Kronprinz Salman bin Hamad bin Isa Al Chalifa und Zayed Al Zayani

Formel 1 2012

— 23.04.2012

Bahrain: 27.800 Zuschauer auf leeren Tribünen

Bahrain jubelt über eine tolle Zuschauerbilanz, auch wenn die Tribünen schlecht besetzt waren - Fahrer und Teams weiterhin äußerst unkritisch



Die von Oppositionsgruppen angekündigten "drei Tage des Zorns" in Bahrain haben am vergangenen Wochenende zwar zu mehreren Demonstrationen mit einem Todesfall geführt, doch im Formel-1-Paddock des Bahrain International Circuit (BIC) ging es stets friedlich zu. So ist es dem Regime gelungen, der Außenwelt zumindest zwei Stunden lang ein positives Bild vom Land zu vermitteln.

"Ich bin sehr stolz auf die Bahrainer", freut sich Kronprinz Salman bin Hamad bin Isa Al Chalifa, ein Sohn von König Hamad bin Isa al Chalifa, im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Sie haben es geschafft, und unabhängig vom ethnischen Hintergrund sind wir alle sehr stolz auf dieses Rennen. Ich freue mich sehr für mein Land, denn das erinnert die Menschen daran, was wir erreichen können, wenn wir zusammenhalten."

Kronprinz möchte Brücken bauen

Auf unsere Frage, ob er erleichtert darüber sei, dass das Rennen friedlich über die Bühne gehen konnte, antwortet der monarchische Politiker: "Niemand kann eine rhetorische Frage wie diese beantworten. Ich war aber optimistisch, dass das Volk von Bahrain mehrheitlich will, dass dieses Rennen stattfindet, um Brücken zu bauen. Es wird immer Extremisten geben, auf jeder Seite, aber ich habe keine Dramen erwartet."

Laut einer von BIC-Chef Zayed Al Zayani präsentierten Studie, durchgeführt von der Firma Nielsen, stehen 77 Prozent der Bevölkerung hinter dem Rennen. "Außerdem kenne ich wenige andere Länder, die behaupten können, dass zehn Prozent ihrer Bevölkerung zum Grand Prix kommen", erklärt er stolz. "Angesichts dieser Tatsachen und der unglaublichen Atmosphäre an der Strecke besteht für mich kein Zweifel darüber, wie Bahrain über die Formel 1 denkt."

Insgesamt sollen 27.800 Karten abgesetzt worden sein - eine sehr beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Bahrain nur 1,2 Millionen Einwohner hat. Allerdings war nicht zu übersehen, dass die Haupttribüne bei weitem nicht voll war und andere Tribünen teilweise komplett leer blieben. Doch der Kronprinz meint, die Zuschauer hätten sich woanders aufgehalten: "Waren Sie auch hinter der Tribüne? Gehen Sie hin, schauen sie es sich an!"

Angeblich 27.800 verkaufte Karten

"Die Menschen in Bahrain schauen Autorennen nicht auf die gleiche Weise an wie in Europa", behauptet er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Tausende Menschen waren hinter der Tribüne. Wir haben 27.800 Karten verkauft, was fast unsere zweitbeste Bilanz ist. Sie sind alle hinter der Tribüne, hören sich die Musik an, schauen das Rennen auf den Videowalls, spielen in den Zelten mit ihren Kindern."

Doch auf unsere Frage, warum man sich eine Eintrittskarte kaufen sollte, um dann erst recht nicht auf einer der Tribünen zu sitzen, knurrt BIC-Chef Al Zayani nur: "Vielleicht, weil wir einen Grand Prix mit so einer tollen Verpflegungs-Zone haben! Fragen Sie die tausenden Menschen da hinten, ob sie sich gut unterhalten haben oder nicht. Auf jeder anderen Strecke verschwinden die Menschen nach dem Rennen, aber bei uns bleiben sie bis in die Nacht hinein."

Viele Zuschauer nicht auf den Tribünen?

