Jenson Button erwartet weiterhin viel Action auf den Formel-1-Rennstrecken

Formel 1 2012

— 19.04.2012

Button: "So spannend war es noch nie"

Jenson Button ist nach drei Rennen der Saison restlos begeistert von der Formel-1-Show: Viele Autos siegfähig, gutes Benehmen der Piloten im Zweikampf



Jenson Button ist mit einem Sieg in Melbourne in die Saison gestartet. Danach erlebten der Brite und sein Team McLaren allerdings einige Überraschungen. In Malaysia gewann Fernando Alonso aus dem Nichts mit dem offenbar unterlegenen Ferrari das Rennen, in Schanghai trumpften Nico Rosberg und Mercedes bärenstark auf. Button hält seinen Dienstwagen immer noch für ein Topfahrzeug, aber er hat auch am engen Kampf an der Spitze seine Freude.

Frage: "Jenson, beim letzten Rennen auf der kürzeren Version dieser Strecke lief es für dich gut. Bist du also nun guter Dinge?"
Jenson Button: "Ja, auf jeden Fall. Dieses ist die Streckenvariante, die mir mehr liegt. Es ist die bessere der beiden Varianten, denn die wilden Sprünge von 2010 sind endlich nicht mehr da. Ich bevorzuge diese Version ganz eindeutig."

Frage: "In China ging es erneut extrem eng zu. Hattest du auch deinen Spaß?"
Button: "Ja, das Rennen war nett anzuschauen. Ich habe mir später nochmal den Start und ein paar Überholmanöver angeschaut. Mehr Aufregung hätten wir in den ersten zwei Rennen des Jahres kaum erwarten dürfen, aber es war nochmal besser. Es gab viel Action und es wurde sehr deutlich, dass die Autos sehr dicht beisammen sind."

"Die meisten Teams sind bezüglich ihrer Rundenzeit auf einem ähnlichen Niveau. Außerdem benehmen sich bisher alle Piloten ziemlich gut. Das ist toll. Es gab bisher herrlichen Rennsport. Ich hoffe, das geht nun so weiter. Warten wir es mal ab."

Wann folgt ein langweiliges Rennen?

Frage: "Wir haben in den ersten drei Rennen drei verschiedene Sieger gesehen. Und auch hier kann man kaum einschätzen, wer vorne liegen wird. Woran liegt das?"
Button: "Die Teams sind dicht beisammen, weil alle über den Winter einen tollen Job gemacht haben. Es geht immer darum, jeweils das Beste aus seinem Paket herauszuholen. Manche Autos funktionieren besser im Qualifying, andere eher im Rennen. Das mischt es alles durcheinander."

"Die Rennen waren bisher wirklich erstklassig. Die fahrerische Klasse und Disziplin war herausragend. Es gab herrliche Rad-an-Rad-Duelle, vielleicht manchmal eine zarte Berührung, aber nichts, worüber man sich nach dem Rennen noch unterhalten müsste. Die Formel 1 ist bisher in diesem Jahr fantastisch. Es waren drei tolle Rennen. So wird es aber nicht das ganze Jahr weitergehen."

"Man wird nicht immer so viel Action erleben. Im Fußball gibt es auch immer mal wieder ein 0:0. Vielleicht erleben wir nun mal ein Rennen, das nicht ganz so aufregend ist. Dennoch sieht es so aus, als könnte diese Saison eine mit großartiger Show werden."

Frage: "In den Vorjahren musste euer Blick immer nur Red Bull gelten, nun aber ganz vielen Teams. Überrascht dich das?"
Button: "Die Teams sind kaum einzuschätzen. Ich hätte beispielsweise Mercedes in der vergangenen Woche niemals so stark im Rennen erwartet, auch wenn die Vorderreifen und nicht die Hinterreifen das Problem in China waren. Sauber hatte ich hingegen stärker erwartet. Aber das war eben nicht der Fall. Man kann es kaum einschätzen. Ein konkreteres Bild ergibt sich wohl erst in den kommenden Rennen."

"Es wird dennoch weiterhin Schwankungen geben. Wenn Teams dermaßen eng beisammen liegen, dann können zwei Zehntelsekunden durch irgendein Update ein riesiger Fortschritt sein. So etwas kann ein Team weit voranbringen. Aus Fahrersicht: Man darf sich nicht einen einzigen Fehler erlauben. In China hatten wir dieses kleine Problem beim Boxenstopp. Das hat mich sofort vier Positionen gekostet, ich lag plötzlich hinter denen. Kleinigkeiten können große Auswirkungen haben."

