Nicht nur bildhübsch, sondern auch schnell: Williams-Neuzugang Susie Wolff

Formel 1 2012

— 18.04.2012

Susie Wolff: Vorerst kein Young-Driver-Test?

Gespräch mit Williams-Entwicklungsfahrerin Susie Wolff: Wie sie zu ihrer Formel-1-Chance gekommen ist und was sie daraus machen möchte



Die Bekanntgabe, dass Susie Wolff (geborene Stoddart) ab sofort vierte Fahrerin bei Williams ist - offiziell wird sie als Entwicklungspilotin bezeichnet -, wurde im Formel-1-Paddock eher belächelt: "Wenn ihr Ehemann Chef und Teilhaber bei Williams ist, dann kann man seine Frau ja als Testfahrer unterbringen", spielt Experte Marc Surer gegenüber 'Sky' auf die Tatsache an, dass die blonde Mercedes-DTM-Pilotin seit Oktober mit Williams-Großaktionär Toto Wolff verheiratet ist.

Generell hält Surer den derzeitigen Trend zu Frauenpower in der Formel 1 eher für eine Marketing-Masche als für ernsthafte Ambition. Verwundert zeigt er sich nämlich auch über Marussia-Testfahrerin Maria de Villota: "De Villota ist mit 30 Jahren 'Young Driver' und Susie ist Entwicklungsfahrerin. Das ist eine sehr mutige Bezeichnung für eine Tourenwagen-Fahrerin, dass sie jetzt plötzlich Formel 1 entwickeln kann. Aber okay, sie bringt Farbe in die ganze Geschichte und wir sehen sie gern", schmunzelt der 82-fache Grand-Prix-Teilnehmer aus der Schweiz.

Wolff sieht sich derzeit vielen solchen Stimmen ausgesetzt, lässt diese aber so gut es geht von sich abprallen. Zwar nimmt dem Williams-Team niemand ab, dass sie auch ohne ihren Ehemann zu dieser Chance gekommen wäre, aber Wolff hofft, dass man sie erst nach getaner Arbeit anhand ihrer tatsächlichen Leistungen beurteilen wird. Immerhin hat sie in sechs Jahren DTM schon zweimal Punkte geholt und damit bewiesen, dass sie im Männer-Motorsport keineswegs automatisch Letzte sein muss.

Neue Chance abseits der DTM

Frage: "Susie, wie kam es dazu, dass du Williams-Entwicklungsfahrerin wurdest?"
Susie Wolff: "Nach sechs Jahren in der DTM würde jeder nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten. Mir war aber wichtig, dass es eine echte Gelegenheit ist und kein PR-Gag, bei dem ich nur kurz ins Auto steige und dann gleich wieder raus bin. Ich fahre Rennen, seit ich acht Jahre alt bin - da wollte ich so etwas natürlich nicht."

Frage: "Wann hast du zum ersten Mal von der Idee gehört?"
Wolff: "Im Winter. Mein erster Gedanke war: 'Fantastisch!' Ich musste aber mit Norbert (Haug, Mercedes-Sportchef; Anm. d. Red.) reden, denn ich bin Mercedes-Fahrer. Natürlich wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, aber ich wollte auch meinen Platz in meinem DTM-Team nicht verlieren. Für mich ist wichtig, Rennen zu fahren, und ich möchte in der DTM noch viel erreichen. Norbert und Mercedes unterstützen mich aber, was sehr freundlich ist."

Frage: "Wirst du auch tatsächlich einmal im Formel-1-Auto testen?"
Wolff: "Hundertprozentig. Es ist kein PR-Gag. Ich habe schon begonnen, im Simulator zu testen, und werde auch zwei Geradeaus-Tests absolvieren. Dann kommen die richtigen Tests, die mir Gelegenheit geben, einmal festzustellen, wozu ich mit diesem Auto in der Lage bin, und auch das Team kann dann feststellen, ob ich es in einem Formel-1-Auto zu etwas bringen kann."

Frage: "Wirst du dieses Jahr den Young-Driver-Test bestreiten?"
Wolff: "Valtteri Bottas ist Williams' dritter Fahrer. Wegen meines DTM-Programms halte ich es nicht für realistisch, mich in Abu Dhabi mit ihm zu messen. Mein Vertrag ist nicht kurzfristig - es wird irgendwann in der Zukunft passieren. Mir ist aber völlig klar, dass Valtteri dritter Fahrer ist und dass er wichtige Aufgaben zu erledigen hat. Ich glaube daher nicht, dass ich in Abu Dhabi sein werde."

Kein Problem mit Ecclestone

Frage: "Bernie Ecclestone ist schon öfter durch feministische Witze aufgefallen. Was sagst du zu seinen Bemerkungen?"
Wolff: "Ach, Bernie meint das doch gar nicht so. Natürlich achte ich darauf, wie ich aussehe - das tut doch jeder. Aber ich bin hier, weil ich Rennfahrer bin, nicht weil ich eine Frau bin. Das ist halt zufällig so. Ich habe mir meine Chance in der Formel 1 verdient und möchte sie mit beiden Händen ergreifen. Die Leute, die sagen, ich sei nur hier, weil ich ein Mädchen bin und die Ehefrau eines Williams-Vorstands, sind mir egal. Solche Kommentare wird es immer geben. Entweder lässt man sich davon runterziehen oder man schaut einfach nach vorne."