Tatsächlich wurde im sogenannten Formel-1-Dorf hinter der Haupttribüne viel geboten - von einer Rockmusik-Bühne über Zirkuszelte bis hin zu Kunstausstellungen und einem Musiktheater scheuten die Veranstalter keinen Aufwand. "Es ist wie Disneyland", wird ein internationaler Besucher von 'Reuters' zitiert. "Das ist das beste Unterhaltungs-Dorf, das ich seit langem gesehen habe. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben, aus naheliegenden Gründen."

Doch dass nicht alles war wie in den vergangenen Jahren, konnte man zum Beispiel an den vielen Gästen mit Paddock-Club-Pässen erkennen, die sich an Fast-Food-Ständen mit Essen versorgten. Weil der exklusive Paddock-Club einen akuten Gästemangel zu beklagen hatte, wurden viele Pässe offenbar an "Normalsterbliche" vergeben. Die wussten dann natürlich nicht, dass sie im VIP-Bereich mit Gourmet-Menüs versorgt worden wären...

Die Teams wagten es auch nach dem Grand Prix nicht, kritische Töne anzuschlagen: "Ich möchte dem Kronprinzen, der FIA, ihrem Präsidenten Jean Todt sowie Bernie Ecclestone und den Veranstaltern für ihre Arbeit, dieses Rennen sicherzustellen, danken, insbesondere dem Vorsitzenden Zayed Al Zayani. Wir selbst sind nicht in Probleme geraten, weder an der Strecke noch in Manama", meinte beispielsweise Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost vor seiner Abreise.

Vettel: Rennen überschattet

Der Einzige, der offensichtlich gerne etwas gesagt hätte, war Sieger Sebastian Vettel. "Ich lese ja auch, sehe die Bilder. Sowas überschattet natürlich das Rennen hier", deutete er nach dem Rennen an. "Aber es war wichtig für uns, uns auf das Wochenende zu konzentrieren. Man versucht, sich nicht von den äußeren Umständen beeinflussen zu lassen, soweit das halt geht. Aber ich glaube, es war für alle nicht einfach."

"Wichtig ist, dass bis jetzt alles gut verlaufen ist. Darüber bin ich erleichtert. Jetzt hoffen wir, dass auch der Rest gut verläuft, dass die Mechaniker erfolgreich zusammenpacken und wir dann friedlich nach Hause kommen", so der Red-Bull-Pilot. Bisher sind keine Zwischenfälle bekannt geworden, allerdings sickerte heute Morgen durch, dass ein britisches Kamerateam gestern vorübergehend festgenommen und dann wieder freigelassen wurde.

Vettel: "Die Menschen hier haben versucht, es so sicher wie möglich zu machen. Ein großes Dankeschön dafür. Hoffentlich kommen wir in Zukunft wieder hierher, und hoffentlich ist dann auch alles ein bisschen sicherer. Wir Fahrer werden manchmal dafür kritisiert, dass wir Fragen nicht beantworten. Es ist für Außenstehende, für Leute, die nicht hier sind, sehr leicht, solche Kommentare abzugeben. Aber lassen wir's am besten dabei..."

Kroprinz verärgert über Medien-Berichterstattung

Der Kronprinz hofft, dass der Grand Prix ein positives Signal war: "Ich will nicht behaupten, dass wir perfekt sind", gibt er zu. "Wir haben viel Arbeit vor uns, um Vertrauen zwischen allen möglichen Gemeinschaften in diesem Land zu schaffen, aber wir können es schaffen, wenn wir Veranstaltungen haben, die die Menschen zusammenbringen. Wenn wir aber fortlaufend nur eine Seite der Geschichte darstellen, bringt uns das nicht weiter."

Am BIC geht das Rennprogramm schon am kommenden Wochenende mit der GP2-Serie weiter. "Wir freuen uns jetzt auf eine Reihe weiterer Motorsport-Veranstaltungen, einschließlich der GP2, der Langstrecken-WM im September und der Kart-Weltmeisterschaft im November", blickt Al Zayani voraus. Bei all diesen Events wird das Medienaufkommen natürlich ungleich geringer sein als bei der Formel 1.

Fotoquelle: xpbimages.com

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