In Bahrain konnte das Ferrari-Team nur mäßig in Erscheinung treten

Formel 1 2012

— 24.04.2012

Domenicali unter Druck: "Müssen jetzt Schritt machen"

Barcelona wird für Ferrari wie im Vorjahr zum Schlüsselrennen: Teamchef Stefano Domenicali hofft auf die Updates und gibt die WM noch lange nicht auf



Nach dem überraschenden Erfolg in Sepang musste Ferrari sowohl in China, als auch in Bahrain zwei Enttäuschungen hinnehmen. Die Scuderia hatte am Ende mit Fernando Alonso die Platzierungen neun und sieben zu Buchen stehen, Felipe Massa ging in Sepang leer aus und eröffnete beim Wüstenrennen sein Punktekonto mit Platz neun. Für ein Team mit Titelanspruch ganz klar zu wenig.

Dementsprechend groß ist nun der Druck vor dem Auftakt der Europasaison in Barcelona, wo Ferrari mit einem generalüberholten F2012 endlich den Anschluss finden möchte. "Die erste Runde der ersten vier Rennen hat nun geendet, und wir können nun eine erste Bewertung vornehmen", beginnt Teamchef Stefano Domenicali seine Analyse. "Wir dürfen auf keinen Fall mit unserem Saisonstart zufrieden sein, aber wir wussten ja bereits nach den Wintertests, dass der Saisonstart hart werden würde."

Domenicali fordert Fortschritte

Doch Domenicali ist bewusst, dass es schlimmer hätte kommen können: "Uns ist Schadensbegrenzung gelungen - vor allem in der Fahrer-Weltmeisterschaft, wo Fernando Fünfter ist, nur zehn Punkte hinter dem Leader. Uns ist aber gleichzeitig klar, dass wir jetzt einen Schritt machen müssen - ab dem kommenden Rennen. Unsere Ingenieure sind sich dessen bewusst und arbeiten Tag und Nacht, um unseren Fahrern ein konkurrenzfähigeres Auto zu geben als in den ersten vier Rennen."

Nun gibt Domenicali auch offen zu, dass er vor dem ersten Rennen in Australien mit einem katastrophalen Auftakt gerechnet hatte: "Fernando hat in den beiden letzten Rennen alles gegeben und es damit geschafft, das gesamte Potenzial des Autos abzurufen - auch das Team hat gut gearbeitet. Ehrlich gesagt - als wir uns auf den Weg nach Melbourne machten, hätte ich es nicht geglaubt, wenn uns jemand in dieser Position eingeschätzt hätte."

Teamkollege Massa beklagte hingegen einen harten Saisonauftakt, kam allerdings seinen Teamkollegen seit Melbourne immer näher: "Felipe hat auf positive Art und Weise auf die anfänglichen Schwierigkeiten reagiert, und ich bin sicher, dass er durch das Ende seiner punktelosen Phase für die kommenden Rennen Selbstvertrauen gesammelt hat."

Bringt Barcelona den Durchbruch?

Doch nun ist der Druck in Maranello enorm - eine Situation, die an das Vorjahr erinnert, als Technikchef Aldo Costa nach einem enttäuschenden Rennen seinen Hut nehmen musste. Der Umbau des Autos für den Grand Prix von Spanien wird darüber entscheiden, ob beim Team endlich Ruhe einkehrt oder bald die ersten Köpfe rollen könnten. Das Update des Autos soll vor dem Einsatz in Barcelona beim Test in Mugello getetestet werden.

"Die kommenden Tage werden sehr wichtig sein", weiß Domenicali. "Nun ist es das primäre Ziel, bei der Entwicklung des Autos so hart wie möglich zu pushen. Nächste Woche stehen drei Testtage in Mugello an, aber es ist noch nicht sicher, dass wir dort alle Updates für Barcelona sehen werden. Wir müssten jede uns zur Verfügung stehende Minute nützen, um die Performance des F2012 zu verbessern."

Neue Arbeitsweise

Doch Ferrari muss nun auch langfristig die Weichen stellen und überarbeitet nun wie vor dem Rennen in Bahrain angekündigt die offensichtlich nicht ganz optimalen Arbeitsprozesse. "Wir intensivieren nun den Prozess, unsere Arbeitsweise in allen Bereichen zu verändern, gleichzeitig stärken wir die Bereiche, wo wir am schwächsten sind - wie die Aerodynamik", bestätigt der Teamchef. "Es handelt sich dabei um ein Langzeit-Projekt, das sich Präsident Luca di Montezemolo ganz aus der Nähe ansieht und das für die Zukunft der Scuderia entscheidend ist."

Domenicali gibt zu, dass Ferrari in den vergangenen Jahren den Anschluss verloren hat: "Die Formel 1 hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, und wir haben auf diese Veränderungen nicht immer rechtzeitig reagiert", spielt er zum Beispiel auf das Testverbot an, das die Teams dazu zwang, teure Simulationseinrichtungen zu lukrieren oder zu entwickeln.

Enger Saisonstart gibt Hoffnung

Derzeit liegt Ferrari aber immerhin auf dem vierten Platz in der Konstrukteurs-WM - zwar mit etwas Abstand auf Red Bull und McLaren, aber Lotus liegt durchaus in Reichweite. "Der Saisonstart war dadurch gezeichnet, dass es sehr eng hergeht", fällt dem Mann aus Imola auf. "Die Statistik zeigt, dass es nun Jahre her ist, dass es in den ersten vier Rennen vier verschiedene Sieger gab. Darüber hinaus muss man 29 Jahre zurückblicken, als zum letzten Mal vier verschiedene Autos gewannen."

Im Vorjahr hatte Ferrari große Probleme, die Reifen auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen - ein Problem, das man nach eigenen Angaben dieses Jahr grundsätzlich im Griff hat. Dennoch entscheiden die Reifen weiterhin über Sieg oder Niederlage: "Die Reifen scheinen der wichtigste Faktor zu sein. Man muss ihr Verhalten verstehen, um - wie wir in Bahrain gesehen haben - die richtige Strategie in Rennen und Qualifying festzulegen, die den richtigen Zeitpunkt für die Boxenstopps und wie man auf einer schnellen Runde die beste Zeit erreicht vorgibt. Das hängt von der Entwicklung der Strecke und all den entscheidenden Elementen im Kampf um Spitzenplatzierungen ab."

Ferrari-Mechnaiker gestorben

Details können dieses Jahr den Unterschied machen: Die Statistik beweist, dass Alonso mit seinen zehn Punkten Rückstand auf WM-Leader Sebastian Vettel nach vier Rennen deutlich näher an der Spitze liegt, als in den vergangenen Jahren. 2010 waren es elf Punkte, 2011 bereits 52.

Dementsprechend viel Bedeutung gibt er dem Barcelona-Update: "Ich rechne damit, dass in Barcelona viele Teams signifikante Updates bringen werden - wir müssen daher besser arbeiten als die anderen." Die Arbeit des Teams wurde aber zuletzt durch einen Todesfall gestört: Der Getriebemechaniker Matteo Vignali erlitt gestern einen Herzinfarkt - keine leichte Situation für die Scuderia.

"Daher sind die Ereignisse auf der Strecke von sekundärer Bedeutung", meint Domenicali. "Wir sind sehr traurig über den Tod von Matteo - ein junger Mann, der in der Getriebeabteilung arbeitet und einer Herzattacke zum Opfer fiel. Er hat sein Leben mit nur 32 Jahren verloren - das hat bei uns viel Betroffenheit ausgelöst. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und bei seinen Freunden."

Fotoquelle: xpbimages.com

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