Weltmeister Sebastian Vettel hat mit dem Sieg die WM-Führung übernommen

Formel 1 2012

— 22.04.2012

Bahrain: Vettel siegt vor Lotus-Duo

Lotus begehrt auf, Kimi Räikkönen erstmals seit dem Comeback auf dem Podium, aber am Ende feiert in Bahrain Sebastian Vettel seinen ersten Saisonsieg



Viertes Rennen, vierter Sieger: Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) beendete heute beim Grand Prix von Bahrain in Manama seine kurze Durststrecke und feierte seinen ersten Saisonerfolg. Heimlicher Mann des Rennens war aber Kimi Räikkönen (Lotus), der erstmals seit seinem Comeback wieder an einem Sieg schnupperte und letztendlich Zweiter wurde.

Nach 57 Runden hatte der "Iceman" 3,3 Sekunden Rückstand auf Vettel, dem er vor dem letzten Boxenstopp bedrohlich nahe gekommen war. In der 34. Runde betrug der Abstand zwischen den beiden erstmals weniger als eine Sekunde, sodass Räikkönen den verstellbaren Heckflügel (DRS) aufklappen und sich am Ende der Start- und Zielgerade jeweils ansaugen konnte. Doch in den Kurven konnte sich Vettel jeweils gerade so viel Vorsprung verschaffen, dass er in Führung blieb.

Nur eine echte Chance gegen Vettel

"Ich hatte nur eine Chance, aber da entschied ich mich auf der Bremse für die falsche Seite", ärgert sich Räikkönen. "Das war die einzige Situation, wo Vettel ein bisschen unter Druck war", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot Adrian Sutil. "Aber er hat das gut gemacht, sich nach innen gesetzt und den Platz verteidigt." Räikkönen bedauert: "Schade, dass es nicht geklappt hat." Aber immerhin darf er sich über seinen ersten Podestplatz seit 2009 freuen.

Die Grundlage dafür wurde schon gestern geschaffen, als der Lotus-Pilot den Einzug ins dritte Qualifying verpasste und damit zwei Reifensätze sparte. "Kimi scheint wo einen Reifenhändler gefunden zu haben, denn er hatte immer neue Reifen! Das war schwierig", lächelt Vettel. Räikkönen sieht sich im Nachhinein bestätigt: "Die gestrige Entscheidung hat sich als richtig herausgestellt", freut er sich.

Trotzdem lief nicht alles perfekt: "Ich habe am Anfang einen Platz gegen einen Ferrari verloren. Die anderen zu überholen, ist halt nicht einfach. Wir hätten gewinnen können, aber wir stehen mit beiden Autos auf dem Podium", zieht er Bilanz und spricht über sein Duell mit Teamkollege Romain Grosjean: "Es gibt keine Teamorder. Wir kennen die Regeln. Ich wollte so schnell wie möglich überholen, aber das ist bei zwei fast gleichen Autos nicht einfach."

Entscheidung durch letzten Boxenstopp

Grosjean erwischte diesmal einen guten Start und kam als Vierter aus der ersten Runde zurück, griff sich dann erst Mark Webber (Red Bull) und ein paar Runden später auch Lewis Hamilton (McLaren), während von hinten Räikkönen durch das Feld pflügte. In der 24. Runde kam es zum Überholmanöver - und von da an machte der "Iceman" Jagd auf die Führung. Doch der letzte Boxenstopp brachte die Vorentscheidung.

Weil die Red-Bull-Crew etwas schneller arbeitete als Lotus, konnte Vettel Räikkönen aus der DRS-Sekunde abschütteln. Zudem kam er mit harten Pirelli-Reifen offenbar besser zurecht als davor mit weichen. Aber der Lotus-Kommandostand witterte noch eine Chance: "Vettel hat stärker abbauende Reifen als du. Du wirst ihn einholen." Ein Irrglaube, wie sich herausstellen sollte, denn der Weltmeister ließ von da an nichts mehr anbrennen.

"Es war ein unglaubliches Rennen, manchmal extrem hart", jubelt Vettel. "Ich hatte einen guten Start und konnte mich sofort absetzen, was ein großer Vorteil war. Ich hatte ja keine neuen Reifen mehr, weil ich die schon im Qualifying verbraucht hatte. Kimi war sehr schnell, Romain auch, aber bei uns hat alles funktioniert. Das haben wir nicht erwartet, als wir ins Wochenende gestartet sind. Ein perfekter Sonntag!"

