Streckenchef Zayed Al Zayani ärgert sich über die Medienberichte

Formel 1 2012

— 24.04.2012

Nach Bahrain-Grand-Prix: Kritik an Medien wächst

Panikmache statt seriöser Berichterstattung? Nach dem Formel-1-Rennen in Bahrain äußern sich mehrere Verantwortliche kritisch über die Rolle der Medien



Selten wurde ein einem Rennwochenende der Formel 1 derart intensiv über Geschehnisse abseits der Rennstrecke berichtet, wie am vergangenen Wochenende in Bahrain. Wegen der seit über einem Jahr andauernden, teils gewalttätigen Proteste gegen die Machthaber, die bislang über 50 Todesopfer gefordert hatten und im Vorjahr zur Absage des Rennens geführt hatten, war die Durchführung des Grand Prix höchst umstritten. Wegen Sicherheitsbedenken hatten der deutsche TV-Sender Sky sowie das Porsche-Supercup-Team MRS auf eine Reise nach Bahrain verzichtet.

Ganz unbegründet war die Sorge nicht, wie einige Zwischenfälle im Laufe des Wochenendes bewiesen. So detonierte in der Nähe des Autos eines Mitarbeiters von Bernie Ecclestone ein Brandsatz. Gleiches geschah am Donnerstag unweit eines Teambusses von Force India. Zwar blieben alle Beteiligten unverletzt, doch entschloss sich einer der betroffenen Mitarbeiter des Teams zur Abreise. Force India entschied daraufhin, nicht mehr bei Dunkelheit von der Strecke in die Stadt zu fahren, weshalb das Freie Training am Freitag vorzeitig beendet wurde.

Alles in allem blieb die Formel 1 im gut bewachten Fahrerlager des Bahrain-International-Circuit (BIC) von weiteren Vorfällen verschont, auch von Protesten und Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften bekamen die Protagonisten nur am Rande etwas mit, auch wenn im Laufe des Wochenendes ein junger Mann tot aufgefunden wurde. Haben die kritischen Medienberichte, welche das Rennen begleitet habe, also ein zu negatives Bild gezeichnet?

Gerüchte statt Fakten?

Nachdem bereits FIA-Präsident Jean Todt am Wochenende diese Ansicht vertrat, machen nun weitere Beteiligte ihrem Unmut über die in ihren Augen zu negative Berichterstattung Luft. "Ich war überrascht, dass einige Leute diesen negativen Grundton fortgesetzt haben", wird Streckenchef Zayed Al Zayani von 'Autosport' zitiert.

Der Geschäftsführer des BIC moniert vor allem, dass im Vorfeld viele Journalisten über die Verhältnisse in Bahrain berichtet hätten, ohne sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. "Wir haben einigen angeboten, nach Bahrain zu kommen, dann hätten sie auf Grundlage der tatsächlichen Ereignisse anstatt Gerüchten oder Spekulationen darüber schreiben können", sagt Al Zayani. Doch darauf sei niemand eingegangen. "Das Angebot hat wohl niemand ernst genommen."

"Einige waren regelrecht auf der Suche nach Problemen, über die sie dann berichten können. Wenn du nach Problemen suchst, wirst du sie überall auf der Welt finden", meint der Streckenchef. "Aber du musst das Gesamtbild betrachten. Sie haben aus einer kleinen Sache ein großes Problem gemacht und die eigentliche Geschichte dahinter fallengelassen. Hinterher haben sie dann gemerkt, dass es nicht viel zu berichten gibt."

Al Zayani fühlt sich durch einen Kommentar von Bernie Ecclestone in seiner Meinung besättigt. "Als Bernie Ecclestone das Pressezentrum besuchte, sagte er zu einem Journalisten, dass er froh wäre, wenn dieser seine eigentliche Arbeit erledigen würde, nämlich über die Formel 1 zu berichten." In die gleiche Kerbe schlägt auch Eric Boullier: "Es gibt im Fahrerlager genügend Dinge, über die man berichten kann. Die Medien haben die Politik ins Fahrerlager gebracht, und das war nicht gut."

Politik vom Sport trennen

"Es ist nie gut, Politik mit Sport zu vermischen", meint der Lotus-Teamchef. "Die Formel 1 ist ein Sport und sollte auch als solcher angesehen werden. Dieses Rennen war sehr wichtig für Bahrain, es ist die größte Veranstaltung des Jahres, und die Formel 1 sollte nicht als politisches Instrument missbraucht werden." Einen Schuldigen dafür hat Boullier schon ausgemacht: "Ich sollte das eigentlich nicht sagen, aber die Medien haben nicht das getan, was sie hätten tun sollen."

Nachdem sich die Fahrer und Teamverantwortlichen bei der Einschätzung der politischen Lage während des Rennwochenendes mehr als bedeckt gehalten hatten, ist der Franzose nun der Meinung, dass die Berichte über die Unruhen aufgebauscht wurden. "Jedes Land muss unterschiedliche Probleme lösen. Das ist in allen Ländern so, selbst in England, Frankreich oder anderen europäischen Staaten. Diese Über-Dramatisierung war definitiv falsch", sagt Boullier.

Sein Kollege Christian Horner vertritt die Ansicht, dass die Demonstranten, die gezielt gegen die Formel 1 protestiert hatten, nur eine Minderheit vertreten. "Man hat in den Städten eine Menge Begeisterung für die Formel 1 gespürt", sagt der Red-Bull-Teamchef gegenüber dem Journalisten Adam Cooper. Horner ist aber wie auch Boullier der Ansicht: "Die Formel 1 sollte nicht in politische Debatten hineingezogen werden."

Der Brite glaubt, dass eine erneute Absage des Rennens daran nichts geändert hätte. "Es kann als politisches Signal erachtet werden, wenn du das Rennen fährst, und es kann als politisches Signal erachtet werden, wenn du nicht fährst", so Horner, der allerdings zugeben muss: "Es war ein schwieriges Wochenende für den Sport. Wir selbst haben uns auf den Motorsport konzentriert."

Formel 1 als Impulsgeber

Auch bei Force India, die als einziges Team unmittelbar von einem Zwischenfall betroffen waren, hört man im Nachklang des Wochenendes keine kritischen Stimmen. "Ich glaube ungeachtet aller Kritik und der Schwierigkeiten, die wir hatten, haben Bernie und Jean sehr vorausschauend gehandelt. Sie haben die Formel 1 nach Bahrain gebracht", wird der stellvertretende Teamchef Bob Fernley von 'Autosport' zitiert.

"Es gab einige Probleme, Dinge, die wir im nächsten Jahr aus Sicht der Formel 1 verbessern können. Die Formel 1 sollte aber nicht mit Bedauern zurückblicken, sondern stolz darauf sein, was sie vollbracht hat", so Fernley. Der Force-India-Mann erhofft sich durch die Präsenz der Formel 1 in Bahrain neue Impulse für den politischen Prozess. "Jetzt gibt es für die Politiker in Bahrain eine Lösung."

"Sie müssen abseits der Formel 1 in einen Dialog eintreten. Die Tatsache, dass die Formel 1 mutig genug war, dorthin zu gehen, hat dazu beigetragen, und die Führung ist stark genug, diesen Weg zu gehen", glaubt Fernley. Dazu hat seiner Ansicht nach auch die Anwesenheit der Medienvertreter beigetragen. "Die Machthaber in Bahrain haben sich vor den Weltmedien präsentiert, wenn das keine Transparenz ist, weiß ich es auch nicht."

Fotoquelle: xpbimages.com

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