Fahrer bleiben in heißen Duellen cool

Frage: "Du hast die Qualität der Fahrer eben schon angesprochen: Sind so viele Talente im Starterfeld?"
Button: "Ja, ich denke, dass die Teams in den vergangenen Jahren viele talentierte Leute aus der GP2 geholt haben. Die haben bewiesen, dass sie ihren Platz in der Formel 1 verdient haben. So können gute Rennen entstehen. Noch im vergangenen Jahr gab es mehr Rempeleien, es ging manchmal zu weit. In diesem Jahr ist es besser, weil die meisten Fahrer ihre Limits respektieren. Jetzt steigen die Fahrer nach dem Rennen aus, schütteln sich die Hände und sagen: 'Wow, was für ein toller Zweikampf'. Das erlebt man nicht so oft. Da bildet dieses Jahr eine Ausnahme. Hoffentlich geht das so weiter."

Frage: "Sergio Perez ist beispielsweise in Malaysia auf Platz zwei gefahren. Wie bewertest du das?"
Button: "Er ist toll gefahren. Für mich war es nicht gerade das beste Wochenende meines Lebens. Sergio hat das super gemacht. Weil die Teams so dicht beisammen liegen, können so etwas in diesem Jahr vielleicht noch mehr Leute schaffen. Wenn ein Team und ein Fahrer ein perfektes Wochenende erwischen, dann gibt es die Chance auf viele Punkte."

Frage: "Wo steht McLaren denn im Moment?"
Button: "Der Saisonstart war natürlich super, aber man sieht, dass so etwas kein Selbstläufer ist. Es geht eng zu. Ich habe noch nie irgendeine Serie bestritten, wo dermaßen viele Teams siegfähig waren. Wir haben jetzt schon drei verschiedene Sieger. Bei einem davon hätten wir uns sehr gewundert, wenn er im Trockenen gewonnen hätte. Es ist immer wieder überraschend, wie nahe die Teams zusammen liegen."

"Ich wünsche mir natürlich, dass wir weiterhin siegfähig sein werden. Aber wir kommen hierher und wissen eigentlich gar nicht, wer hier für den Sieg tatsächlich in Frage kommt. Das ist schwierig. Wir wünschen uns, dass wir weiterhin zu den Topteams zählen werden. Aber ob wir schnell genug sind, müssen wir erst einmal abwarten."

Frage: "Ändert das etwas an deiner Herangehensweise, an deinem Ansatz, die WM möglichst zu gewinnen?"
Button: "Nein, nicht wirklich. Man will immer Grand-Prix-Siege einfahren. Das ist das, was wir lieben. Aber man darf nicht immer mit Herz fahren, sondern muss auch mit dem Kopf agieren. Ich möchte weitere Siege feiern. Einen Erfolg habe ich in diesem Jahr schon, aber ich werde dennoch nicht nachlassen. Man will möglichst viele Punkte holen. Der Unterschied zwischen Platz eins und Platz zwei ist diesbezüglich sehr groß. Deswegen muss man auf Sieg fahren."

Bahrain-Probleme: Rennfahrer oder Mensch?

Frage: "Wie schont man im Rennen seine Reifen? Muss man fahren wie eine Oma?"
Button: "Nein, das würde ich nicht behaupten (lacht). Es kommt auf verschiedene Faktoren an. Wir alle fahren etwas unterschiedlich und wir alle haben eine unterschiedliche Art, auf die Reifen zu achten. Im vergangenen Jahr war alles etwas anders. Damals stand der starke Reifenverschleiß im Vordergrund. In diesem Jahr geht es nicht nur um den Verschleiß, sondern auch darum, die Reifen im Arbeitsfenster zu halten."

"Das ist schwierig. Vor allem dann, wenn es kühl ist. Ich hatte da so meine Schwierigkeiten, die Pneus auf Temperatur zu halten. Das war eine Schwäche. Das hat mich viel Zeit gekostet. Mehr als ich mir gewünscht hätte. Hier werden wir das Problem wohl nicht haben. Derzeit sind es hier 32 Grad. Wir können uns dann also wieder mehr darauf konzentrieren, das Beste aus dem Auto herauszuholen."

Frage: "Lewis und du auf den Plätzen eins und zwei der Fahrerwertung, McLaren in der Teamwertung vorne - es sieht gut aus, oder?"
Button: "Ja, auf dem Papier sieht das tatsächlich gut aus. In den Rennen ist die Sache aber schwieriger als es auf dem Papier aussieht. Es ist ein dermaßen intensiver Wettbewerb und man weiß nie, was passieren wird. Unser Auto ist sicherlich gut. Aber wir wissen nicht, ob wir hier konkurrenzfähig sein werden. Zumindest sind wir nicht sicher. Man weiß es nicht. Das ist hart für uns, aber spannend für alle."

Frage: "Du hast sicherlich von den Vorfällen bei Force India gehört. Bist du glücklich, hier in Bahrain zu fahren?"
Button: "Das ist für mich sehr schwierig zu beantworten. Ich stehe jetzt hier als Rennfahrer und nicht als Sprecher eines Teams. Ich befragt mich ja als Rennfahrer und nicht mich als Mensch, der natürlich seine Ansichten bezüglich der Situation hier hat. Ich bin hier, um ein Rennen zu fahren. Mehr kann ich dazu nicht sagen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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