekunden langsamer und wurde Vierter.

Vettel mit Zwischenbilanz zufrieden

"Es war ein ganz guter Tag für uns, mit den Sachen, die wir probiert haben", bilanziert Vettel. "Ich fühle mich soweit wohl im Auto - es fühlt sich ein bisschen besser an, alles kommt ein bisschen mehr zusammen. Jetzt schauen wir uns mal den Vergleich mit Mark an, was dann das Beste ist für morgen. Die beiden Pakete waren sehr unterschiedlich. Ich bin viele Schritte zurückgegangen, Mark einen weiter nach vorne. Das müssen wir uns jetzt anschauen und die Ergebnisse vergleichen."

Kamui Kobayashi (Sauber/+0,983), Paul di Resta (+0,993), Nico Hülkenberg (beide Force India/+1,218) und Fernando Alonso (Ferrari/+1,343) rundeten die Top 10 ab. Ferrari und Sauber scheinen nach dem ungewöhnlichen Rennen vor drei Wochen in Malaysia also wieder auf dem Boden der Realität angekommen zu sein. Sergio Perez (Sauber) wurde heute Elfter, überstand aber eine Schrecksekunde, als er mit enormen Vibrationen an der Vorderachse ohne Schaden an die Box zurückfahren konnte.

Ansonsten gab es zahlreiche Ausritte, die wegen der weitläufigen Auslaufzonen in Schanghai großteils ohne Folgen blieben. Für den einzigen Crash des Tages sorgte Timo Glock, der seinen Marussia in der ersten Kurve in die Mauer setzte und lange im Cockpit sitzen blieb, am Funk zunächst eine Verletzung meldete. Aber seine Medienbetreuerin gab binnen Minuten per SMS Entwarnung: "Timo ist okay." Was der dann auch selbst bestätigte: "Mir geht es gut, kein Problem."

Frontpartie beim Einschlag schon weg

"Zuerst kam es mir so vor, als hätte ich Schmerzen in der linken Hand, aber das war nur unmittelbar nach dem Einschlag", so der 21. der Session, der "keine Ahnung" hat, "was passiert ist. Ich kam in der ersten Kurve an und das Auto fuhr einfach geradeaus weiter. Wir hatten einige neue Teile am Auto. Ich hoffe, dass die dabei nicht kaputt gegangen sind." Im Replay war zu sehen, dass sich die komplette Frontpartie gelöst hatte. Glock: "Ich weiß nicht, wann sie sich gelöst hat. Das habe ich erst gesehen, als ich ausgestiegen bin."

Die stärker eingeschätzten Lotus- und Toro-Rosso-Piloten schafften diesmal nicht den Sprung in die Top 10 - auch nicht Daniel Ricciardo (12./+1,643), der sich einen Umbau der Lenkung gewünscht hätte, der in der Kürze der Zeit nicht möglich war, oder "Iceman" Kimi Räikkönen (14./+1,863), dessen E20 mehr als einmal neben der Strecke gesehen wurde. Die Lotus-Updates sollen dieses Wochenende zwei Zehntelsekunden bringen, doch andere Teams scheinen sich deutlicher gesteigert zu haben.

Wenig auffällig auch Williams, wenngleich man anmerken muss, dass die Freitagszeiten in der Regel nicht auf die Goldwaage gelegt werden sollten. Sehr wohl kann man allerdings davon ausgehen, dass der 107-Prozent-Cut an diesem Wochenende für niemanden ein Problem darstellen wird - bis auf Freitagstester Jules Bianchi, der seine beste Zeit auf Force India bei feuchten Bedingungen erzielt hatte, lagen alle komfortabel unter der heutigen Richtzeit von 1:42.691 Minuten.

Fotoquelle: xpbimages.com

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