Frage: "Glaubst du, dass du eines Tages auch ein Formel-1-Rennen bestreiten wirst?"
Wolff: "Es ist wichtig, dass ich nicht zu laufen beginne, wenn ich noch gar nicht gehen kann. Das habe ich auch vor meiner DTM-Premiere mit Mercedes gesagt. Ich wollte das Beste aus der Chance machen - und sechs Jahre später bin ich immer noch dort. Ich gebe mich keinen unrealistischen Träumereien hin."

"Wenn man sieht, wie umkämpft die Formel 1 ist, wie viele Weltklasse-Fahrer im Qualifying in Schanghai innerhalb von ein paar Zehntelsekunden lagen, auf so einer langen Strecke, mit unterschiedlichen Autos und Motoren - das zeigt, dass die Formel 1 die Königsklasse ist. Schauen wir mal, wo das alles hinführt. Hoffentlich kann ich genug beeindrucken, sodass ich weitere Gelegenheiten erhalte."

Schon gegen viele Topfahrer angetreten

Frage: "Gegen welche Formel-1-Fahrer bist du schon angetreten?"
Wolff: "Lewis (Hamilton), Nico (Rosberg). Vettel ist zu jung. DC (David Coulthard) und Ralf (Schumacher). Paul (di Resta). Jenson (Button) war immer eine Altersgruppe über mir. Alonso und Massa im Kart. Und Mika (Häkkinen; Anm. d. Red.) sowie Frentzen."

Frage: "Wie groß ist der Unterschied zwischen Formel 1 und DTM?"
Wolff: "Die DTM ist eine harte Meisterschaft. Das Niveau der Fahrer - Gary Paffett, Jamie Green - ist erstklassig. Ich bin mir sicher, dass die alle sehr erfolgreich wären, wenn sie eine Chance in der Formel 1 bekämen. Und dieses Jahr kommt BMW mit dem dreifachen Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx. Das Niveau ist sehr hoch. Paul hat ja gezeigt, dass man aus der DTM in die Formel 1 umsteigen kann. Er wurde sofort zum Star, weil er so schnell war. Das zeigt, wie stark die DTM ist."

Frage: "Warst du bei den Ingenieurs-Briefings dabei? Und wie groß ist da der Unterschied zur DTM?"
Wolff: "Die Formel 1 ist das höchste Niveau im Motorsport, aber die DTM ist gar nicht so weit weg, muss ich sagen. Natürlich spielt sich die Formel 1 weltweit ab und natürlich ist mehr Geld dahinter, aber bei HWA in Affalterbach ist das technische Niveau ebenfalls sehr hoch."

Frage: "Was muss passieren, damit es irgendwann eine Frau in ein Grand-Prix-Cockpit schafft?"
Wolff: "Eine Frau, die in die Formel 1 will, muss in einer Serie wie der GP2, der GP3, der Formel 3 erfolgreich sein. Du musst gegen die besten Jungs bestehen, bevor du erwarten kannst, eine Chance in der Formel 1 zu erhalten. Wenn du dich nicht in einer dieser Meisterschaften beweisen kannst, gibt es keinen Grund, warum dir ein Team eine Chance geben sollte."

Augenöffner für andere Teams?

"Williams investiert in mich. Sie sagen sich: 'Wir investieren Zeit und Energie und Ressourcen, um zu sehen, was Susie im Auto leisten kann.' Dazu war sonst kein Team bereit. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht führt es in Zukunft zu mehr. Wenn nicht, dann hat es wenigstens einigen Teams die Augen geöffnet."

Frage: "Dein Ehemann ist früher auch Rennen gefahren. Wer von euch beiden ist eigentlich schneller?"
Wolff: "Das haben wir noch nie ausprobiert (lacht; Anm. d. Red.)! Er lässt mich jedenfalls nicht fahren, wenn er Beifahrer ist - dafür ist er viel zu nervös. Er ist kein guter Beifahrer, aber ich bin auch in einem Straßenauto kein guter Fahrer! Er hat da seine eigene Meinung..."

Frage: "Warum tun sich Frauen im Motorsport so schwer?"
Wolff: "Es gibt nur drei Sportarten, in denen Frauen gleiche Voraussetzungen haben wie Männer: Segeln, Reiten und Motorsport. Frauen haben weniger Muskeln. Es gibt Unterschiede, die kann man nicht leugnen. Ich würde das aber nicht machen, wenn ich mir keine Chance ausrechnen würde. Es ist hart, weil der Motorsport eben hart ist. Es ist eine Männerwelt, aber ich liebe das Rennfahren. Mir geht es nicht darum, den Beweis zu erbringen, dass Frauen Rennen fahren können, sondern ich habe einfach Spaß daran."

Frage: "Du hast schon mit acht Jahren das Kartfahren angefangen. Wie kommt man als junges Mädchen auf diese Idee?"
Wolff: "Mein Vater hat in Schottland ein Motorrad-Geschäft. Wir sind mit ihm immer zu den Motorrad-Rennstrecken gefahren. Mein Bruder und ich sind immer Funkarts gefahren, und mit acht Jahren habe ich mein eigenes Kart bekommen. Ich bin nicht sofort schneller gefahren als die anderen, sondern am Anfang hatte ich Angst. Aber ich hatte das Glück, einen älteren Bruder zu haben, der auch Rennen fuhr. Er war nicht schlecht. Da dachte ich mir: 'Was der kann, kann ich auch!' Das hat mich angestachelt."

Fotoquelle: Williams

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