Motorsportkonsulent Helmut Marko kennt Sebastian Vettels Probleme

Formel 1 2012

— 17.04.2012

Red Bull bleibt beim "neuen Auspuff" - Vettel im Nachteil?

Obwohl Vettel mit dem alten Auspuff besser zurechtkam, setzt Red Bull ab sofort nur noch auf das neue Modell - Helmut Marko erklärt, warum Webber derzeit im Vorteil ist



Red Bull trat in China mit einer unkonventionellen Strategie auf: Die beiden Boliden wurden mit unterschiedlichen Heckpartien ausgestattet - Mark Webber fuhr das neue Auspuffsystem, während Sebastian Vettel eine Variante einsetzte, die man in ähnlicher Form bereits bei den Testfahrten sah. Der Grund: Das Team war sich über die zukünftige Entwicklung des RB8 uneins und wollte daher einen Vergleichstest durchführen, zumal bei den Tests der Eindruck entstanden war, dass der Bolide mit dem neueren Auspuff nicht mehr so stabil liegt wie davor.

Doch wer nach dem Freitag-Training mit einer Entscheidung rechnete, der hatte sich getäuscht: Vettel zeigte sich mit dem alten Auspuffsystem zufrieden - er befand, dass die Balance des Autos damit besser war als in den Rennen davor. Für Webber kam allerdings ein Rückschritt auf das alte System nicht in Frage: "Wir wissen eigentlich, in welche Richtung wir mit dem RB8 gehen müssen. Dadurch ist das Update, das ich an meinem Fahrzeug immer noch fahre, eigentlich erst entstanden."

Kein Wunder, denn der Mann aus Down Under, der im Vorjahr hinter dem Weltmeister ganz klar die zweite Geige spielte, kommt dieses Jahr mit dem RB8 besser zurecht als sein Teamkollege - ein Vorteil, den er auf keinen Fall verspielen möchte . Teamchef Christian Horner gibt sogar offen zu, dass der neue Auspuff für Vettel nicht optimal ist: "Die neuere Variante hat gewisse Eigenschaften, die Sebastian nicht so mag. Man muss mit dem Wagen sehr viel Speed mit in die Kurven nehmen."

Red Bull setzt auf Webbers Lieblingslösung

Dass es überhaupt zum Vergleichstest kam, war laut Horner aber nicht auf Vettels Wunsch entstanden, sondern einzig und alleine auf Stardesigner Adrian Newey zurückzuführen, der "einen direkten Vergleich" wollte. Doch selbst nach dem Rennen gab man sich bei Red Bull bedeckt - nun werde man erst einmal die Daten analysieren und dann eine Entscheidung treffen.

Das ist jetzt passiert, wie Red Bulls Motorsport-Konsulent Helmut Marko gegenüber 'ServusTV' bekanntgibt - und zwar zugunsten Webbers. "Wir werden auf das Modell von Webber gehen", sagt der Österreicher und erklärt dies damit zur Entwicklungsrichtung des Teams. Das Team habe sich nach dem Rennen in China für eine "einheitliche technische Abstimmung" entschieden. Vettel muss sich daher seinem Teamgefährten beugen, der im Gegensatz zum Deutschen stets die modifizierte Auspufflösung bevorzugt hatte.

Das wird dem Selbstvertrauen Vettels, der im Vorjahr 15 Pole-Positions holte und dieses Jahr im Qualifying-Duell mit 0:3 zurückliegt, vermutlich nicht gerade zuträglich sein. Zumal Marko verrät, dass dieses nach dem schwachen Saisonstart ohnehin schon gelitten habe. "Vettel hat eine Eigenschaft, die ihn über alle anderen Piloten stellt", meint Marko. "Er kann sich mental auf eine Qualifying-Runde einstellen, er fährt dann 110 Prozent und liefert das im Regelfall ab. Dieses Jahr gelingt das nicht, weil er weder das Vertrauen ins Auto hat, noch das Auto kalkulierbar reagiert."

Webbers Vorteil

Warum Webber darunter nicht so leidet wie Vettel? "Mark ist gegenüber dem Fahrverhalten unempfindlicher", gibt Marko interessante Einblicke. "Er braucht vier Räder, und damit lebt er dann. Er stellt sich dann darauf ein, wie die reagieren. Vettel kann das nicht."

Dem Motorsport-Konsulenten fällt auf, dass der RB8 auch die Grenzen von Webbers Anpassungsfähigkeit aufzeigt: Wäre es dem "Aussie" gelungen, seine Rundenzeit aus Q2 in Q3 zu wiederholen, dann wäre der Red-Bull-Pilot vom dritten Startplatz aus ins Rennen gegangen. "Aber auch er konnte diese Zeit nicht wiederholen - zum einen, weil er unter Druck stand, zum anderen, weil das Auto bei kleinsten Temperaturunterschieden völlig unterschiedlich reagiert", erklärt Marko.

Vettels Selbstvertrauen angeknackst

Vettels Schwäche ist aber dieses Jahr weitaus eklatanter. Der ehemalige Le-Mans-Sieger gibt ein Beispiel: "Normalerweise fahren die Piloten bei ihrer schnellsten Runde auch jeweils die schnellsten Sektorenzeiten. Dieses Jahr hat es Vettel noch nicht geschafft, dass die besten Zeiten in der besten Rundenzeit vorhanden sind - das ist völlig ungewöhnlich."

Er führt dies auf mangelndes Selbstvertrauen zurück: "Das Auto ist nicht gut und gibt kein Vertrauen - das erschüttert natürlich auch das Selbstvertrauen von Vettel. Dadurch macht er Fehler, die er vorher nicht gemacht hat."

Der Weltmeister ist in dieser Hinsicht sensibler als sein Teamkollege, weiß Marko: "Vettel braucht ein Auto, das gewisse Voraussetzungen erfüllt, damit er den Vettel-Faktor ausspielen kann. Das bietet unser Auto nicht. Durch dieses mangelnde Vertrauen von ihm macht er auch Fehler."

Fotoquelle: Red Bull

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