Nick Heidfeld hätte sich in Bahrain nicht anders als seine Kollegen verhalten

Formel 1 2012

— 08.05.2012

Heidfeld verteidigt Verhalten seiner Kollegen in Bahrain

Nick Heidfeld äußert Verständnis dafür, dass seine Kollegen in Bahrain politischen Fragen ausgewichen sind - "Schwierige Situation für Teams und Fahrer"



Der Große Preis von Bahrain 2012 war das politischste Formel-1-Rennen der vergangenen Jahre. Nachdem das Rennen im Vorjahr wegen der teilweise gewalttätigen Proteste gegen die Machthaber aus abgesagt worden war, stand auch die Austragung in diesem Jahr lange auf der Kippe. Politiker und Menschenrechtsorganisationen forderten im Vorfeld des Rennens einen Boykott durch die Formel 1, doch letztlich blieb nur der deutsche TV-Sender Sky, eine Williams-Mitarbeiterin und das Porsche-Supercup-Team MRS dem Rennen fern.

Während des Rennwochenendes, welches bis auf einige kleinere Zwischenfälle problemlos verlief, scheuten Fahrer und Teamverantwortliche klare Aussagen zur Situation im Land. Während dies von einigen Medien äußerst kritisch gesehen wurde, hat Nick Heidfeld Verständnis für die Zurückhaltung seiner Kollegen. "Es ist verständlich, dass man von außen fragt, warum nicht mal einer den Mund aufmacht. Aber so etwas ist leichter gesagt als letztendlich getan", sagt Heidfeld im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Heidfeld, der in dieser Saison für Rebellion in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und bei den 24 Stunden von Le Mans fährt, gibt zu bedenken, dass eine Beurteilung die Situation in Bahrain für Außenstehende nur schwer möglich ist. "Man ist politisch nicht so bewandert, sodass man die Situation dort intensiv analysieren könnte. Ich persönlich gebe nicht gern Kommentare zu Dingen ab, über die ich nicht genau bescheid weiß - gerade bei einer solch heiklen politischen Situation. Wenn ich mich da äußere, dann möchte ich das vernünftig tun. Dazu bin ich aber nicht in der Lage."

"Als Fahrer hat man letztlich kaum die Wahl"

Dass die Zustände in Bahrain wohl kaum dem Vorbild einer westlichen Demokratie entsprechen, ist allerdings auch dem Mönchengladbacher nicht verborgen geblieben. "Vordergründig ist es klar, dass man in der modernen Welt für eine Demokratie ist, aber ich kenne nicht alle Hintergründe in Bahrain. Ich bin nicht nahe genug dran, um einschätzen zu können, was dort im Detail passiert", sagt Heidfeld.

Vor diesem Hintergrund sei seinen Fahrerkollegen nichts anderes übrig geblieben, als auf das Urteil der FIA zu vertrauen. Nachdem diese den Grand Prix bestätigte, hätten die Piloten ihre Arbeit erledigen müssen. "Als Fahrer hat man letztlich kaum die Wahl. Du kannst nicht zu deinem Team sagen, dass du jetzt einfach mal zu Hause bleibst. Das hört sich schön an und ist eine schöne Idee, um vielleicht auf die Situation aufmerksam zu machen, aber so etwas machst du nicht. Das geht einfach nicht."

"Man könnte einige Rennen überdenken"

Das gelte auch für die Teams. "Die sagen doch auch nicht mal eben, dass sie das Rennen nicht mitfahren. Das können sie sich im Rahmen einer Meisterschaft nicht leisten, auch nicht gegenüber den Sponsoren. Da gibt es immer den Zwiespalt zwischen dem, was man persönlich denkt und dem, was man machen muss. Wenn du vor Ort bist und dann etwas sagst, dann ist es von der Außenwirkungen vielleicht noch etwas kräftiger", meint Heidfeld, allerdings würde er schon alleine aus praktischen Erwägungen von der Abgabe eine politischen Statements absehen.

"Wenn du das als einzelner Fahrer machst, dann hast du plötzlich fünf Millionen Journalisten um dich herum und kannst dich nicht mehr auf das Fahren konzentrieren." Daher lautet Heidfelds Fazit: "Das war eine ganz schwierige Situation für Teams und Fahrer. Ich glaube, niemand hat gelogen. Aber ich glaube auch, dass niemand überhaupt irgendetwas gesagt hat."

Außerdem verweist Heidfeld darauf, dass es um die Lage der Menschenrechte auch in anderen Austragungsländern der Formel 1 nicht besser bestellt ist. "Man könnte da schon einige Rennen mal überdenken. Die Situationen sind immer anders. Wenn man sich anschaut, was in China passiert, dann herrschen dort sicherlich auch Zustände, die man in einer modernen Welt eigentlich nicht hinnehmen würde."

Fotoquelle: xpb.cc

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