Fernando Alonso und Felipe Massa kämpfen im F2012 auf verlorenem Posten

Formel 1 2012

— 16.04.2012

Ferrari denkt langfristig

In Maranello macht man sich nichts vor und rechnet in Bahrain erneut mit einem schwierigen Rennen - Fernando Alonso: "Müssen ehrlich zu uns selbst sein"



Nach dem Sieg in Sepang als überraschender WM-Führender nach Schanghai gereist, beendete Ferrari-Pilot Fernando Alonso den Grand Prix von China mit mehr als einer halben Minute Rückstand auf Sieger Nico Rosberg als Neunter. Teamkollege Felipe Massa kam auf Platz 13 ins Ziel und fährt seinem ersten WM-Punkt anno 2012 weiter hinterher.

Bei trockenen Bedingungen auf dem Shanghai International Circuit wurden die gegenwärtigen Defizite des F2012 gnadenlos aufgedeckt. Alonso machte vor allem in puncto Traktion und Topspeed Nachteile gegenüber der Konkurrenz aus und konnte von seiner Dreistoppstrategie nur bedingt profitieren, da das Überholen angesichts der Nachteile entsprechend schwierig war.

So macht sich Alonso, der in der WM-Wertung gegenwärtig mit acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton als Dritter geführt wird, keine Illusionen: "Derzeit denken wir nicht an die Weltmeisterschaft. Bei sechs Qualifyings mit unseren beiden Autos in diesem Jahr waren wir vier Mal nicht in Q3."

Platz neun in Schanghai nicht das wahre Potenzial

"Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein", plädiert Alonso. "Es war toll, als WM-Führender nach China zu kommen und es ist gut, jetzt immerhin noch Dritter zu sein. Es steht aber außer Frage, dass wir derzeit kein wettbewerbsfähiges Auto haben." Dennoch hat der Spanier Hoffnung. "Das Potenzial des Autos ist nicht so schlecht, wie es unsere Platzierung vermuten lässt", sagt er mit Blick auf Platz neun in Schanghai und bezeichnet Rang sechs als ein realistisches Ziel, das erreichbar gewesen wäre.

"Ich hätte vor Maldonado, Grosjean und Senna einlaufen können, durch die Dreistoppstrategie steckte ich im letzten Stint aber im Verkehr fest", analysiert Alonso, der seine Überholmanöver allesamt in Kurve eins vollzog, da die Topspeed-Defizite des F2012 auf der langen Gegengeraden besonders stark zum Tragen kamen. "Nach meinem letzten Stopp kämpfte ich gegen Hamilton. Er wurde Dritter, ich Neunter", beklagt der zweifache Weltmeister rückblickend.

Skepsis im Vorfeld des Bahrain-Grand-Prix

So erwartet Ferrari auch beim anstehenden Grand Prix von Bahrain ein schwieriges Wochenende. "Dass ich mit der gegenwärtigen Situation nicht zufrieden bin, liegt auf der Hand", sagt Teamchef Stefano Domenicali. "Mit einem schnellen Auto lässt sich viel besser reagieren als mit einem, das von Beginn an im Hintertreffen war."

Der Italiener erwartet nun schnelle Reaktionen aus Maranello, "denn wir müssen unseren Fahrern ein Auto zur Verfügung stellen, dass deutlich wettbewerbsfähiger ist als das aktuelle". Auf die absolute Spitze fehlt der Scuderia mit dem F2012 derzeit rund eine Sekunde pro Runde. Auf dem Bahrain International Circuit, der sich sowohl durch lange Geraden als die eine oder andere enge Kurve auszeichnet, werden die Topspeed- und Traktionsnachteile des roten Boliden erneut schwer ins Gewicht fallen.

Zwar gibt es in der laufenden Saison, die mit drei verschiedenen Siegern bei drei Rennen startete, kein Team, das absolut dominiert, für Domenicali ist das jedoch nur ein schwacher Trost. "Die Situation verändert sich regelmäßig, aber eines ist Fakt: Wir können derzeit nicht ganz vorn mitfahren. Ich glaube nicht, dass unsere Techniker alles verlernt haben. Insofern erwarte ich eine zügige Reaktion von ihnen", so der Ferrari-Teamchef.

Neuer Auspuff für Barcelona

Technikchef Pat Fry jedenfalls sieht keine allzu kurzfristige Lösung der Probleme kommen: "Es geht nicht einfach nur darum, ein schnelleres Auto zu bauen. Wir müssen unsere grundsätzliche Methodik hinsichtlich Fahrzeugdesign und Teileherstellung hinterfragen, um auf lange Sicht gesehen wettbewerbsfähig zu sein."

Hauptaugenmerk dabei liegt auf dem Bereich Aerodynamik, wie Fry zugibt. "Die Aerodynamik ist sicher der Aspekt, der für die größten Unterscheide zwischen den Teams sorgt. Auf diesem Gebiet gibt es für uns einige Probleme zu lösen", so der Technikchef im Hinblick auf die falschen Werte, die der Ferrari-eigene Windkanal schon bei der Weiterentwicklung des letztjährigen 150° Italia lieferte.

"Wir müssen uns genau ansehen, wie der Windkanal funktioniert, wie verlässlich sich die Erkenntnisse auf die Strecke übertragen lassen und inwiefern wir diese in die Simulationen einfließen lassen, um einen Schritt nach vorn machen zu können. Wir arbeiten derzeit an allen Fronten", versichert Fry.

Ein erstes umfangreiches Update für den F2012 wird es beim fünften WM-Lauf des Jahres in Barcelona (13. Mai) geben. Beim unmittelbar vorher stattfindenden Mugello-Test sollen die neuen Teile - unter anderem eine veränderte Auspufführung - erstmals am Auto probiert werden. Alonso erwartet allerdings keine Wunder. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir damit auf einen Schlag eine Sekunde schneller sein werden", so der Spanier.

Fotoquelle: Ferrari

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