Erster Podestplatz für Grosjean

Grosjean fuhr im letzten Drittel ein einsames Rennen, hatte nach hinten fast eine halbe Minute Puffer auf Webber, der Vierter wurde. "Ein merkwürdiges Gefühl, aber ein gutes", sei das erste Podium, grinst der Franzose. "Wir wussten, dass wir ein gutes Auto haben, aber der Speed am Anfang hat uns selbst überrascht. Unser Auto ist sehr konkurrenzfähig. Jetzt will ich gewinnen, aber das wird noch ein bisschen dauern."

Fünfter wurde Nico Rosberg (Mercedes), der diesmal nicht ganz an die Performance von Schanghai anknüpfen konnte. Rosberg verlor am Start vier Positionen, drängte dann Hamilton einmal relativ hart von der Strecke ab, was ihm eine Untersuchung durch die Rennleitung einbrachte. "Wundert mich nicht. Das war schon ziemlich hart, was Nico gemacht hat", findet Experte Marc Surer. Rosberg selbst sah das am Funk ganz anders: "Lewis hat mich neben der Strecke überholt!"

"Bisher herrscht in dieser Saison ein Durcheinander", so Rosbergs Fazit. "Man weiß überhaupt nicht, wer im Rennen schnell ist. So oder so war das Wochenende okay für uns. Wenn man sich die ersten beiden Rennen anguckt, dann kann man sagen, dass wir da sehr langsam waren. Hier war es aber okay und die Bedingungen da draußen waren sehr schwierig. Das Reifenmanagement war extrem wichtig. Von daher kann man da ziemlich viel Positives sehen."

McLaren patzt an der Box

Hamilton spielte im weiteren Rennverlauf übrigens keine entscheidende Rolle mehr: Gleich nach dem Start konnte er die starke Pace von Vettel nicht gehen, dann musste er Grosjean passieren lassen - und die zwei ersten Boxenstopps gingen wieder einmal völlig in die Hose. Dass er am Ende mit einer Minute Rückstand zumindest noch Achter wurde, war angesichts dieser Umstände nicht selbstverständlich.

Hamilton profitierte vom Pech seines Teamkollegen Jenson Button, der an siebter Stelle liegend mit Reifenschaden an die Box kam und eine Runde später mit einem technischen Defekt ganz abstellen musste. In jener Phase wollte er sich eigentlich gerade den einzigen Zweistopper im Feld, Paul di Resta (Force India) zurechtlegen, der mit abbauenden Reifen kurz zuvor schon einen Platz gegen Rosberg verloren hatte.

Ferrari erreichte die Positionen sieben (Fernando Alonso) und neun (Felipe Massa) und erfüllte damit die bescheidene Zielvorgabe, mit beiden Autos zu punkten. Erfreulich vor allem die Performance von Bahrain-Spezialist Massa, der vor dem letzten Boxenstopp in Alonsos Windschatten sogar phasenweise schneller war und am Ende weniger als zehn Sekunden nach seinem Teamkollegen über die Ziellinie fuhr.

Mercedes von der Realität eingeholt

Michael Schumacher (Mercedes), bei dem vor dem Start das Getriebe gewechselt worden war, konnte nach einem katastrophalen Samstag immerhin noch einen WM-Punkt retten, 1,2 Sekunden vor Sauber-Youngster Sergio Perez und Nico Hülkenberg (Force India). Daniel Ricciardo (Toro Rosso), Sensationsmann des Qualifyings, erwischte einen schlechten Start, musste dann auch noch die Nase auswechseln lassen und wurde unterm Strich gerade mal 15.

Eines der Themen des Tages waren die Reifen - und zwar nicht nur wegen der Performance, sondern weil es erstmals in der Pirelli-Ära zu drei Reifenschäden kam: Gleich nach dem Start musste sich Heikki Kovalainen (17./Caterham) neue Pneus abholen, später dann hatte Pastor Maldonado (Williams) einen schleichenden Platten und im Finish dann auch noch Button. Die Ursache dafür ist bisher nicht geklärt.

Nach dem von zahlreichen Überholmanövern geprägten Grand Prix von Bahrain führt in der Fahrer-WM erstmals Vettel (53 Punkte) vor Hamilton (49) und Webber (48). Räikkönen liegt mit 34 Punkten an siebter Stelle. Bei den Konstrukteuren übernimmt Red Bull (101) Platz eins vor McLaren (92) und Lotus (57). Weiter geht's am 13. Mai in Barcelona (Spanien). Davor wird noch von 1. bis 3. Mai in Mugello (Italien) getestet.

Fotoquelle: xpbimages.com

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