Der neue Formel-1-Kurs "Circuit of the Americas" im texanischen Austin

Formel 1 2012

— 29.04.2012

Eine Runde auf dem neuen Formel-1-Kurs in Austin

Der ehemalige Motorrad-Weltmeister Kevin Schwantz und Projektgründer Tavo Hellmund schildern eine Runde in Austin



In diesem Jahr feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Rückkehr in den Formel-1-Kalender. Es wird jedoch nicht wie bis 2007 auf dem Kurs von Indianapolis gefahren, sondern auf einer neu gebauten Rennstrecke in der Nähe der texanischen Großstadt Austin. In dieser Woche wurde bereits die neue Asphaltfläche aufgetragen, das Rennen wird Mitte November stattfinden

Entsprungen ist die Strecke zwar der Feder des bekannten Streckenarchitekten Hermann Tilke, der u.a. die Formel-1-Kurse von Abu Dhabi und Bahrain entwickelte, mitgewirkt haben bei der Planung jedoch eine Vielzahl an Personen. Darunter auch der US-Amerikaner Kevin Schwantz, Motorradweltmeister von 1987 und Projektgründer Tavo Hellmund, ehemals Mitarbeiter in Bernie Ecclestones Brabham-Team. Beide orientierten sich bei der Planung an beliebten Passagen auf andern Rennstrecken, darunter der alte Hockenheim- und Österreichring und nahmen sich etwas Zeit, die neue Strecke im Süden der USA zu beschreiben.

Kurve 1: Ein schwieriger Start

"Kurve 1 ist wie eine optische Täuschung", so Hellmund. "Man bremst sie mit etwa 290 km/h an, fährt aber trotzdem bergauf. Dann geht es links durch eine Haarnadel." Tavo Hellmund wählte diese Art von Kurve nachdem er in den 80er Jahren Beifahrer in einem BMW M6 auf dem Österreichring gewesen war. Am Steuer saß damals der spätere Weltmeister Nelson Piquet. Die Hella-Licht Schikane in der Steiermark wies ähnlich Charakteristika auf.

Die erste Kurve auf dem "Circuit of the Americas" wurde kürzlich noch auf Wunsch von Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz von Streckendesigner Hermann Tilke umgebaut. Wurz hatte den Kurs im McLaren-Simulator virtuell abgefahren. Als Folge wurden abseits der Strecke zusätzlich Asphaltzonen geschaffen, um die Kurve insgesamt offener zu gestalten.

Kurve 2: Die Senna-Kurve

"Wenn man den Brasilien Grand Prix im Kopf hat, wäre das die Senna-Kurve", so Hellmund über Turn 2. Die Kurve wird in Austin zwar nicht den Namen des legendären dreifachen Weltmeisters tragen, aber ihre Eigenschaften besitzen: Es geht bergab. Allerdings wird die neue Kurve etwas länger sein als die in Brasilien. "Nachdem es in der ersten Kurve bergauf ging, wollen wir nun sehen, wie mutig die Fahrer sind, wenn es bergab geht", so Motorrad-Ass Kevin Schwantz über Kurve 2.

Kurve 4, 5 und 6

Bei diesen Kurven haben sich die Streckendesigner an der legendären Formel-1-Strecke von Silverstone, genauer gesagt an den klangvollen Passagen Maggots, Becketts und Chapel orientiert. Es sind ultraschnell aufeinanderfolgende Links- und Rechtskurven, die mit rund 200 km/h durchfahren werden. Der ehemalige Grand-Prix-Pilot David Coulthard sprach mal von einer wahren "Achterbahnfahrt". In Austin werden diese Kurven mit 290 km/h angefahren. Im Kurvengeschlängel zerren bis zu 3,7 g am Helm des Fahrers.

Kurve 7, 8 und 9

Nach dieser High-Speed-Passage geht es für die Formel-1-Piloten langsam weiter: Kurve 7 und 8 sind enge Kurven, die ein hartes Anbremsen erforderlich machen.

Kurve 10

Sowohl Hellmund als auch Schwantz wünschten sich eine blinde Kurve für die Formel-1-Strecke in Austin. Der Einlenkpunkt liegt dabei hinter dem Scheitelpunkt, womit man dem Wunsch von Kevin Schwantz nachkam. Fahrfehler sind an dieser Stelle vorprogrammiert, was zu zusätzlichen Überholmanövern führen könnte.

Kurve 11: Es geht wieder bergab

Nach der blinden Kurve rasen die Formel-1-Autos wieder bergab, wobei sie rund 300 km/h erreichen. Dann wird für Kurve 11 wieder hart angebremst und auf 100 km/h verlangsamt. Kurve 11 ist eine 90-Grad-Kurve, die zu ebenfalls zu Überholmanövern einladen dürfte. Nach dieser Kurve folgt eine langgezogene Vollgas-Kurve von über einem Kilometer Länge. Schwantz: "Die Strecke steigt hier etwas an bevor es wieder etwas runtergeht."

Kurve 12 bis 14

Hier nahmen sich die Streckenplaner den alten Hochgeschwindigkeits-Kurs von Hockenheim zum Vorbild. "Ich fand Hockenheim schon immer gut", so Kevin Schwantz. "Man fährt draußen ganz lange durch den Wald und dann kommt es auf fünf oder sechs enge Kurven an." Ein Duell von Kevin Schwantz und Wayne Rainey aus älteren Tagen im Motodrom von Hockenheim ist längst Kult auf Plattformen wie YouTube.

Kurve 16 bis 18

Diese Passage erinnert an den Grand-Prix-Kurs in der Türkei, wo zwischen 2005 und 2011 Formel-1-Rennen stattfanden. Dort gibt es einen Abschnitt mit drei schnell aufeinanderfolgenden Kurven mit unterschiedlichen Scheitelpunkten. In Austin werden es jedoch keine Linkskurven sein wie in Istanbul, sondern die Piloten werden rechts abbiegen. Hellmund: "Die Fahrer werden die Kurven als eine Kurve ansehen. Es geht etwas bergab, in Istanbul hingegen bergauf. Diese Kombination sollte etwas schneller sein als die in Istanbul. Die Autos dürften um die 290 km/h erreichen."

Kurve 19 und 20

Anschließend geht es wieder über eine Gerade bergauf zu Start und Ziel. Beim Bau der Boxenanlage wurde sich nicht an europäischen Rennserie orientiert sondern an der US-amerikanischen NASCAR-Serie, wo die Boxengasse üblicherweise sehr großflächig gestaltet ist. Insgesamt rechnet Tavo Hellmund auf dem Circuit de las Americas mit drei oder vier guten Überholmöglichkeiten für die Formel 1. "In jeder anderen Serie kann denke ich vielleicht sogar an sieben Stellen überholt werden", fasst Hellmund zusammen.

Fotoquelle: Tilke

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