Michael Schumacher ist kein großer Fan der aktuellen Pirelli-Reifen

Formel 1 2012

— 02.05.2012

Pirelli kontert: Sanfte Kritik an Schumacher

Sportchef Paul Hembery glaubt, dass Michael Schumachers Kritik an den Pirelli-Reifen eher ein Frust-Ventil für dessen sportliche Leistungen ist



Mit seiner Kritik an Pirelli, die aktuellen Reifen seien "nicht ganz so passend" für die Formel 1, weil man damit "teilweise nur mit 60 oder 70 Prozent durch die Kurven" fahren kann, da sonst "die Reifen von der Felge fliegen", hat sich Michael Schumacher beim italienischen Reifenhersteller keine Freunde gemacht. Nun setzt sich Pirelli öffentlich zur Wehr und dreht den Spieß um.

Angetan ist man von Schumachers Äußerungen nicht: "Nein, er ist nicht gekommen, hat nicht mit uns gesprochen. Aber sein Teamkollege Nico Rosberg sagt ja genau das Gegenteil", ärgert sich Pirelli-Sportchef Paul Hembery. "Unterm Strich wurden wir um eine bestimmte Herangehensweise gebeten, und die haben wir mit den Teams abgestimmt. Der Leiter der zuständigen Team-Arbeitsgruppe war Ross Brawn. Er hat uns gesagt, dass Kanada 2010 das Vorbild ist, das sie wollen, und daran haben wir gearbeitet."

Kritik an Pirelli wird nicht gerne gesehen

Im Paddock gilt es als offenes Geheimnis, dass es zwischen Pirellis und den Teams sowie deren Fahrern eine Art "Nichtangriffspakt" gibt, der besagt, dass die Reifen unter normalen Umständen nicht öffentlich kritisiert werden sollten. Denn Pirelli wurde darum gebeten, im Interesse der Show schnell abbauende Reifen zu entwickeln. Diesen von den Teams selbst gewünschten Umstand dann zu kritisieren, was den Werbewert des Formel-1-Engagements für Pirelli sehr fragwürdig erscheinen ließe, wäre so gesehen natürlich extrem unfair.

Hembery findet, dass Pirelli bisher alles richtig gemacht hat, denn es gab noch keine Sicherheitsprobleme, dafür aber zumeist spannende Rennen: "Im Vorjahr hatten wir eine interessante Saison, obwohl es ein dominantes Team und einen dominanten Fahrer gab. Dieses Jahr hatten wir in vier Rennen vier verschiedene Sieger auf vier verschiedenen Autos. Das hat es zum ersten Mal seit 30 Jahren gegeben", hält er fest und beansprucht einen Teil des vielen Lobs für die Arbeit von Pirelli.

Gleichzeitig sagt er: "Ich kann Michaels Frust verstehen. Wir haben vier verschiedene Sieger gesehen und einer davon war sein Teamkollege, zwei davon Deutsche. Kimi kommt zurück und steht im vierten Rennen als Zweiter auf dem Podium", übt Hembery zwischen den Zeilen Kritik an Schumacher. "Michael ist der größte Rennfahrer aller Zeiten, ein Sportler, der gewinnen will. Da kann ich schon verstehen, dass er frustriert ist. Man muss aber nicht alles für bare Münzen nehmen, denn Michael ist nur einer von 24 Fahrern. Die meisten Fahrer sind glücklich."

"Die vier bisherigen Sieger haben sicher gepusht - und sie waren schneller als ihre Teamkollegen. Ich kann diese Kritik daher nicht verstehen. In jeder Motorsportart geht man ans Limit des Pakets, das einem zur Verfügung steht", antwortet er auf Schumachers Kritik, man könnte mit den aktuellen Reifen nicht mehr ans Limit gehen. "Wollen wir wieder, dass einer auf und davon fährt, was wir vor ein paar Jahren während der Ferrari-Dominanz hatten? Da haben die Zuschauer abgeschaltet und sich abgewendet - überall außer in Deutschland."

Feedback der Fahrer überwiegend positiv

"Ich hatte am Ende des vergangenen Jahres ein Abendessen mit sieben Fahrern. Alle sagten das Gleiche, nämlich dass sie am Saisonbeginn Zweifel hatten, aber dann große Fans wurden, weil sie das Gefühl hatten, dass ihr Fahrstil einen Einfluss auf die Performance des Autos hat", so der Brite. "Der Fahrer zählt wieder - und ich halte das in einem Sport, in dem es letztendlich um die Fahrer gehen sollte, für wichtig. In den ersten vier Rennen haben wir einige tolle Fahrten gesehen. Als Fan hätte mir das gefallen."

"Wenn der Sport entscheidet, dass wir zu aggressiv vorgehen, können wir das ändern", unterstreicht Hembery. "Wir können Reifen bauen, die nicht abbauen und mit denen man das ganze Rennen hindurch pushen kann. Im Vorjahr gab es das, denn die Hard- und Medium-Reifen hatten einen negativen Abbau. Damit meine ich, dass der Performance-Verlust durch die Reifen nicht so groß war wie der Gewinn durch verbranntes Benzin und weniger Gewicht. Allerdings haben es nur ein paar Teams geschafft, das zu nutzen, weil es unterschiedliche Anpressdruck-Niveaus gab."

"Es ist schwierig, alle glücklich zu machen. Das akzeptieren wir. Und wie gesagt: Sollte eine Mehrheit eine Änderung wollen, dann könnten wir uns ändern. Schon morgen Früh", stellt der Pirelli-Sportchef in Aussicht. Allerdings hält er es für ausgeschlossen, dass sich die Formel 1 tatsächlich eine solche Änderung wünscht. Sollte das wider Erwarten passieren, "dann bringen wir halt wieder Reifen, die nach vier Runden gewechselt werden, und dann fahren alle in einer Prozession ins Ziel durch. Aber das ist sicher nicht das, was die Mehrheit will."

Mark Webber kann Hemberys Argumentation verstehen: "Wir Fahrer hätten alle gern schnellere Rundenzeiten und extrem konstante Reifen, mit denen man im Rennen genauso schnell fahren kann wie im Qualifying. Die Fahrer würden das lieben", sagt der Red-Bull-Pilot, schränkt aber ein: "Für das Racing war das offensichtlich nicht das Beste. Da den richtigen Mittelweg zu finden, ist nie einfach. Im Moment bieten wir den Zuschauern eine gute Show. Ob diese konstruiert ist oder auch nicht, aber es ist so gekommen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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